Uni-PrĂ€sidentin entschuldigt sich fĂŒr umstrittene Gaza-Likes
29.05.2024 - 18:43:15Die PrĂ€sidentin der Technischen UniversitĂ€t Berlin, Geraldine Rauch, hat sich nach politischem Druck dafĂŒr entschuldigt, im Internet umstrittene Posts zum Gaza-Krieg geliked zu haben. Kurz zuvor hatte Berlins Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra mitgeteilt, in einem persönlichen GesprĂ€ch mit der Professorin die «klare Erwartung» einer öffentlichen Klarstellung geĂ€uĂert zu haben.
«Ich habe auf der Plattform X einige Tweets «geliked», welche die Situation in Gaza und Rafah aufgreifen, die aber antisemitischen Inhalts oder Ursprungs sind», rÀumte die Wissenschaftlerin in einer Mitteilung ein. Von den antisemitischen Inhalten oder Autoren der Postings wolle sie sich ganz klar distanzieren.
Ihr X-Account ist mittlerweile gelöscht
Medienberichten zufolge soll Rauch auf der Plattform X BeitrÀge mit «GefÀllt mir» markiert haben, in denen unter anderem der Krieg in Gaza als Völkermord oder Israel als Kriegsverbrecher bezeichnet wird. Ihr X-Account ist mittlerweile gelöscht, ihre Likes dort lassen sich daher nicht ohne Weiteres nachvollziehen.
Sie selbst schrieb auch, dass sie einen Tweet wegen seines Textes geliked und das darunter gepostete Bild zu dem Zeitpunkt nicht genauer betrachtet habe. «Dies war ein Fehler, fĂŒr den ich mich aufrichtig entschuldigen möchte, da dieses Bild Symbole nutzt und Gleichsetzungen verwendet, die ich mir nicht zu eigen mache und die ich entschieden ablehne.» Sie nahm damit Bezug auf einen Beitrag mit Fotos von Demonstranten, die ein Bild des israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu mit aufgemaltem Hakenkreuz hochhalten.
Senatorin Czyborra hatte zuvor erklĂ€rt: «Es darf zu keiner Zeit einen Zweifel daran geben, dass sich die Berliner Hochschulen von jeglicher Gewalt und Antisemitismus distanzieren und fĂŒr demokratische Werte einstehen. Vor diesem Hintergrund sind unsere politischen Aussagen, seien sie privat oder dienstlich, sehr sorgfĂ€ltig und sorgsam zu wĂ€hlen. Dies erwarte ich auch und insbesondere von Vertreterinnen und Vertretern der Berliner Hochschullandschaft.»
Auch der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hatte sich geĂ€uĂert. Er könne nachvollziehen, dass jĂŒdische Studierende «und alle, die Antisemitismus auf dem Campus nicht akzeptieren wollen», von Rauchs Verhalten schockiert sind, wie er der «Bild» sagte. «Wie sollen jĂŒdische Studierende einer UniversitĂ€tsprĂ€sidentin ihre Sicherheit anvertrauen, wenn diese Aussagen liked, die genau den Antisemitismus wiedergeben, wegen dessen viele Hochschulen eben keine sicheren Orte fĂŒr JĂŒdinnen und Juden mehr sind?»
Auch neuer Antisemitismusbeauftragter steht in der Kritik
Die TU steht derzeit auch wegen der Ernennung ihres neuen Antisemitismusbeauftragten, Uffa Jensen, in der Kritik. Der Zentralrat der Juden nannte die Besetzung in einer PresseerklĂ€rung «eine EnttĂ€uschung» und warf dem Historiker unter anderem vor, Gegner der Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) zu sein. Jensen entgegnete in einer Stellungnahme, dass er die Definition, «wie viele meiner jĂŒdischen Kollegen», begrĂŒndet kritisiert habe.


