ROUNDUP, Cannabis-Freigabe

Cannabis-Freigabe nimmt nĂ€chste HĂŒrde - Union: Historischer Fehler

21.02.2024 - 14:22:17

Die umstrittene teilweise Legalisierung von Cannabis in Deutschland hat die nĂ€chste HĂŒrde genommen.

Der federfĂŒhrende Gesundheitsausschuss billigte am Mittwoch die GesetzesplĂ€ne der Ampel-Koalition mit mehreren Änderungen, wie es aus Kreisen des Gremiums hieß. An diesem Freitag soll dann der Bundestag die kontrollierte Freigabe mit zahlreichen Regeln beschließen. Besitz und Eigenanbau bestimmter Mengen sollen damit fĂŒr VolljĂ€hrige vom 1. April an erlaubt sein. Zum 1. Juli sollen Clubs zum nicht-kommerziellen Anbau möglich werden. Auch aus der mitregierenden SPD wurden weiter EinwĂ€nde laut.

Der GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sprach von einem "ĂŒberfĂ€lligen Paradigmenwechsel" in der Drogenpolitik. "Ein einfaches Weiter so kann es nicht geben", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Als Arzt, Vater und Politiker besorge es ihn sehr, dass sich durch die Verbotspolitik der Vergangenheit gesundheitliche Risiken massiv erhöht hĂ€tten. Ziel sei, Konsum und Zugang fĂŒr informierte Erwachsene sicherer zu machen, indem die Weitergabe verunreinigter Substanzen unterbunden und der Schwarzmarkt eingedĂ€mmt wĂŒrden. Das erreiche man durch Schaffung legaler Alternativen. AufklĂ€rung, PrĂ€vention, Kinder- und Jugendschutz seien "der rote Faden in dem Gesetz", sagte Dahmen.

KĂŒnftig erlaubt werden soll fĂŒr Erwachsene ab 18 Jahren grundsĂ€tzlich der Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum. In der eigenen Wohnung sollen drei lebende Cannabispflanzen legal werden und einer Änderung zufolge bis zu 50 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum. Der öffentliche Konsum soll unter anderem in Schulen, SportstĂ€tten und in Sichtweite davon verboten werden - konkret in 100 Metern Luftlinie um den Eingangsbereich. SpĂ€testens 18 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes soll es eine erste Bewertung unter anderem dazu vorliegen, wie es sich auf den Kinder- und Jugendschutz auswirkt.

Scharfe Kritik kam von der oppositionellen Union. Gesundheitsexperte Tino Sorge (CDU) sagte der dpa nach der Ausschusssitzung: "Gesundheits-, familien- und innenpolitisch ist das Gesetz ein historischer Fehler. Die Ampel bringt Cannabis in die NĂ€he von Kindern und Jugendlichen und agiert wie ein staatlicher Drogendealer." Das sei verantwortungslos. Er appelliere an unentschlossene Abgeordnete der Koalition, gegen das Gesetz zu stimmen. Im Ausschuss votierten laut Bundestags-Pressedienst neben SPD, GrĂŒnen und FDP auch die Linke und das BĂŒndnis Sahra Wagenknecht dafĂŒr, Union und AfD lehnten den Entwurf ab.

FĂŒr die namentliche Abstimmung im Bundestag am Freitag wird mit einzelnen Nein-Stimmen vor allem aus Reihen der SPD gerechnet. Der Vorsitzende des Innenausschusses, Lars Castellucci (SPD), sagte den Zeitungen der Mediengruppe Bayern, er lehne den Vorschlag ab. "Mein Problem sind fehlender Jugendschutz, mangelnde Möglichkeit der Kontrolle und damit sogar eine Erleichterung kriminellen Handelns. Es ist ein risikoreiches Experiment." Auch von MedizinverbĂ€nden, aus der Justiz und den LĂ€ndern gibt es Warnungen. Das Gesetz muss abschließend noch in den Bundesrat, zustimmungsbedĂŒrftig ist es dort aber nicht.

Mit einer Legalisierung sind aus Expertensicht auch Probleme mit "Mischkonsum" beim Autofahren zu befĂŒrchten. "Wird zu Cannabis etwa noch Alkohol konsumiert, erhöht das die Unfallgefahr", sagte die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer, Kirstin Zeidler, der dpa. "Sobald Alkohol im Spiel ist, muss es im Sinne der Verkehrssicherheit daher eine Null-Toleranz-Grenze fĂŒr Cannabis am Steuer geben. Alkohol und Cannabis zusammen sind unberechenbar." Schon vor der Freigabe spiele Mischkonsum eine Rolle. Rund 40 Prozent der Autofahrer, die unter Drogen UnfĂ€lle mit Personenschaden verursachten, hĂ€tten auch Alkohol im Blut gehabt. "Bereits niedrige Alkoholdosen verstĂ€rken die Wirkungseffekte."

@ dpa.de