Heizungsgesetz, Deutschland

Neues Heizgesetz beschlossen: Was sich jetzt ändert

Veröffentlicht: 10.07.2026 um 14:00 Uhr, dpa.de

Die Union hat ihr Ziel erreicht: Das «Heizungsgesetz» Habecks wird abgeschafft. Warum aber auch diese Reform umstritten ist - und warum es nach dem Bundestagsbeschluss noch spannend werden könnte.

  • Für den Heizungskeller gelten künftig neue Vorgaben. (Symbolbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Für den Heizungskeller gelten künftig neue Vorgaben. (Symbolbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Künftig sollen neben einer Wärmepumpe, einem Fernwärmeanschluss, hybriden Heizungsmodellen oder einer Biomasseheizung weiterhin auch neue Gas- und Ölheizungen eingebaut werden können. (Symbolbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
    Künftig sollen neben einer Wärmepumpe, einem Fernwärmeanschluss, hybriden Heizungsmodellen oder einer Biomasseheizung weiterhin auch neue Gas- und Ölheizungen eingebaut werden können. (Symbolbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
  • Ministerin Reiche: Der «Zwang zur Wärmepumpe» soll weg. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Ministerin Reiche: Der «Zwang zur Wärmepumpe» soll weg. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • «Habecks Heizungsgesetz abschaffen» - das forderte die Union im Wahlkampf. (Archivbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    «Habecks Heizungsgesetz abschaffen» - das forderte die Union im Wahlkampf. (Archivbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Der Bundestag verabschiedet eine Reform der Reform. - Bild: Michael Kappeler/dpa
    Der Bundestag verabschiedet eine Reform der Reform. - Bild: Michael Kappeler/dpa
Für den Heizungskeller gelten künftig neue Vorgaben. (Symbolbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Künftig sollen neben einer Wärmepumpe, einem Fernwärmeanschluss, hybriden Heizungsmodellen oder einer Biomasseheizung weiterhin auch neue Gas- und Ölheizungen eingebaut werden können. (Symbolbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa Ministerin Reiche: Der «Zwang zur Wärmepumpe» soll weg. (Archivbild) - Bild: Michael Kappeler/dpa «Habecks Heizungsgesetz abschaffen» - das forderte die Union im Wahlkampf. (Archivbild) - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Der Bundestag verabschiedet eine Reform der Reform. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Das «Heizungsgesetz» der früheren Ampel-Regierung ist bald Geschichte. Der Bundestag hat das neue Gebäudemodernisierungsgesetz beschlossen. Damit kippt die schwarz-rote Koalition zentrale Regelungen des bestehenden Gesetzes. Die Reform passierte am Freitag auch den Bundesrat. 

Unions-Fraktionsvize Sepp Müller sagte, Menschen hätten wieder Freiheit im Heizungskeller: «Wir ersetzen Bevormundung durch Wahlfreiheit.» Scharfe Kritik kam aus der Opposition. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge sagte. «Diese Reform ist ein Brandbeschleuniger für die Klimakrise. Es ist völlig zukunftsvergessen, dass CDU und SPD wieder auf klimaschädliche Öl- und Gasheizungen setzen.» 

Auch Umweltverbände warnen vor Rückschritten beim Klimaschutz und einer Kostenfalle für Mieterinnen und Mieter, wenn Vermieter neue Gasheizungen einbauen. 

Kern des geltenden Gesetzes wird gekippt 

CDU, CSU und SPD vereinbarten im Koalitionsvertrag: «Wir werden das Heizungsgesetz abschaffen.» Darauf drängte im Wahlkampf vor allem die Union, die Front machte gegen die vor allem vom früheren Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vorangetriebene Reform des Gebäudeenergiegesetzes. 

Der Kern des geltenden Gesetzes soll nun wegfallen: der Paragraf 71 mit «Anforderungen an eine Heizungsanlage», die viele Kritiker kompliziert und kleinteilig fanden. Im Zentrum steht die 65-Prozent-Regelung, die nun gestrichen wird. Sie sieht vor, dass jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden soll. Das galt seit Inkrafttreten der Regelung 2024 zunächst für Neubauten in einem Neubaugebiet. Für bestehende Gebäude gibt es im bestehenden Gesetz umfassende Übergangsfristen. Funktionierende Heizungen können weiter betrieben werden.

Kein «Reinregieren» mehr?

«Mit dem bürokratischen Reinregieren in den Heizungskeller muss Schluss sein» - so stand es im Wahlprogramm der Union. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte mit Blick auf die bestehenden Regelungen von einem «Zwang zur Wärmepumpe» gesprochen. Es solle nun Technologieoffenheit geben. Der CDU-Politiker Lars Rohwer sagte, die Koalition beende Habecks «Heizungsmurks». 

