Zensus, BundeslÀnder

Zensus bringt einige BundeslÀnder um Hunderte Millionen Euro

09.07.2024 - 05:00:36

Die VolkszÀhlung hat die Karten im LÀnderfinanzausgleich neu gemischt. Es gibt viele Verlierer, aber auch einige Profiteure.

Die mit dem Zensus erhobenen Einwohnerzahlen bedeuten fĂŒr einige BundeslĂ€nder große finanzielle Einbußen. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergeben. Die LĂ€nder, deren Einwohnerzahl stĂ€rker nach unten korrigiert wurde als im Bundesdurchschnitt, mĂŒssen demnach mit einem EinnahmerĂŒckgang in Millionenhöhe und sogar Nachzahlungen rechnen.

So geht das Finanzministerium in Niedersachsen von jĂ€hrlichen Mindereinnahmen «im niedrigen dreistelligen Millionenbereich» aus. Hintergrund ist die Datenerhebung Zensus 2022. Dabei kam heraus, dass in Niedersachsen rund 7,94 Millionen Menschen leben. Das sind etwa 170.000 weniger, als anhand frĂŒherer Daten errechnet worden war. Der Anteil des Landes an der gesamten Bevölkerung in Deutschland sank dadurch - was sich ĂŒber den bundesstaatlichen Finanzausgleich nachteilig auf die Steuereinnahmen auswirkt.

Bayern hat rund 290.000 Einwohner weniger

Anderen LĂ€ndern geht es Ă€hnlich: Auch in Hessen dĂŒrften sich die Mindereinnahmen «im unteren dreistelligen Millionenbereich» bewegen, teilte das dortige Finanzministerium mit. In Berlin stellt sich der Senat bis 2028 nach und nach auf bis zu 550 Millionen Euro weniger pro Jahr ein. Die Finanzbehörde in Hamburg beziffert ihr Minus auf 190 Millionen Euro pro Jahr, in Mecklenburg-Vorpommern sind es etwa 180 Millionen Euro pro Jahr weniger aus dem LĂ€nderfinanzausgleich. Im Vergleich dazu mutet das erwartete jĂ€hrliche Minus von 15 bis 25 Millionen Euro in Sachsen-Anhalt fast schon ĂŒberschaubar an.

Angesichts der Zensus-Zahlen dĂŒrfte auch Bayern zu den Verlierern zĂ€hlen. Denn dort wurde die Bevölkerungszahl um rund 290.000 Einwohner oder 2,2 Prozent nach unten korrigiert. Bundesweit betrug der RĂŒckgang lediglich 1,6 Prozent. Das Finanzministerium in MĂŒnchen prĂŒft die Folgen dieser Entwicklung allerdings noch.

Manche LĂ€nder bekommen mehr finanziellen Spielraum

Es gibt jedoch auch Gewinner: So ist der RĂŒckgang der Einwohnerzahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen geringer als auf Bundesebene. Das Finanzministerium erwartet daher alleine rĂŒckwirkend fĂŒr die Jahre 2022 und 2023 noch Mehreinnahmen von insgesamt rund 580 Millionen Euro, obwohl der neue Zensus fĂŒr diese Jahre nur anteilig in die Berechnung einbezogen wird. Baden-WĂŒrttemberg geht wegen der neuen Einwohnerzahlen ebenfalls von einer Entlastung aus, ohne Summen zu nennen. 

Auch der Einwohneranteil von Rheinland-Pfalz ist gestiegen. Dort rechnet man in der Folge mit Mehreinnahmen von rund 50 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kĂ€men «eingeschrĂ€nkte positive RĂŒckwirkungen» fĂŒr die Vorjahre. Wann die Änderungen kassenwirksam werden, werde derzeit von Bund und LĂ€ndern beraten. ThĂŒringen beziffert seinen «Zensus-Effekt» auf etwa 130 Millionen Euro zusĂ€tzlich pro Jahr.

Das Saarland kalkuliert in diesem Jahr mit rund 200 Millionen Euro mehr. Davon entfielen 30 Millionen Euro auf die kommunale Ebene, sagte Finanzminister Jakob von WeizsĂ€cker (SPD). MinisterprĂ€sidentin Anke Rehlinger (SPD) sagte, das zusĂ€tzliche Geld verschaffe dem Saarland «ein bisschen mehr Luft» und «mehr Raum fĂŒr politische Gestaltungen». Es heiße aber nicht, «wenn wir mehr bekommen, dass wir gleich mehr haben zum Ausgeben». Die nĂ€chsten Jahre wĂŒrden weiter von Konsolidierung geprĂ€gt sein.

Zensus-Daten werden auch rĂŒckwirkend angewendet

Eine zentrale Übersicht, wie sich die Verteilung von Bundesmitteln an die BundeslĂ€nder durch die neuen Zensus-Daten verĂ€ndert, gibt es beim Bundesfinanzministerium nicht. Betroffen sind einem Sprecher zufolge in erster Linie die Verteilung der Umsatzsteuer sowie einwohnerabhĂ€ngige Zuweisungen des Bundes an die LĂ€nder.

Ihre volle finanzielle Wirkung entfalten die neuen Einwohnerzahlen von diesem Jahr an. FĂŒr die endgĂŒltige Abrechnung der Jahre 2022 und 2023 wird der Zensus nur zu einem Drittel im ersten Jahr und zu zwei Dritteln im zweiten Jahr berĂŒcksichtigt. Den LĂ€ndern mit hohem EinwohnerrĂŒckgang stehen dadurch Nachzahlungen bevor, den Profiteuren winkt ein unverhoffter Nachschlag.

@ dpa.de