Mordprozess um Messerattacke bei Brokstedt endet mit Urteil
15.05.2024 - 04:27:42Im Mordprozess um die Messerattacke im Regionalzug im schleswig-holsteinischen Brokstedt wird heute im Landgericht Itzehoe das Urteil gesprochen. Der 34 Jahre alte PalÀstinenser Ibrahim A. ist wegen zweifachen Mordes und versuchten Mordes in Tateinheit mit gefÀhrlicher oder schwerer Körperverletzung in vier FÀllen angeklagt.
Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrem PlĂ€doyer eine lebenslange Freiheitsstrafe. Dazu solle die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Der Angeklagte habe aus Frust ĂŒber einen erfolglosen Termin bei der AuslĂ€nderbehörde in Kiel gehandelt.
Prozess dauerte mehr als 10 Monate
In dem mehr als zehn Monate langen Prozess mit 38 Verhandlungstagen und 97 Zeugen sowie Gutachtern war es auch um die Frage gegangen, ob der Angeklagte schuldfĂ€hig ist. Der Verteidiger hĂ€lt den 34-JĂ€hrigen aufgrund einer psychotischen Störung fĂŒr nicht schuldfĂ€hig und verlangt die Einweisung in eine forensische Psychiatrie. FĂŒr den Fall, dass das Gericht dem nicht folgt, plĂ€dierte er auf eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren wegen zweifachen Totschlags sowie vierfacher gefĂ€hrlicher oder schwerer Körperverletzung.
Ein psychiatrischer SachverstÀndiger hatte das Vorliegen einer Psychose bei Ibrahim A. verneint. Er sei voll schuldfÀhig. Er sehe psychotische Symptome, aber keine Psychose, hatte der Gutachter Arno Deister gesagt. Es liege eine schwere posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) vor. Der Vorsitzende Richter Johann Lohmann hat bereits erklÀrt, dass die Kammer von einer PTBS des Angeklagten zur Tatzeit, nicht jedoch von einer Psychose ausgeht.
VersÀumnisse beim Austausch zwischen Behörden
Ibrahim A. bestritt am Anfang der Verhandlung im Juli 2023 die Tat zunĂ€chst, rĂ€umte sie spĂ€ter aber ein. Den Erkenntnissen zufolge zog er am Nachmittag des 25. Januar 2023 in dem Zug bei Brokstedt ein KĂŒchenmesser und stach damit auf FahrgĂ€ste ein. Eine 17-JĂ€hrige und ihr zwei Jahre Ă€lterer Freund starben, vier weitere Menschen wurden schwer verletzt. Die Tat beschĂ€ftigte auch die Politik, weil es VersĂ€umnisse beim Austausch von Informationen zwischen Behörden gegeben hatte.
Ibrahim A. war im Gazastreifen aufgewachsen und den Erkenntnissen zufolge 2014 nach Deutschland gekommen. Er lebte zunĂ€chst in Nordrhein-Westfalen und zog spĂ€ter nach Kiel. Bis wenige Tage vor der Tat hatte der Angeklagte wegen einer anderen Tat in Hamburg in Untersuchungshaft gesessen. Dort und spĂ€ter in der Untersuchungshaft in Schleswig-Holstein war er als renitent aufgefallen. Mehrere Ărzte berichteten vor Gericht von der Verdachtsdiagnose eine Psychose.


