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OECD sieht leichten Aufschwung – Industrie warnt vor Krise

02.12.2025 - 13:50:58 | dpa.de

Die OECD sieht fĂŒr Deutschland verhaltenen Aufschwung, doch die Industrie warnt vor einem strukturellen Abstieg. Was der BDI jetzt von der Bundesregierung fordert.

  • Die OECD sieht die deutsche Wirtschaft auf einem verhaltenen Wachstumskurs (Archivbild). - Bild: Oliver Berg/dpa
    Die OECD sieht die deutsche Wirtschaft auf einem verhaltenen Wachstumskurs (Archivbild). - Bild: Oliver Berg/dpa
  • BDI-PrĂ€sident Leibinger sieht die deutsche Industrie in einer strukturellen Krise. - Bild: Christophe Gateau/dpa
    BDI-PrÀsident Leibinger sieht die deutsche Industrie in einer strukturellen Krise. - Bild: Christophe Gateau/dpa
Die OECD sieht die deutsche Wirtschaft auf einem verhaltenen Wachstumskurs (Archivbild). - Bild: Oliver Berg/dpa BDI-PrÀsident Leibinger sieht die deutsche Industrie in einer strukturellen Krise. - Bild: Christophe Gateau/dpa

Obwohl die deutsche Wirtschaft nach neuer Prognose der OECD ab kommendem Jahr wieder langsam auf Wachstumskurs geht, schlÀgt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) Alarm. «Der Wirtschaftsstandort befindet sich in seiner historisch tiefsten Krise seit Bestehen der Bundesrepublik, doch die Bundesregierung reagiert nicht entschlossen genug», sagte BDI-PrÀsident Peter Leibinger der Deutschen Presse-Agentur. Die deutsche Industrie verliere kontinuierlich an Substanz und der Wirtschaftsstandort befinde sich «im freien Fall».

Dem Wachstum der Weltwirtschaft hinkt Deutschland auf jeden Fall weiter hinterher, wie die Organisation fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris mitteilte. Nach einem Plus von voraussichtlich nur 0,3 Prozent in diesem Jahr könnte das deutsche Wachstum im kommenden Jahr auf 1 Prozent zulegen. Die Expertinnen und Experten senkten ihre Erwartung fĂŒr 2026 damit aber um 0,1 Prozentpunkte gegenĂŒber ihres vorherigen Wirtschaftsausblicks im September. FĂŒr 2027 wird ein Wachstum um 1,5 Prozent erwartet.

Zölle und handelspolitische Unsicherheiten belasten Deutschland

Eine niedrige Inflation, steigende Löhne und abnehmende innenpolitische Unsicherheit kĂ€men der deutschen Wirtschaft zugute, erklĂ€rte die OECD. Allerdings beeintrĂ€chtigten die hohe handelspolitische Unsicherheit und die US-Zölle weiterhin die Auslandsnachfrage sowie Investitionen in die exportorientierte Produktion. Zur Belebung trĂŒgen steigende private Investitionen und wachsende öffentliche Ausgaben fĂŒr Verteidigung und Infrastruktur bei. 

Weltweit erwartet die Industriestaatenorganisation fĂŒr das laufende Jahr ein Plus von 3,2 Prozent und fĂŒr 2026 dann eine AbschwĂ€chung auf 2,9 Prozent, gefolgt wiederum von einer leichten Erholung auf 3,1 Prozent im Jahr 2027. Die Weltwirtschaft habe sich trotz erhöhter Handelsbarrieren und erheblicher politischer Unsicherheit als widerstandsfĂ€hig erwiesen. Dennoch habe sich das Wachstum des Welthandels im zweiten Quartal dieses Jahres abgeschwĂ€cht und die OECD erwartet, dass sich höhere Zölle allmĂ€hlich in höheren Preisen niederschlagen und das Wachstum bremsen.

OECD-Chef ruft zur Lösung von Handelskonflikten auf

«Angesichts der SchwĂ€chen der Weltwirtschaft mĂŒssen die LĂ€nder ihre BemĂŒhungen um einen konstruktiven Dialog verstĂ€rken, der eine dauerhafte Lösung der Handelsspannungen und eine Verringerung der politischen Unsicherheit gewĂ€hrleistet», sagte OECD-GeneralsekretĂ€r Mathias Cormann. «Haushaltsdisziplin ist wichtig, um den zunehmenden Risiken zu begegnen, die sich aus der hohen Staatsverschuldung und dem höheren Ausgabenbedarf aufgrund von Verteidigungsanforderungen und der alternden Bevölkerung ergeben.»

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) stĂŒtzt seine negativen Aussichten auf einen neuen Industriebericht, in dem fĂŒr dieses Jahr ein RĂŒckgang der Produktion in der Industrie um zwei Prozent erwartet wird. Damit wĂŒrde sie das vierte Jahr in Folge schrumpfen. «Das ist keine konjunkturelle Delle, sondern ein struktureller Abstieg», so BDI-PrĂ€sident Leibinger. Die deutsche Industrie verliere kontinuierlich an Substanz. Der Wirtschaftsstandort befinde sich «im freien Fall».

In einer schwierigen Lage befindet sich zum Beispiel die Chemieindustrie. Zuletzt lag dem Bericht zufolge die Auslastung der Chemieanlagen nur noch bei 70 Prozent. Auch der Maschinenbau und die Stahlindustrie sind unter Druck. Die Lage in der Bauindustrie dagegen scheint sich zu stabilisieren. In der Autoindustrie wird mit einem Produktionsplus gerechnet, die KapazitÀtsauslastung ist gestiegen. Die BeschÀftigung in der Automobilindustrie aber ist unter Druck geraten.

Leibinger fordert Regierung zum Handeln auf

«Deutschland braucht jetzt eine wirtschaftspolitische Wende mit klaren PrioritĂ€ten fĂŒr WettbewerbsfĂ€higkeit und Wachstum», sagte Leibinger. Jeder Monat ohne entschlossene Strukturreformen koste weitere ArbeitsplĂ€tze und Wohlstand und enge kĂŒnftige SpielrĂ€ume des Staates massiv ein. Konkret fordert der BDI-PrĂ€sident, die Bundesregierung mĂŒsse Investitionen Vorrang vor konsumtiven Ausgaben einrĂ€umen.

Auch der PrĂ€sident des Maschinenbauverbands VDMA, Bertram Kawlath, forderte die schwarz-rote Koalition zu schnellem Handeln auf. «Wir fragen uns, wann kriegen die vom WĂ€hler mit einem Regierungsmandat ausgestatteten Parteien notwendige Reformen und eine Strategie fĂŒr dieses Land auf den Weg?», sagte Kawlath dem «Deutschlandfunk». Man sehe «etwas entsetzt», wie die Parteien der Mitte mit ihrem Mandat umgingen. Erwartungen wĂŒrden nicht erfĂŒllt.

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