Deutschland, Gesundheit

Klappt die Vier-Wochen-Operation fĂŒr stabile KassenbeitrĂ€ge?

12.06.2026 - 15:09:00 | dpa.de

Die stark steigenden Kosten fĂŒr die medizinische Versorgung sollen gebremst werden. DafĂŒr macht sich die Koalition jetzt konkret an ein Gesetz. Kommt es durch und im straffen Zeitplan ans Ziel?

  • Ministerin Warken wirbt, stabile BeitrĂ€ge seien kein Selbstzweck.  - Bild: Elisa Schu/dpa
    Ministerin Warken wirbt, stabile BeitrÀge seien kein Selbstzweck. - Bild: Elisa Schu/dpa
  • Kanzler Friedrich Merz hat seiner Ministerin beim Sparziel den RĂŒcken gestĂ€rkt. - Bild: Elisa Schu/dpa
    Kanzler Friedrich Merz hat seiner Ministerin beim Sparziel den RĂŒcken gestĂ€rkt. - Bild: Elisa Schu/dpa
  • MinisterprĂ€sident Schnieder warnte vor einer GefĂ€hrdung von Versorgungsstrukturen. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    MinisterprÀsident Schnieder warnte vor einer GefÀhrdung von Versorgungsstrukturen. - Bild: Michael Kappeler/dpa
Ministerin Warken wirbt, stabile BeitrĂ€ge seien kein Selbstzweck.  - Bild: Elisa Schu/dpa Kanzler Friedrich Merz hat seiner Ministerin beim Sparziel den RĂŒcken gestĂ€rkt. - Bild: Elisa Schu/dpa MinisterprĂ€sident Schnieder warnte vor einer GefĂ€hrdung von Versorgungsstrukturen. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Das umstrittene Sparpaket fĂŒr stabile KrankenkassenbeitrĂ€ge geht in die entscheidende Phase. Gesundheitsministerin Nina Warken brachte ihren Entwurf in den Bundestag ein, der Milliarden-Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmabranche vorsieht - aber auch höhere Zuzahlungen und andere Einschnitte fĂŒr Versicherte. «Unser Gesetz verlangt allen etwas ab, von niemandem aber Unzumutbares», sagte die CDU-Politikerin. Unter hohem Einigungsdruck will die schwarz-rote Koalition das Vorhaben nun noch vor der Sommerpause Mitte Juli besiegeln. Die LĂ€nder meldeten massive EinwĂ€nde an.

Warken rechtfertigte die SparplĂ€ne, gegen die es seit Wochen heftige Proteste aus dem gesamten Gesundheitswesen gibt. Dass die BeitrĂ€ge nicht immer weiter steigen, sei ja kein Selbstzweck: «Wir wollen die BĂŒrger entlasten, und wir wollen, dass die Unternehmen mehr Planungssicherheit haben, statt von immer weiter steigenden SozialbeitrĂ€gen ausgebremst zu werden.» Auf stabile Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen seien auch alle angewiesen - Versicherte, Leistungserbringer und sechs Millionen BranchenbeschĂ€ftigte.

Opposition sieht «KĂŒrzungskahlschlag» 

Das Sparpaket soll die Kassen nach Jahren mit stark steigenden Ausgaben 2027 um mindestens 16,3 Milliarden Euro entlasten. DafĂŒr sollen Anstiege der VergĂŒtungen in allen Bereichen begrenzt werden. FĂŒr Pharmahersteller und Apotheken sollen verstĂ€rkte Rabattregelungen kommen. Auf Patientinnen und Patienten kommen unter anderem höhere Zuzahlungen fĂŒr Medikamente und EinschrĂ€nkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern zu. 

Die Opposition kritisierte die PlĂ€ne scharf. Der GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte, es sei kein zielgerichtetes Sparpaket, sondern ein «KĂŒrzungskahlschlag mitten hinein in die Versorgung». Das Versprechen stabiler BeitrĂ€ge sei damit nicht zu halten. Auch der AfD-Fachpolitiker Martin Sichert warnte vor einem «Rundumkahlschlag». Der Bund ziehe sich zulasten der Kommunen aus der Verantwortung. Linke-Fachpolitikerin Stella Merendino sprach von einer «KettensĂ€genreform» mit Blick auf die BeschĂ€ftigten. 

