Berlin, Deutschland

Nach Brandanschlag weiter Tausende ohne Strom in Berlin

07.01.2026 - 04:30:05

Die Temperaturen sinken laut Wettervorhersagen auf bis zu minus sieben Grad. Der lĂ€ngste Stromausfall der Nachkriegsgeschichte wird fĂŒr die Menschen im SĂŒdwesten immer mehr zur Herausforderung.

Bei bitterer KĂ€lte sind in Berlin rund 25.000 Haushalte den fĂŒnften Tag in Folge ohne Strom. Zwar kommen die Arbeiten zur Wiederherstellung der Versorgung nach EinschĂ€tzung der Beteiligten voran. Die letzten Betroffenen werden jedoch nach EinschĂ€tzung des Betreibers Stromnetz Berlin wohl erst am Donnerstagnachmittag wieder am Netz sein. 

Der mutmaßlich linksextremistisch motivierten Brandanschlag hat in der Hauptstadt zum bislang lĂ€ngsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte gefĂŒhrt. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen ĂŒbernommen. Aus Sicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe. 

In einem Bekennerschreiben hatte eine der linksextremistischen «Vulkangruppen», die seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder BrandanschlĂ€ge auf die öffentliche Infrastruktur verĂŒbt haben sollen, die Tat fĂŒr sich reklamiert. In der Folge waren am Samstagmorgen im SĂŒdwesten Berlins zunĂ€chst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom.

Hotels und SchwimmbĂ€der öffnen fĂŒr Betroffene

FĂŒr die Betroffenen gibt es immer mehr praktische Hilfsangebote: So sollen drei BĂ€der in dem betroffenen Bereich rund um die Uhr öffnen, damit die Menschen kostenlos duschen können. Die Berliner Verkehrsbetriebe haben dafĂŒr Busse bereitgestellt. 

Die Bundeswehr hilft laut Innenverwaltung vor allem bei Transport, Aufbau, Anschluss und Dieselversorgung von Notstromaggregaten. Die Soldaten versorgen die Menschen aber auch vor Ort auch mit warmer Suppe und Tee. In Notquartieren oder anderen Anlaufstellen wĂ€rmen sich Betroffene auf. Museen, Kinos und der Zoo Berlin «Orte zum AufwĂ€rmen und fĂŒr eine kleine Auszeit», wie die Senatskanzlei mitteilte. 

Anschlag Thema im Innenausschuss

Seit Sonntag steht fĂŒr Politik und Behörden fest, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt und Linksextremisten dahinterstehen. Ein bei den Behörden eingegangenes Bekennerschreiben sei authentisch, so die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD). «Wir sprechen von einem linksterroristischen Anschlag auf unser Stromnetz, hochkonspirativ vorbereitet und mit erheblicher krimineller Energie ausgefĂŒhrt», sagte die SPD-Politikerin nach der Übernahme der Ermittlungen durch die Bundesanwaltschaft.

Mit den HintergrĂŒnden des Anschlags beschĂ€ftigen sich auch Abgeordnete des Bundestages - noch vor der ersten Sitzungswoche des Jahres. Wie aus der GrĂŒnen-Fraktion verlautete, soll es am Donnerstag fĂŒr die Obleute der Fraktionen im Innenausschuss sowie einige weitere Ausschussmitglieder eine telefonische Unterrichtung durch das Bundesinnenministerium geben. 

CDU-Politiker unzufrieden mit Ermittlungen zu Linksextremismus

Der CDU-Innenpolitiker Alexander Throm sieht Defizite bei Ermittlungen zu linksextremistischen Straftaten in Deutschland. «SpĂ€testens jetzt ist klar, dass Linksextremismus und Linksterrorismus nicht mehr verharmlost werden dĂŒrfen, wie dies vielfach noch im links-grĂŒnen Milieu der Fall ist», sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf den Brandanschlag auf die Stromversorgung im SĂŒdwesten von Berlin. «Das hat auch dazu gefĂŒhrt, dass die Ermittlungen gegen diese Gruppen in den letzten Jahren vernachlĂ€ssigt wurden.»

Berlin setzt auf stĂ€rkere VideoĂŒberwachung

Der Berliner Senat will kĂŒnftig neuralgische Punkte stĂ€rker per Video ĂŒberwachen, wie die fĂŒr Energie zustĂ€ndige Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey ankĂŒndigte. Aktuell verlaufe ein Prozent des 35.000 Kilometer umfassenden Berliner Stromnetzes ĂŒberirdisch, erlĂ€uterte die SPD-Politikerin. Drei Viertel dieser Leitungen wiederum wĂŒrden bereits mit Kameras ĂŒberwacht, in der Regel auf privaten GrundstĂŒcken, etwa des Netzbetreibers Stromnetz.

Der Spitzenkandidat der Berliner SPD, Steffen Krach, mahnte weitere praktische Hilfe an fĂŒr Betroffene. «Sobald der Strom fließt, werden die Menschen in ihren Wohnungen und HĂ€usern, genauso wie die Betriebe und Unternehmen, mit weiteren Herausforderungen konfrontiert sein», meinte Krach. «Deshalb wird es darauf ankommen, eine Informations- und Beratungsstruktur anzubieten und einen Notfallfonds vorzubereiten, damit die Menschen mit den Folgekosten des Anschlags nicht allein gelassen werden.»

@ dpa.de

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