Spendenbereitschaft, Yougov

Yougov: Nur 17 Prozent der Deutschen spenden im ersten Halbjahr 2026

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Die Spendenbereitschaft in Deutschland sinkt deutlich, wie neue Daten von Yougov und dem Deutschen Spendenrat zeigen. Immer mehr Menschen geben an, früher gespendet zu haben, heute aber darauf zu verzichten.

Zahl der Spender geht immer weiter zurück
1- und 2-Cent-Münzen (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

In Deutschland geht die Zahl der Menschen, die Geld spenden, weiter zurück. Neue Daten des Instituts Yougov und des Deutschen Spendenrats zeigen, dass deutlich weniger Bürger tatsächlich Geld für wohltätige Zwecke geben als noch vor wenigen Jahren.

Umfrage und gemessene Spendenpraxis

Laut einer aktuellen Yougov-Umfrage geben nur 13 Prozent der Befragten an, regelmäßig Geld zu spenden, weitere 25 Prozent spenden gelegentlich. Zusammen macht das 38 Prozent der Bevölkerung, die sich selbst als aktive Geldspender sehen. Ein parallel betriebenes „Charity Panel“ von Yougov, das die tatsächliche Spendenpraxis abbildet, kommt jedoch zu einem deutlich niedrigeren Wert: Im ersten Halbjahr 2026 haben demnach nur 17 Prozent der Bevölkerung tatsächlich Geld gespendet, ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahreszeitraum.

Rückzug vom Spenden und Gruppenunterschiede

Gleichzeitig sagt aktuell ein Drittel der Befragten, früher gespendet zu haben, dies heute aber nicht mehr zu tun. Jeder Vierte gibt an, nach eigenen Angaben noch nie Geld gespendet zu haben. Die Spendenbereitschaft unterscheidet sich dabei deutlich nach Parteipräferenz: Unter Wählern der Grünen spenden 25 Prozent regelmäßig und weitere 33 Prozent gelegentlich. Unter AfD-Wählern liegt der Anteil regelmäßiger Spender bei 11 Prozent, 34 Prozent dieser Gruppe geben an, noch nie Geld gespendet zu haben.

Gründe für ausbleibende Spenden

Als wichtigste Hürde nennen die Deutschen ihre finanzielle Situation. 42 Prozent sagen, sie könnten sich derzeit Geldspenden finanziell nicht leisten. Dahinter folgen Zweifel am sinnvollen Einsatz der Mittel mit 27 Prozent sowie mangelnde Transparenz darüber, was konkret mit Spenden geschieht mit 26 Prozent. Die Yougov-Umfrage wurde vom 28. bis 31. August unter 2.321 Personen durchgeführt.

Vertrauen in NGOs und Spendenrückgang

„Die Ergebnisse fallen in eine Zeit, in der die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen kontroverser diskutiert wird als noch vor einigen Jahren“, sagte Frieder Schmid von Yougov. Manche Bürger bewerteten die Arbeit von NGOs demnach auch durch die Parteibrille. Für die Organisationen sei es wichtiger denn je, aktiv um das Vertrauen der Öffentlichkeit zu werben und ihre Arbeit nachvollziehbar zu erklären.

Spendenvolumen auf niedrigstem Stand seit Jahren

Der Deutsche Spendenrat hatte bereits zu Jahresbeginn darauf hingewiesen, dass die Spendenbereitschaft in Deutschland deutlich unter Druck steht. Die Geldspendeneinnahmen waren demnach im Jahr 2025 auf 4,65 Milliarden Euro gefallen und damit auf den niedrigsten Stand seit Jahren. Auch diese Auswertung stützte sich auf Zahlen von Yougov und spiegelt den längerfristigen Trend sinkender Spendenbereitschaft wider.

Die neuen Zahlen von Yougov und dem Deutschen Spendenrat fügen sich in einen länger beobachteten Trend: Die klassische Geldspende verliert in Deutschland an Breite, während gleichzeitig die wirtschaftliche Lage vieler Haushalte angespannt bleibt. Steigende Lebenshaltungskosten und Unsicherheit über die eigene finanzielle Zukunft führen dazu, dass Freiwillige Ausgaben wie Spenden häufig als erstes gekürzt werden.

Hintergründe und strukturelle Faktoren

Auffällig ist die Diskrepanz zwischen der subjektiven Selbstauskunft in Umfragen und dem im Charity Panel gemessenen tatsächlichen Spendenverhalten. Viele Menschen ordnen sich offenbar als „Spender“ ein, obwohl sie in der Praxis über längere Zeit keine Beiträge leisten. Das deutet auf ein gewisses Image- oder Gewissenselement: Spenden gilt normativ als wünschenswert, wird aber im Alltag seltener umgesetzt. Zugleich verlagern sich Engagementformen teils hin zu Zeitspenden, Nachbarschaftshilfe oder projektbezogenem Crowdfunding, die in klassischen Spendenstatistiken nur eingeschränkt erfasst werden.

Politische und gesellschaftliche Dimension

Die deutlich unterschiedlichen Quoten nach Parteipräferenz zeigen, dass Spendenbereitschaft auch mit politischer Grundhaltung und Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen verknüpft ist. Skepsis gegenüber Nichtregierungsorganisationen, Medien oder internationalen Organisationen kann die Bereitschaft zur finanziellen Unterstützung mindern. Wo das Vertrauen in die Wirksamkeit und Transparenz von NGOs sinkt, steigt die Hemmschwelle, Geld zu überweisen – selbst bei vorhandener finanzieller Möglichkeit.

Ausblick für Hilfsorganisationen

Für Organisationen bedeutet die Entwicklung, dass sie verstärkt um Glaubwürdigkeit und Nachvollziehbarkeit ihrer Arbeit werben müssen. Wer klar kommuniziert, wie Mittel eingesetzt werden, welche konkreten Projekte unterstützt werden und welche Wirkung erzielt wird, kann Vertrauen zurückgewinnen. Gleichzeitig wird es wichtiger, neue Wege der Ansprache zu nutzen – etwa digitale Formate, regelmäßige Wirkungsberichte oder niedrigschwellige Mikrospenden. Angesichts der rückläufigen Einnahmen müssen viele Träger ihre Finanzierung verbreitern, um weniger abhängig von klassischen Einzelspenden zu sein.

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