Anwalt: ZschÀpe von Extremisten-Aussteigerprogramm abgelehnt
29.09.2023 - 05:55:57Das Aussteigerprogramm Sachsen hat einen Aufnahmeantrag der verurteilten Rechtsterroristin Beate ZschĂ€pe nach Angaben ihres Anwalts abgelehnt. «Wir haben das Aussteigerprogramm des Freistaats Sachsen kontaktiert», sagte Anwalt Mathias Grasel der Deutschen Presse-Agentur in MĂŒnchen. Der Wunsch nach Aufnahme sei aber «von Seiten des Aussteigerprogramms abgelehnt» worden.
Die BegrĂŒndung laut Grasel: «Es sei noch zu frĂŒh dafĂŒr.» Vom Aussteigerprogramm gab es dazu keine Informationen. «Zu konkreten Fallanfragen oder FĂ€llen des Aussteigerprogramms Sachsen erteilen wir keine AuskĂŒnfte», sagte der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des LandesprĂ€ventionsrates, Sven Forkert, auf Anfrage der dpa.
Das Programm unterstĂŒtze «Personen, die sich im Einflussbereich extremistischer Gruppen oder HandlungszusammenhĂ€nge befinden, sich aus diesen lösen wollen und hierfĂŒr UnterstĂŒtzung benötigen», heiĂt es auf der Homepage. «Ziel ist es, Aussteigerinnen und Aussteigern einen Neustart in unserer Gesellschaft zu ermöglichen.»
Es soll demnach Menschen ansprechen, «die mit ihren bisherigen AktivitĂ€ten die demokratischen Grundlagen unserer Gesellschaft bewusst abgelehnt haben und Militanz sowie Gewalt gegen Andere und staatliche Institutionen fĂŒr legitime Mittel erachteten â jedoch nunmehr fĂŒr einen Ausstieg bereit scheinen».
NSU und GefÀngnis
ZschĂ€pe war 2018 nach mehr als fĂŒnf Jahren Prozessdauer als MittĂ€terin an der NSU-Mordserie zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Oberlandesgericht MĂŒnchen stellte auch die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen.
ZschĂ€pe sitzt - die U-Haft eingeschlossen - bereits seit rund zwölf Jahren im GefĂ€ngnis. Nach Angaben Grasels sind es am 8. November 2026 dann 15 Jahre. Bis dahin muss eine sogenannte MindestverbĂŒĂungsdauer festgelegt werden, die besagt, wie lange ZschĂ€pe danach noch in Haft bleiben muss. Ihr Aufnahmegesuch war nach Angaben Grasels auch darum abgelehnt worden, weil das Ende der Haft noch «nicht absehbar» sei.
Der «Nationalsozialistische Untergrund» (NSU) war eine Terrorzelle, bestehend aus ZschĂ€pe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die von 2000 an jahrelang unerkannt zehn Morde in ganz Deutschland verĂŒbte, fĂŒnf davon in Bayern. Ihre Opfer waren neun Gewerbetreibende tĂŒrkischer und griechischer Herkunft sowie eine deutsche Polizistin. Mundlos und Böhnhardt verĂŒbten zudem zwei BombenanschlĂ€ge in Köln mit Dutzenden Verletzten. Die beiden töteten sich 2011, um ihrer Festnahme zu entgehen - erst damit war der NSU aufgeflogen.
Vor einem Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtages hatte ZschĂ€pe eine Mitschuld an der Mordserie so deutlich wie nie zuvor eingerĂ€umt. «Ich bin mitschuldig an den Morden», sagte ZschĂ€pe laut Wortlautprotokoll. «Auch wenn ich nicht abgedrĂŒckt habe, habe ich sie geduldet.» HĂ€tte sie sich rechtzeitig gestellt, «wĂ€re die Serie vorbei gewesen», sagte ZschĂ€pe. «Ich habe es nicht getan, und deswegen bin ich genauso schuldig, als ob ich abgedrĂŒckt habe.»
ZschĂ€pe war im Mai einen Tag lang in der Justizvollzugsanstalt Chemnitz von den bayerischen Landtagsabgeordneten befragt worden. Es war das erste Mal, dass sie sich seit dem Ende des Prozesses Ă€uĂerte, und das erste Mal ĂŒberhaupt, dass ZschĂ€pe direkt auf Fragen antwortete.
Manche Beobachter hielten ihre Aussagen fĂŒr ein taktisches Manöver: um irgendwann Lockerungen im Strafvollzug und die Teilnahme an einem Aussteigerprogramm zu erreichen, wenn sie Reue zeigt.


