ROUNDUPRingen, Wehrgesetz

Nach Kabinettsbeschluss nachschÀrfen?

26.08.2025 - 06:35:03

Die SPD stemmt sich gegen Bestrebungen der Union, das geplante Wehrdienstgesetz in den Parlamentsberatungen nachzuschÀrfen.

Dabei geht es der Union um verbindliche jĂ€hrliche Zielvorgaben fĂŒr die Aufstockung der Bundeswehr mit Freiwilligen, deren Unterschreiten Schritte zu einer Wehrpflicht auslösen soll.

"Man sollte vielleicht erstmal abwarten, wie ein Gesetz wirkt, bevor man schon vorweg die VerschÀrfung fordert", sagte der SPD-Verteidigungsexperte Christoph Schmid der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstag). Die fachlich zustÀndige Vize-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: "Wir haben uns im Koalitionsvertrag eindeutig verstÀndigt: Der neue Wehrdienst startet freiwillig - und das gilt."

Worum es beim Wehrdienstgesetz geht

Der Wehrdienstgesetz-Entwurf von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) soll nun am Mittwoch vom Kabinett beschlossen werden. Er setzt auf Freiwilligkeit und einen - auch finanziell - attraktiveren Dienst, um mehr junge Leute fĂŒr die Bundeswehr zu gewinnen.

Die Bundeswehr benötigt etwa 80.000 zusĂ€tzliche aktive Soldaten. Denn die Nato hĂ€lt fĂŒr sie eine GrĂ¶ĂŸenordnung von 260.000 fĂŒr erforderlich, um einem Angriff etwa Russlands standzuhalten.

Warum es noch Irritationen gab

Am Montag hatte es noch Irritationen gegeben, weil Außenminister Johann Wadephul (CDU) zwischenzeitlich Einspruch gegen den Gesetzentwurf eingelegt hatte - mit einem sogenannten Ministervorbehalt -, um die Bedenken der Union geltend zu machen. Damit hĂ€tte er die Verabschiedung zunĂ€chst gestoppt. Doch nach GesprĂ€chen zwischen den Ministerien zog er seinen Vorbehalt am Nachmittag zurĂŒck.

"Die Punkte, die fĂŒr die ursprĂŒngliche Einlegung maßgeblich waren, konnten in heutigen GesprĂ€chen geklĂ€rt werden", hieß es aus dem AuswĂ€rtigen Amt. Der Gesetzentwurf könne nun im Kabinett beschlossen werden. "Im anschließenden parlamentarischen Verfahren wird es weitere Beratungen geben. Ziel ist und bleibt, die FĂ€higkeitsziele der Nato zu erfĂŒllen und die VerteidigungsfĂ€higkeit Deutschlands zu stĂ€rken."

Was die Union will

Auch Unionsfraktionsvize Norbert Röttgen (CDU) setzt auf NachschĂ€rfungen in den Beratungen des Bundestags. "Wir mĂŒssen jetzt konkrete Meilensteine vereinbaren, die einen Spurwechsel von der Freiwilligkeit zur Pflicht vorsehen, wenn diese nicht ausreicht, um unsere Ziele zu erreichen", sagte er dem Nachrichtenportal "t-online". "Das Prinzip Hoffnung kann in einem so wichtigen Bereich nicht handlungsleitend sein, und jedes Abwarten auf eine weitere Zuspitzung der sicherheitspolitischen Lage wĂ€re unverantwortlich."

Wie groß das Problem fĂŒr die Koalition ist

Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) gibt sich trotz der Reibereien gelassen. Die Regierung habe noch viel zu erledigen: fĂŒr die Wirtschaft, sichere ArbeitsplĂ€tze und den Abbau von BĂŒrokratie, aber auch mit einer neuen Rolle in der Weltpolitik. "Und da wird es immer mal wieder auf diesem Weg ruckeln", sagte der SPD-Chef und Finanzminister in den ARD-"Tagesthemen". "Da wird es Debatten geben, da wird es unterschiedliche Meinungen geben. Aber am Ende zĂ€hlt: Es gibt Gesetze, wir bringen Dinge auf den Weg. Und das tun wir am Mittwoch beim Wehrdienstgesetz."

Allerdings ist dies nicht das einzige Problem der Koalition. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat bereits einen anstrengenden Herbst angekĂŒndigt. Denn dann muss sein schwarz-rotes BĂŒndnis eine ganze Reihe von Reformen angehen. Und Differenzen gibt es auch in der Frage von Steuererhöhungen, die die SPD will, und Einschnitten in Sozialleistungen, die die Union verlangt.

@ dpa.de