Nancy Faeser, Olaf Scholz

Faeser im Innenausschuss: Mehr Kontrollen direkt an Grenze

27.09.2023 - 12:49:46 | dpa.de

Die SchleuserkriminalitĂ€t an den Grenzen zu Tschechien und Polen muss stĂ€rker bekĂ€mpft werden - darin sind sich alle einig. Doch was im Detail zu tun ist, darĂŒber gehen die Meinungen auseinander.

  • Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) wird im Innenausschuss des Bundestags in Berlin erwartet. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
    Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) wird im Innenausschuss des Bundestags in Berlin erwartet. - Foto: Kay Nietfeld/dpa
  • Bundesinnenministerin Nancy Faeser verlĂ€sst die Sitzung des Innenausschusses in Berlin. - Foto: Britta Pedersen/dpa
    Bundesinnenministerin Nancy Faeser verlÀsst die Sitzung des Innenausschusses in Berlin. - Foto: Britta Pedersen/dpa
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Über die Landgrenze zu Österreich hinaus will Bundesinnenministerin Nancy Faeser aktuell keine stationĂ€ren Grenzkontrollen bei der EU-Kommission beantragen. FĂŒr die Zukunft schließt sie dies jedoch nicht aus.

Die SPD-Politikerin stellte heute in einer Sitzung des Innenausschusses des Bundestages PlĂ€ne fĂŒr verstĂ€rkte Kontrollen an den Grenzen zu Tschechien und Polen vor. Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen sagte sie den Abgeordneten, die geplanten Maßnahmen «entlang der Schleuserroute» sollten «lageabhĂ€ngig auch an der Grenze», «wechselnd und flexibel» sein.

Mit Tschechien habe sie eine Àhnliche Zusammenarbeit wie mit der Schweiz vereinbart, dazu gehörten auch Kontrollen auf der tschechischen Seite der Grenze.

Kritik am Vorhaben

«Das sind keine effektiven Maßnahmen», kritisierte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Alexander Throm (CDU). Faeser, die Spitzenkandidatin der hessischen SPD fĂŒr die Landtagswahl am 8. Oktober ist, warf er vor, sie habe die Bevölkerung aus wahltaktischen GrĂŒnden in den vergangenen Tagen mit verwirrenden Äußerungen zu Grenzkontrollen getĂ€uscht.

Nach der Sitzung erklĂ€rte die Ministerin, die flexiblen Kontrollen seien effektiv gegen SchleuserkriminalitĂ€t, beeintrĂ€chtigten aber den Alltag der Pendler im Grenzgebiet nicht so stark. Nun mĂŒsse man schauen, welche Wirkung die zusĂ€tzlichen Kontrollen entfalten. StationĂ€re Kontrollen, die bei der EU-Kommission beantragt werden mĂŒssen, schloss Faeser fĂŒr die Zukunft nicht kategorisch aus.

Seit Herbst 2015 gibt es stationĂ€re Kontrollen in Bayern an der Grenze zu Österreich. Diese erstmals vom damaligen Bundesinnenminister Thomas de MaiziĂšre (CDU) bei der EU-Kommission notifizierten Kontrollen wurden seither immer wieder verlĂ€ngert.

Aufgrund der gestiegenen Zahl von Asylbewerbern hatten Landesinnenminister der CDU Faeser aufgefordert, solche Kontrollen auch an den Grenzen zu Tschechien und Polen zu beantragen. Wer an der Grenze ein Asylbegehren Ă€ußert, kann im Regelfall jedoch auch bei stationĂ€ren Grenzkontrollen nicht gleich abgewiesen werden.

Lindner sagt UnterstĂŒtzung des Zolls zu

Die zusĂ€tzlichen Kontrollen an den Grenzen zu Polen und Tschechien sollen vom deutschen Zoll mit bis 500 Vollzugsbeamten unterstĂŒtzt werden. Das kĂŒndigte der fĂŒr den Zoll zustĂ€ndige Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bei der Regierungsbefragung im Bundestag an. «Nach 2015 hat Deutschland streckenweise die Kontrolle ĂŒber den Zugang in dieses Land verloren», rĂ€umte Lindner ein. «Dieser Zustand darf nicht fortgesetzt werden.»

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) sagte: «Menschen, die nicht aus humanitĂ€ren GrĂŒnden hierherkommen und keine Bleibeperspektive haben, mĂŒssen zĂŒgiger abgeschoben werden.» Er sprach sich dafĂŒr aus, dass Asylverfahren in Drittstaaten durchgefĂŒhrt werden sollten.

Bislang verfolgt die Bundesregierung solche PlĂ€ne allerdings nicht. Auch hat sich bisher kein Staat außerhalb der EuropĂ€ischen Union angeboten, in dem Asylbewerber dann auf den Abschluss ihres Verfahrens warten könnten.

Deutscher Landkreistag: Nur Aufnahme bei Bleibeperspektive

Der Deutsche Landkreistag forderte nach einer Sitzung seines PrĂ€sidiums erheblich verstĂ€rkte Anstrengungen zur Begrenzung des Zuzugs von GeflĂŒchteten. Der PrĂ€sident des kommunalen Spitzenverbands, Reinhard Sager, sagte: «In vielen Landkreisen werden NotunterkĂŒnfte wie Zelte und Turnhallen genutzt, sĂ€mtliche verfĂŒgbaren leerstehenden Heime oder Hotels sind angemietet worden.»

Dies werde gesellschaftlich zu einem immer grĂ¶ĂŸeren Problem. Wichtig sei darĂŒber hinaus, dass die BundeslĂ€nder nur Menschen auf die Kommunen weiterverteilen, die eine Bleibeperspektive haben, sagte er an die Adresse der Landesregierungen.

Die Bundespolizei hat von Jahresbeginn bis Ende August insgesamt rund 71.000 unerlaubte Einreisen festgestellt. HauptherkunftslĂ€nder sind Syrien, Afghanistan, die TĂŒrkei und der Irak. Im gleichen Zeitraum stellten mehr als 204.000 Menschen erstmals in Deutschland einen Asylantrag - rund 77 Prozent mehr als in den ersten acht Monaten des Vorjahres.

«Der entscheidende Schritt» fĂŒr die Verringerung der Asylzahlen sei die geplante Reform des Gemeinsamen EuropĂ€ischen Asylsystems, sagte Faeser. Die dafĂŒr zwischen den Innenministern abgestimmten PlĂ€ne sehen unter anderem eine Asyl-VorprĂŒfung an den Außengrenzen und eine RĂŒckfĂŒhrung von Menschen ohne Schutzanspruch direkt von dort vor.

Blick auf Europa

Ob das Reformpaket noch vor der Europawahl im kommenden Jahr verabschiedet werden kann, ist aber noch offen. Unter anderem Deutschland hatte Bedenken gegen eine sogenannte Krisenverordnung angemeldet. Der dazu vorgelegte Entwurf sieht etwa vor, dass in Krisensituationen der Zeitraum verlÀngert werden könnte, in dem Menschen unter haftÀhnlichen Bedingungen festgehalten werden.

Zudem könnte der Kreis der Menschen vergrĂ¶ĂŸert werden, der fĂŒr die geplanten strengen Grenzverfahren infrage kommt. Faeser zeigte sich zuversichtlich, dass man hierbei zu einer Einigung kommen werde.

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