«Der Eigentümer hat wieder Entscheidungsfreiheit, welche Heizungsoption er wählen möchte», heißt es im Gesetzentwurf. Reiche sagte, auch in Zukunft werde die Wärmepumpe eine dominierende Technologie bleiben. Bisher aber gebe es eine Zurückhaltung bei Investitionen. 

Zentrale Gesetzesänderungen 

Künftig sollen neben einer Wärmepumpe, einem Fernwärmeanschluss, hybriden Heizungsmodellen oder einer Biomasseheizung weiterhin auch neue Gas- und Ölheizungen eingebaut werden können - Voraussetzung ist, dass diese ab 1. Januar 2029 einen zunehmenden Anteil CO2-neutraler Brennstoffe wie Biomethan nutzen. Dies soll den Übergang zum klimafreundlichen Heizen ebnen. 

Geplant ist eine «Bio-Treppe»: Ab Januar 2029 sollen mindestens 10 Prozent klimafreundliche Brennstoffe genutzt werden, ab Januar 2030 mindestens 15 Prozent, ab Januar 2035 mindestens 30 Prozent und ab Januar 2040 mindestens 60 Prozent. 

Für bestehende Heizungen soll von 2028 an eine «Grüngasquote» eingeführt werden. Diese soll in Höhe von bis zu einem Prozent starten - Details sind aber unklar. Eine Regelung, wonach bisher ab 2045 Heizkessel nicht mehr mit fossilen Brennstoffen betrieben werden dürfen, entfällt. Die Bundesregierung soll nun bis Anfang Dezember ein Gesetz vorlegen, damit Brennstoffe für Heizungen ab 2045 komplett klimaneutral sind. 

Warum die Reform umstritten ist 

Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, ab 2045 klimaneutral zu wirtschaften. Das bedeutet, dass dann keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre geblasen werden dürfen. Um dies zu erreichen, dürfen dann eigentlich keine fossilen Brennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle mehr genutzt werden - zumindest nicht ohne Speicherung des entstehenden Kohlendioxids. Der Wärmesektor gilt beim Klimaschutz als ein «Sorgenkind». 

BUND-Klimaexpertin Tina Löffelsend sagte: «Die Hitzewellen dieses Sommers sind ein weiterer Weckruf für mehr Klimaschutz.» Doch die Bundesregierung heize mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz die Klimakrise weiter kräftig an. 

Konkret in der Kritik steht etwa, dass die «Bio-Treppe» bisher bis 2040 nur einen Anteil von 60 Prozent Erneuerbaren in neu installierten Heizungen vorsieht. Und: die Bundesregierung wolle ein Gesetz verabschieden, ohne die Kosten und Verfügbarkeiten «grüner» Gase zu kennen. Außerdem: Biogas sei gar nicht in ausreichenden Mengen verfügbar, sagte der AfD-Politiker Marc Bernhard.

Klagen erwartet 

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Donnerstag eine Klage der Linke-Bundestagsfraktion zurückgewiesen. Die Linke wollte eine Verabschiedung der Gesetzesänderungen vor der parlamentarischen Sommerpause, die am Wochenende beginnt, stoppen.

Erwartet werden Klagen gegen das beschlossene Gesetz. Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe haben das geplante neue Gesetz bereits als verfassungsrechtlich «höchst zweifelhaft» bezeichnet. Erwartet werden Klagen. Diese dürften vor allem auf eine drohende «Klimalücke» zielen - die Kritik: Die Neuregelungen führten dazu, dass Ziele bei der Verringerung klimaschädlicher CO2-Emissionen schwieriger zu erreichen seien. Verwiesen wird auf ein wegweisendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das 2021 im Kern feststellte: Einschneidende Schritte zur Senkung von CO2-Emissionen dürfen nicht zu Lasten der jungen Generation auf die lange Bank geschoben werden. Es ist aber offen, wie das Gericht zu Klagen gegen das neue Heizgesetz urteilt. 

Was auf Mieter und Vermieter zukommt 

Die Koalition vereinbarte, dass Kostenrisiken für Netzentgelte, CO2-Preis und Biogas hälftig zwischen Mietern und Vermietern aufgeteilt werden. Hintergrund ist die Befürchtung, Vermieter könnten auch künftig vergleichsweise preiswerte Gasheizungen einbauen und Mieter dann auf den Kosten sitzenbleiben. Viele Verbände warnen vor einer «Kostenfalle» bei neuen Gasheizungen. Langfristig gebe es höhere Kosten durch steigende CO2-Preise und Gasnetzentgelte. Dazu könnten Biogase die Heizkosten verteuern.

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