Gesundheit, Gesellschaft

DIVI-GeschĂ€ftsfĂŒhrer: RKI unterschĂ€tzt Zahl der Hitzetoten

Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur.de

Die Zahl der Hitzetoten in Deutschland ist nach EinschÀtzung des Intensivmediziners Uwe Janssens deutlich höher als vom Robert-Koch-Institut (RKI) geschÀtzt.

DIVI-GeschĂ€ftsfĂŒhrer: RKI unterschĂ€tzt Zahl der Hitzetoten
Friedhof (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Der medizinische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen InterdisziplinĂ€ren Vereinigung fĂŒr Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hĂ€lt die RKI-SchĂ€tzung fĂŒr zu niedrig.

"Alte Menschen haben kein richtiges Durstempfinden mehr. Sie merken nicht, dass sie FlĂŒssigkeit verlieren und gegensteuern mĂŒssen", sagte Janssens den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Mit fehlender FlĂŒssigkeit verĂ€ndere sich dann die Konzentration der Körpersalze. "Die Menschen schlafen ein und werden einfach nicht mehr wach", so der Mediziner, der auch Direktor der Klinik fĂŒr Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital Eschweiler ist. In der Regel versage die Niere, weil die Menschen austrocknen.

Ein 85-JĂ€hriger beispielsweise, der allein zuhause wohne, eine Nieren- und eine HerzschwĂ€che habe, "stirbt dann einfach unbemerkt", erklĂ€rte Janssens. Auf dem Totenschein stehe dann Organversagen, aber die Hitze habe einen klaren Einfluss gehabt. Diese TodesfĂ€lle wĂŒrden Statistiken nicht besonders gut erfassen. Er gehe deshalb davon aus, dass die Zahlen des RKI "nicht die gesamte Dramatik abbilden". Es seien sicherlich mehrere Tausend TodesfĂ€lle mehr.

Janssens sieht die Politik in der Verantwortung, mehr zu tun, um vulnerable Gruppen zu schĂŒtzen. "Ich bin, auch als BĂŒrger, extrem verstört ĂŒber die Tatenlosigkeit der Bundes- und Landesregierungen", sagte er den Funke-Zeitungen. Man brauche einen verbindlichen nationalen Hitzeschutzplan, eine sinnvolle Zusammenarbeit von Bund und LĂ€ndern und Geld. Kaum eine Notaufnahme sei klimatisiert, die Kosten fĂŒr die entsprechende Ausstattung eines Zimmers lĂ€gen bei 15.000 bis 20.000 Euro. Wenn man das auf das ganze GebĂ€ude hochrechne, könne das keine Klinik allein stemmen. Das sei wirklich eine Katastrophe.

Neben einer besseren Ausstattung von Kliniken, so der DIVI-GeschĂ€ftsfĂŒhrer, wĂŒrden auch mehr Nachbarschaftshilfe, mehr psychosoziale UnterstĂŒtzung und Netzwerke helfen, um Menschen zuhause frĂŒhzeitig zu schĂŒtzen. Als Vorbild sieht Janssens Frankreich, wo Kommunen vulnerable Menschen in Hitzeperioden aktiv kontaktieren. "Bei uns", sagte er, "sterben Menschen nicht nur an der Hitze, sondern letztlich auch an gesellschaftlicher VernachlĂ€ssigung."

de | politik | 69951394 |