Experte: Auf Krieg mit Russland im Jahr 2027 vorbereiten
20.04.2025 - 14:42:44Das sagte Ed Arnold von der britischen Denkfabrik Royal United Services Institute (RUSI) im GesprÀch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Mit Blick auf die geplanten massiven Investitionen Deutschlands im RĂŒstungsbereich warnte Arnold, dass die Bundesregierung angesichts der Bedrohung durch Russland keine Zeit habe, die Investitionen ĂŒber einen Zeitraum von zehn Jahren zu verteilen. Stattdessen mĂŒsse sich die Bundeswehr zunĂ€chst darauf fokussieren, rasch die BestĂ€nde an bewĂ€hrten Waffensystemen und an Munition - vor allem Artilleriemunition - erheblich auszubauen.
Bundeswehr groĂteils mit schwerem GerĂ€t ausrĂŒsten
Zu den empfohlenen Systemen gehören laut Arnold unter anderem der Marschflugkörper Taurus, der Kampfpanzer Leopard 2 A8 und das gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug Boxer. Beides seien Fahrzeuge, die auch von anderen europĂ€ischen Nationen genutzt wĂŒrden. Die Bundeswehr könne die Produktion hier "massiv erhöhen" und ihre Einheiten in weiten Teilen mit schwerem GerĂ€t ausstatten sowie VerbĂŒndete versorgen, so der Brite.
Deutsche Luftabwehrsysteme wie IRIS-T und der bei der Bundeswehr bereits ausgemusterte Flakpanzer Gepard haben sich im Krieg in der Ukraine laut dem Experten als "bemerkenswert effektiv" herausgestellt. Auch diese sollten massenhaft hergestellt und auch an VerbĂŒndete exportiert werden, empfiehlt er.
Nicht immer das Beste notwendig
Europa mĂŒsse sich von der Vorstellung verabschieden, immer nur die technologisch hochwertigsten Waffen anzustreben, sagte Arnold. "Was die Ukraine zeigt, ist, dass man nicht immer das Beste haben muss. Man muss nur ein bisschen besser sein als der Gegner", so der Experte. Zudem wĂ€re es nicht ratsam, zu viel Geld fĂŒr GerĂ€te zu verschwenden, von denen man im Ernstfall zehn StĂŒck am Tag verliere.
Bei Drohnen gehe es neben dem Anschaffen eigener BestĂ€nde vor allem auch um den Aufbau von ProduktionskapazitĂ€ten, um sich den schnellen Entwicklungszyklen anzupassen. "Der Wandel in der KriegsfĂŒhrung bedeutet, dass Drohnen auf der niedrigsten Ebene eingesetzt werden", sagte er. Sie seien "allgegenwĂ€rtig auf dem Schlachtfeld".
Krieg mit Russland könnte im Baltikum beginnen
Deutschland mĂŒsse sich auch die Frage stellen, ob es angesichts der politischen Ausrichtung Washingtons tatsĂ€chlich weiterhin in US-Waffensysteme investieren wolle, sagte Arnold. Das betreffe vor allem die Bestellung von F-35-Tarnkappenjets, aber auch das Luftabwehrsystem Patriot. Diese könnten mittelfristig durch europĂ€ische Systeme ersetzt werden.
Sollte Russland absichtlich den Konflikt suchen, wĂ€re dies nach EinschĂ€tzung des Experten am wahrscheinlichsten im Baltikum möglich, etwa an der Suwalki-LĂŒcke, der einzigen LandbrĂŒcke zwischen den Nato-Staaten in Mitteleuropa und den baltischen VerbĂŒndeten. Zugleich warnte Arnold vor der Möglichkeit, dass die Nato-Staaten und Russland angesichts der vielen militĂ€rischen AktivitĂ€ten in Europa unbeabsichtigt in einen Konflikt an anderer Stelle hineinschlitterten.

