Korridorsanierung, Bahnstrecke Berlin-Hannover

Bahnstrecke Berlin-Hannover: Bilger kritisiert 14 Monate Sperrung

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die rund 14-monatige Vollsperrung der wichtigen Ost-West-Verbindung verlängert die Reisezeit zwischen Berlin und Hannover deutlich. Der Verkehrsminister kündigt ein Konzept für besser vorbereitete künftige Sanierungen an.

Bilger kritisiert Belastungen durch Korridorsanierung
Bauarbeiten an einer Gleisanlage (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) fordert von der Deutschen Bahn, die Belastungen für Reisende und Unternehmen durch die Sanierung der Strecke zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover deutlich zu verringern. Nach dem Start der Korridorsanierung hätten erste Berichte einen unzureichenden Zustand bei Umleitungen und Ersatzverkehren gezeigt.

Die wichtige Ost-West-Verbindung ist seit vergangener Woche bis Dezember 2027 vollständig gesperrt. Dadurch verlängert sich die Fahrt zwischen Berlin und Hannover um 80 Minuten auf rund 180 Minuten.

Minister verlangt verlässliche Ausweichverkehre

„Gerade bei einer Maßnahme von dieser Größenordnung muss der Anspruch sein, die Belastungen für die Menschen und Unternehmen so gering wie möglich zu halten“, sagte Bilger der „Rheinischen Post“.

Pendler und Wirtschaft erwarteten zu Recht, dass Baustellen funktionierten und Ausweichverkehre verlässlich seien, erklärte der Minister. Die am Wochenende bekannt gewordenen Berichte von Bahnreisenden über teils chaotische Zustände seien auf Dauer nicht hinnehmbar.

Konzept für künftige Sanierungen angekündigt

Bilger kündigte an, zeitnah ein Konzept vorzulegen. Künftige Korridorsanierungen sollten damit spürbar besser vorbereitet und umgesetzt werden.

Die aktuelle Situation zeige erneut, dass die Strategie der Korridorsanierungen grundlegend weiterentwickelt werden müsse. Bilger war bereits unter dem damaligen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium.

Lehrter Stammbahn nicht rechtzeitig elektrifiziert

Die parallel zur Schnellfahrstrecke verlaufende Lehrter Stammbahn wurde nicht rechtzeitig elektrifiziert. Deshalb kann der Verkehr während der Sperrung nicht wie vorgesehen über diese Strecke geführt werden.

Die Umleitung führt stattdessen über andere Strecken und verlängert die Reisezeit zwischen der Hauptstadt und Hannover erheblich. Betroffen sind neben Fernreisenden auch Pendler und Unternehmen entlang der Verbindung.

Die Sperrung der Verbindung zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover ist Teil der Strategie, stark belastete Korridore gebündelt und nicht abschnittsweise im laufenden Betrieb zu sanieren. Für Reisende bedeutet das auf dieser Ost-West-Achse jedoch eine erhebliche Einschränkung: Die reguläre Fahrtzeit von rund 100 Minuten verlängert sich planmäßig um etwa 80 Minuten auf rund drei Stunden.

Besonders ins Gewicht fällt, dass die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn nicht rechtzeitig für den elektrischen Betrieb vorbereitet wurde. Dadurch muss der Fernverkehr über Braunschweig, Helmstedt, Magdeburg und Brandenburg umgeleitet werden. Für Pendler im Havelland kommen Einschränkungen im Regionalverkehr und Schienenersatzverkehr hinzu; die Folgen reichen damit über die Fernverbindung zwischen den beiden Großstädten hinaus.

Korridorsanierung unter politischem Druck

Der Vorgang verschärft die Debatte über das Sanierungsmodell der Deutschen Bahn. Gebündelte Sperrungen können Bauzeiten verkürzen und eine umfassendere Erneuerung ermöglichen, setzen aber verlässliche Ersatzrouten, belastbare Fahrpläne und eine präzise Bauplanung voraus. Fehlen diese Voraussetzungen, verlagert sich die Belastung unmittelbar auf Fahrgäste, Unternehmen und betroffene Regionen.

Die Bundesregierung arbeitet parallel an verbindlicheren Vorgaben für die Infrastrukturplanung und Finanzierung. Bilgers angekündigtes Konzept dürfte deshalb nicht nur die konkrete Strecke betreffen, sondern auch die Frage, wie viele Korridore gleichzeitig saniert werden können, ohne die Leistungsfähigkeit des Netzes zu überfordern. Für Reisende bleibt bis zum geplanten Abschluss Ende Dezember 2027 entscheidend, ob Ersatzverkehre und Umleitungen stabil funktionieren.

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