Inflation, Dienstleistungen

Inflation im Mai gestiegen - Dienstleistungen teurer

29.05.2024 - 14:17:18

Die Verbraucherpreise ziehen im Mai stĂ€rker an. Dienstleistungen verteuern sich deutlich. Ist der RĂŒckgang der Inflation nach dem Preisschock der vergangenen Jahre damit beendet?

Das Leben in Deutschland hat sich im Mai wieder stĂ€rker verteuert. Zum ersten Mal in diesem Jahr gewann die Inflation wieder an Tempo. Die Verbraucherpreise lagen um 2,4 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden anhand vorlĂ€ufiger Daten mitteilte. Der RĂŒckgang der Inflation war bereits im April bei einer Rate von 2,2 Prozent ins Stocken geraten. Manche Volkswirte halten das Inflationsproblem noch nicht fĂŒr gelöst.

«Es wird holprig», sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Nach EinschĂ€tzung von ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski verdeutlichen die aktuellen Daten, «wie hartnĂ€ckig die Inflation bleibt». Deutsche-Bank-Volkswirt Sebastian Becker sieht dagegen keinen Grund zur Beunruhigung. Die Inflationsrate könnte dank fallender Energiepreise im Sommer - zumindest temporĂ€r - «unter die symbolisch wichtige 2-Prozent-HĂŒrde fallen.»

Energie billiger - Dienstleistungen deutlich teurer

Im Mai kostete Energie den vorlĂ€ufigen Angaben zufolge 1,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, obwohl seit 1. April fĂŒr Erdgas und FernwĂ€rme wieder der regulĂ€re Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gilt. Um die hohen Energiepreise als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine abzufedern, hatte die Politik die Mehrwertsteuer dafĂŒr vom 1. Oktober 2022 bis zum 31. MĂ€rz 2024 auf 7 Prozent gesenkt.

FĂŒr Nahrungsmittel mussten Verbraucherinnen und Verbraucher nach den vorlĂ€ufigen Daten im Mai insgesamt 0,6 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor.

Dienstleistungen verteuerten sich voraussichtlich um 3,9 Prozent. Besonders deutlich zogen die Preise fĂŒr Versicherungsdienstleistungen an, wie aus Daten Statistischer LandesĂ€mter hervorgeht. Auch fĂŒr den GaststĂ€tten-Besuch mussten die Menschen teilweise mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Höhere Teuerungsraten schwĂ€chen die Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern.

Reallöhne deutlich gestiegen

Volkswirte hatten mit einem Anziehen der Inflation im Mai gerechnet. Das liege vor allem an den stark steigenden Löhnen, die die Preise der arbeitsintensiven Dienstleistungen nach oben treiben wĂŒrden, erlĂ€uterte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg KrĂ€mer. «Das Inflationsproblem ist noch lange nicht gelöst.»

Im ersten Quartal sorgten Tarifsteigerungen und InflationsausgleichsprĂ€mien fĂŒr einen deutlichen Anstieg der Nominallöhne der BeschĂ€ftigten um 6,4 Prozent. Da gleichzeitig die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum nur um 2,5 Prozent kletterten, ergab sich ein Zuwachs der Reallöhne um 3,8 Prozent. Das war das stĂ€rkste Plus seit EinfĂŒhrung der Statistik im Jahr 2008, wie das Bundesamt mitteilte.

Der Anstieg der Reallöhne stĂ€rkt die Kaufkraft der Verbraucher, das kann den Konsum als wichtige KonjunkturstĂŒtze ankurbeln. Im ersten Quartal hatten die Menschen ihr Geld allerdings noch zusammengehalten. Das könnte sich nun Ă€ndern.

Kauflaune der Verbraucher hellt sich weiter auf

Die Kauflaune der Menschen in Deutschland verbesserte sich derweil zum vierten Mal in Folge, wie aus der aktuellen Konsumklima-Studie der NĂŒrnberger Forschungsinstitute GfK und NIM hervorgeht. Allerdings sei die Neigung zu grĂ¶ĂŸeren Anschaffungen noch immer gebremst.

Auch ein statistischer Effekt spielte beim Inflationsanstieg im Mai eine Rolle. «Die EinfĂŒhrung des Deutschlandtickets liegt jetzt ein Jahr zurĂŒck. Der damit verbundene preisdĂ€mpfende Effekt fĂ€llt somit aus dem Vorjahresvergleich heraus», erlĂ€uterte Volkswirt Friedrich Heinemann vom Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW.

GegenĂŒber dem Vormonat April stiegen die Verbraucherpreise den vorlĂ€ufigen Angaben zufolge im Mai um 0,1 Prozent.

EZB-Zinserhöhung zeichnet sich ab

Die extrem hohen Inflationsraten der vergangenen beiden Jahre sind inzwischen Geschichte. Im Jahresschnitt erwarten fĂŒhrende Wirtschaftsforschungsinstitute eine deutliche AbschwĂ€chung der Inflation in Europas grĂ¶ĂŸter Volkswirtschaft auf 2,3 Prozent nach 5,9 Prozent im vergangenen Jahr.

Die Euro-WĂ€hrungshĂŒter streben fĂŒr den Euroraum mittelfristig PreisstabilitĂ€t bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent an. Nach der beispiellosen Serie von Erhöhungen im Kampf gegen die zeitweise extrem hohe Inflation zeichnet sich eine erste Zinssenkung im Juni ab. Der Rat der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) kommt am Donnerstag (6. Juni) zu seiner nĂ€chsten geldpolitischen Sitzung zusammen.

@ dpa.de