FinanzlĂŒcke noch etwas grĂ¶ĂŸer 

Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte schon als Vorgabe fĂŒr die Beratungen formuliert, dass der Sparpuffer nicht kleiner werden dĂŒrfe. TatsĂ€chlich steht sogar eine VerschĂ€rfung des Sparziels an. Warken beziffert die zu schließende LĂŒcke fĂŒr 2027 auf knapp 19 Milliarden Euro statt zunĂ€chst angesetzter 15,3 Milliarden Euro. In dem vom Kabinett auf den Weg gebrachten Entwurf war aber vorerst nur ein kleiner Puffer von einer Milliarde Euro angelegt worden. Der Rest mĂŒsse also noch zusĂ€tzlich «gehoben» werden, machte die Ministerin deutlich.

Wie genau, muss nun ausgehandelt werden - laut schwarz-rotem Zeitplan binnen vier Wochen. Dabei geht es um eine zusĂ€tzliche Sparsumme von 2,5 Milliarden Euro. Mindestens, wenn wieder ein Puffer eingebaut werden soll. SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis sagte: «Nichts tun wĂ€re die teuerste und unsozialste aller Optionen.» Er hob hervor, dass es keine Überforderungen und einseitigen Belastungen geben dĂŒrfe. Warken betonte, dass auch kĂŒnftig bei Ärzten und anderen VergĂŒtungssteigerungen kommen könnten - aber begrenzt und nicht mehr entkoppelt von den Einnahmen.

Breite Kritik im Bundesrat

Unter den LĂ€ndern formieren sich erheblicher Unmut und WiderstĂ€nde gegen die PlĂ€ne, wie parallel in einer Sitzung des Bundesrats deutlich wurde. In der Kritik stehen dabei vor allem Auswirkungen fĂŒr KrankenhĂ€user vor Ort und die BeitrĂ€ge des Bundes zum Sparpaket. So soll eine stĂ€rkere Mitfinanzierung der Krankenkosten von BĂŒrgergeldbeziehern kommen, die gesetzlich versichert sind. Zugleich soll aber der regulĂ€re Bundeszuschuss an die Kassen sinken.

Der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Gordon Schnieder (CDU) nannte es richtig, den Ausgabenanstieg zu dĂ€mpfen. «Gleichzeitig aber gefĂ€hrdet das Sparpaket Versorgungsstrukturen gerade in FlĂ€chenlĂ€ndern.» Es verschlechtere zudem die Rahmenbedingungen wichtiger Innovationstreiber - am Ende zum Nachteil der Patienten, warnte Schnieder angesichts kĂŒrzlich angekĂŒndigter Investitionsstopps von Pharmakonzernen in seinem Bundesland. 

LĂ€nder monieren Beitrag des Bundes

Im Bundesrat meldeten sich dann gleich elf Ressortchefinnen und Ressortchefs zu Wort. Petra Grimm-Benne (SPD) aus Sachsen-Anhalt kritisierte: «Den Versicherten drohen höhere BeitrĂ€ge, lĂ€ngere Wartezeiten und eben weniger Leistungen.» Das sei es kein gerechter Lastenausgleich, wenn der Bund Kosten fĂŒr versicherungsfremde Leistungen nur in zu kleinen Schritten ĂŒbernehme. Stefanie Drese (SPD) aus Mecklenburg-Vorpommern mahnte, Ausgaben-Deckel ließen den Bedarf außer Acht: «Patientinnen und Patienten werden nicht zu zehn Prozent weniger krank, wenn man die Leistung um zehn Prozent kĂŒrzt.»

Nordrhein-Westfalens Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) unterstĂŒtzte Einsparungen, um «saftige» Beitragserhöhungen verhindern. Die Mehrheit der Kliniken schreibe aber heute schon rote Zahlen. Und es gebe einfach HĂ€user, «die mĂŒssen da sein, wo sie sind, weil da sonst nichts anderes ist.» Er regte an, mehr Effizienz bei bĂŒrokratischen Vorgaben zu erreichen. 

Vermittlungsausschuss als Option?

Der Bundesrat machte in einer Stellungnahme zum Gesetzentwurf zahlreiche Kritikpunkte deutlich. Die LĂ€nder fordern die Streichung mehrerer geplanter Einsparmaßnahmen. Das Gesetz ist im Bundesrat nicht zustimmungsbedĂŒrftig, die LĂ€nder könnten es aber ausbremsen, indem sie den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat anrufen. Der BundesratsprĂ€sident, Bremens BĂŒrgermeister Andreas Bovenschulte (SPD), sagte im ZDF, er rechne damit.

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