ROUNDUP, Bessere

Bessere Bedingungen fĂŒr Hausarztpraxen im Kabinett

22.05.2024 - 06:35:04

Die Vor-Ort-Versorgung fĂŒr Patientinnen und Patienten besonders in Hausarztpraxen soll stĂ€rker abgesichert werden.

Darauf zielen GesetzesplĂ€ne von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), die das Bundeskabinett am Mittwoch auf den Weg bringen soll. Unter anderem sollen Obergrenzen bei der VergĂŒtung wegfallen und Pauschalen eingefĂŒhrt werden, um Überlastungen zu vermeiden. Die besseren Arbeitsbedingungen sollen dazu beitragen, das Netz der Hausarztpraxen mit Blick auf eine kommende Ruhestandswelle zu erhalten. Einige Aspekte hat Lauterbach vorerst ausgeklammert, sie sollen aber spĂ€ter noch auf den Tisch.

HausĂ€rztinnen und HausĂ€rzte seien in der Regel die ersten Ansprechpersonen fĂŒr Versicherte und Lotsen im Gesundheitssystem, heißt es im Entwurf. "Sie sind in der Lage, einen ĂŒberwiegenden Teil der medizinischen Beschwerden kompetent und schnell zu behandeln." Zudem trĂŒgen sie dazu bei, die Inanspruchnahme teurerer Strukturen wie der Notaufnahmen in Kliniken zu verringern. Der Bereich solle daher "dauerhaft finanziell attraktiver" werden, um auch einem zunehmenden Bedarf fĂŒr den hausĂ€rztlichen Nachwuchs zu begegnen. Kernpunkte der PlĂ€ne im Überblick:

VergĂŒtung: FĂŒr HausĂ€rzte sollen - wie schon bei KinderĂ€rzten - sonst ĂŒbliche Obergrenzen bei der VergĂŒtung aufgehoben werden. Das bedeutet, dass sie Mehrarbeit sicher bezahlt bekommen, auch wenn das Budget ausgeschöpft ist. Zu Buche schlagen dĂŒrfte das mit einem "unteren dreistelligen Millionenbetrag" an Mehrkosten bei den gesetzlichen Krankenkassen, wie das Ministerium schĂ€tzt.

Neue Pauschalen: Kommen soll auch eine jĂ€hrliche "Versorgungspauschale" fĂŒr Praxen fĂŒr die Behandlung chronisch Kranker, die stĂ€ndig Medikamente nehmen. Das soll Praxisbesuche etwa in jedem Quartal nur zum Rezepte holen vermeiden und insgesamt mehr FreirĂ€ume schaffen. Eine neue "Vorhaltepauschale" sollen Praxen bekommen, die bestimmte, noch festzulegende Kriterien erfĂŒllen - etwa zu Haus- und Pflegeheimbesuchen oder Öffnungszeiten auch abends und an Samstagen.

Die Ruhestandswelle: Zwar hatte sich bei HausĂ€rztinnen und HausĂ€rzten zuletzt kein RĂŒckgang mehr gezeigt. Ende vergangenen Jahres gab es laut Bundesarztregister 51 389 und damit 75 mehr als Ende 2022. Zehn Jahre zuvor waren es aber noch 52 262 gewesen. Und wenn mehr und mehr in Ruhestand gehen, drohe vor allem im Westen Deutschlands ein Mangel, warnte die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung. Bei HausĂ€rzten sei der Anteil der Über-60-JĂ€hrigen mit 37 Prozent besonders hoch.

Jugendliche: Verbessert werden sollen laut Entwurf auch psychotherapeutische Angebote fĂŒr Kinder und Jugendliche. Dazu soll fĂŒr Planungen des Bedarfs eine neue eigene Arztgruppe gebildet werden. Dies ermögliche "eine zielgenauere Steuerung der Niederlassungsmöglichkeiten" fĂŒr entsprechende Praxen.

Transparenz: FĂŒr gesetzlich Kranken- und Pflegeversicherte soll ein digitales Informations- und Vergleichsangebot geschaffen werden, wie es im Entwurf heißt. Abrufbar sein sollen dort etwa Zahlen zu Genehmigungen, Ablehnungen und WidersprĂŒchen bestimmter Kassenleistungen - aber auch zur Bearbeitungsdauer und zur QualitĂ€t von Beratungs- und UnterstĂŒtzungsangeboten.

MVZ: FĂŒr Kommunen soll es einfacher werden, medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu grĂŒnden, in denen Ärztinnen und Ärzte unter einem Dach arbeiten - unter anderem mit Erleichterungen bei der Höhe nötiger Sicherheitsleistungen.

In der Warteschleife: Um das Vorhaben in Gang zu setzen, hat Lauterbach einige in der Koalition umstrittene Punkte herausgelöst. In den parlamentarischen Beratungen sollen sie aber erneut aufgerufen werden. Dazu gehören "Gesundheitskioske", also leicht zugĂ€ngliche Beratungsstellen fĂŒr Behandlung und PrĂ€vention in Gegenden mit vielen sozial benachteiligten Menschen. Stark machen will sich Lauterbach auch fĂŒr ein Aus fĂŒr homöopathische Leistungen auf Kassenkosten. Dies seien Versorgungen, die nicht wirkten, argumentierte er. DafĂŒr sollten die Kassen auch nicht bezahlen.

@ dpa.de