Deutschland, Gesundheit

Ärztepräsident fordert Aufschub für Sparpaket

12.05.2026 - 08:57:27 | dpa.de

Die versammelte Ärzteschaft tagt und die Ministerin kommt auch. Vorab hat der Ärztepräsident schon mal eine Botschaft an sie.

  • Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, geht davon aus, dass die Reform zu weniger Terminen bei Hausärzten führt. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa
    Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, geht davon aus, dass die Reform zu weniger Terminen bei Hausärzten führt. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa
  • Die Ministerin stellt sich mit ihren Reformplänen der Ärzteschaft. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpa
    Die Ministerin stellt sich mit ihren Reformplänen der Ärzteschaft. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpa
Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, geht davon aus, dass die Reform zu weniger Terminen bei Hausärzten führt. (Archivbild) - Foto: Kay Nietfeld/dpa Die Ministerin stellt sich mit ihren Reformplänen der Ärzteschaft. (Archivbild) - Foto: Soeren Stache/dpa

Ärztepräsident Klaus Reinhardt fordert einen Aufschub für die Verabschiedung des Sparpakets zur finanziellen Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen. Es soll eigentlich noch vor der parlamentarischen Sommerpause vom Bundestag verabschiedet werden. Reinhardt sagte nun dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): «Ein so weitreichendes Gesetz kann man nicht mit der Brechstange durchdrücken.» Vor dem heute beginnenden Ärztetag mahnte er: «Vor der Sommerpause sollte gar nichts entschieden werden.»

Alle Beteiligten brauchten ausreichend Zeit, die vorgesehenen Maßnahmen auf ihre Auswirkungen für die Patientenversorgung zu prüfen, argumentierte der Präsident der Bundesärztekammer. «Stattdessen sollte die Bundesgesundheitsministerin alle Beteiligten, auch den Bundesfinanzminister, an einen Tisch bringen, um tragfähige Alternativkonzepte entlang klar definierter Zielmarken zu entwickeln», schlug Reinhardt vor. 

Die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer und Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, kritisierte, gleichzeitig mit großen Reformen im Gesundheitswesen würden dem System große finanzielle Mittel entzogen. «Das ist letztlich ein Stresstest ohne Sicherheitsnetz, und wir befürchten, dass das Konsequenzen - relevant für die Patientenversorgung - hat», sagte sie im ZDF-«Morgenmagazin». 

Mit Blick auf eine Primärarztversorgung bei weniger Finanzen sagte Johna, in Hausarztpraxen werde dies möglicherweise zur Terminreduktion führen. Denn auch diese finanzierten Personal: «Und kostenfreie Termine zur Verfügung zu stellen, ohne dafür am Ende auch Geld zu bekommen, das würde man auch in keiner anderen Berufssparte erwarten.» Das gelte für alle Versorgungsbereiche, auch für den Krankenhausbereich. «Da gleichzeitig Mittel zu entziehen und zu sagen, wir machen eine große Reform, das wird zu Versorgungsengpässen führen - wir fürchten gerade im ländlichen Bereich», sagte Johna.

Ministerin kommt zum Ärztetag

Bei der Eröffnung des Deutschen Ärztetags in Hannover wird heute auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erwartet. Das geplante Sparpaket dürfte im Mittelpunkt der Debatten stehen. Es sieht Ausgabenbremsen auch bei den Vergütungen der Praxen und Kliniken vor. Ärzteverbände protestieren gegen Milliarden-Einschnitte und warnen vor Folgen für das Behandlungsangebot. 

Reinhardt mahnte, so notwendig eine Stabilisierung der GKV-Finanzen sei, ein solidarisch organisiertes Gesundheitssystem dürfe seine Leistungen nicht vorrangig an fiskalischen Vorgaben ausrichten, die sich unmittelbar auf die Patientenversorgung auswirkten. Maßstab müsse der medizinisch notwendige Versorgungsbedarf der Bevölkerung sein. 

Kritik und Lob von Krankenkassen

Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, warf der Koalition vor, die Pharmaindustrie zu schonen. «Die Regierung darf sich von der Pharmaindustrie nicht erpressen lassen», sagte Baas dem RND. «Die Politik unterschätzt ihre eigene Macht und überschätzt die der Pharmakonzerne», stellte der Chef der größten gesetzlichen Krankenkasse fest. Auch beklagte er, dass der Bund nur einen Bruchteil der Gesundheitskosten für Bürgergeldempfänger übernehmen will. Baas lobte aber, erstmals seit über 20 Jahren gehe die Politik ernsthaft den starken Ausgabenanstieg an durch Einsparungen bei Kliniken, Ärzten und Kassen.

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