Söders DÀmpfer und die Folgen
13.12.2025 - 15:07:59Der Kanzler gratuliert sehr höflich. «Lieber Markus, auf weiter gute Zusammenarbeit», sagt Friedrich Merz zu Markus Söder, der ihn eben auf dem CSU-Parteitag begrĂŒĂt hat. Zu Söders Prozentergebnis bei dessen Wiederwahl zum CSU-Chef sagt Merz - erwartungsgemÀà - aber nichts.
Dabei hat selten eine Zahl fĂŒr so viel GesprĂ€chsstoff gesorgt auf einem CSU-Parteitag wie diese: Nur 83,6 Prozent hat Söder bei seiner Wiederwahl zum Parteivorsitzenden bekommen - sein bisher schlechtestes Ergebnis ĂŒberhaupt. Anders gesagt: 104 Delegierten stimmten gegen ihn. Kein Wunder, dass es anschlieĂend quasi kein GesprĂ€ch gibt, das sich nicht darum dreht, was die GrĂŒnde dafĂŒr sind - und vor allem: was das nun fĂŒr die Zukunft bedeutet.
Welche ErklÀrungsansÀtze es gibt:
Hört man sich unter Delegierten um, egal ob Söder-AnhĂ€nger oder -Kritiker, so lautet meist der Tenor: FĂŒr den DĂ€mpfer dĂŒrfte es viele und vielschichtige GrĂŒnde geben - eine organisierte oder konzertierte Aktion sei es sicher nicht gewesen. Ganz aktuell hat etwa der Rentenstreit viele in der CSU bewegt - beispielsweise sehen viele Junge die von Söder durchgesetzte MĂŒtterrente kritisch. Haben also viele JU-Mitglieder mit Nein gestimmt? Manche glauben, auch, dass Söders eher ernst-pessimistische Rede ihn Stimmen gekostet hat. Doch die meisten ErklĂ€rungsansĂ€tze reichen weiter zurĂŒck und gehen tiefer.
Da sind viele, die Söders zeitweise ausufernde Social-Media-AktivitĂ€ten, die im Wiesn-Hit «Sweet Caroline» gipfelten, zunehmend kritisch sehen. Aber auch Söders politischer Kurs hat in Teilen der Partei immer wieder fĂŒr Debatten gesorgt: War das lange GrĂŒnen-Bashing zu viel und zu laut, fragen die einen. Ist das kategorische Nein zu jeder Zusammenarbeit mit der AfD, auch auf kommunaler Ebene, richtig, fragen andere - das sind aber eher einzelne.
Teile der Partei werfen Söder schon lange einen mangelnden Mannschaftsgeist und ein zu groĂes Ego vor - dass es ihm zu oft in erster Linie nur um sich selbst gehe. Die 83,6 Prozent seien eine «ernste Mahnung zu mehr Teamarbeit und Geradlinigkeit», so fasst es ein CSU-Vorstand zusammen. Auch Fans von Parteivize und EVP-Chef Manfred Weber, mit dem Söder seit langem in inniger Feindschaft verbunden ist, könnten gegen Söder gestimmt haben, heiĂt es. AuffĂ€llig: Weber bekommt bei der CSU-Vize-Wahl mehr Prozente als Söder.
Oder macht sich inzwischen schlicht eine gewisse Söder-MĂŒdigkeit breit? Seit 2018 ist der 58-JĂ€hrige nun schon MinisterprĂ€sident, seit 2019 CSU-Chef. Ja, Söder sei nimmermĂŒde im Land unterwegs, rĂ€umen auch Kritiker ein. Manche meinen dennoch, es gebe gewisse Abnutzungserscheinungen - bei Söder selbst, aber auch in der Partei im VerhĂ€ltnis zum Parteivorsitzenden. Eine richtige Söder-DĂ€mmerung hat damit aber noch lange nicht eingesetzt.
Was das Ergebnis fĂŒr Söder persönlich bedeutet:
FĂŒr Söder sind die 83,6 Prozent ein empfindlicher DĂ€mpfer. Er ist zwar weiter unangefochten die Nummer eins, aber offensichtlich nicht mehr völlig unumstritten. «Ein ernster Warnschuss» sei das Wahlergebnis, sagt einer aus dem CSU-Vorstand. Zu Söders GlĂŒck gibt es allerdings niemandem, der ihm intern gefĂ€hrlich werden und ihm seine Jobs streitig machen könnte. «Söder hat keinen Söder im Nacken», lautet eine oft gehörte Deutung. HeiĂt: Es ist in der CSU keine Revolution und es sind auch keine RevolutionĂ€re in Sicht.
Aber wird Söder an seinem Verhalten, seinem Stil, seiner Politik etwas verĂ€ndern? Ja, glauben einige, er werde schon gewisse Lehren ziehen: mehr staatsmĂ€nnisch auftreten, weniger polarisierend. Und einer aus der CSU-FĂŒhrungsriege ist sich zudem sicher: «Er wird nie wieder singen.»
Was das Ergebnis fĂŒr Söders Zukunft bedeutet:
Klar ist also: An Söder fĂŒhrt auf absehbare Sicht kein Weg vorbei. Nach Lage der Dinge wird Söder 2028 erneut als bayerischer MinisterprĂ€sident antreten. Und zwar egal wie das Ergebnis bei seiner nĂ€chsten Wiederwahl zum CSU-Chef 2027 aussieht. Das könne ja kaum noch schlechter ausfallen, heiĂt es am Rande des MĂŒnchner Parteitags - es könne dann nur nach oben gehen.
Doch davon und vor allem vom Landtagswahlergebnis 2028 wird abhĂ€ngen, wie schnell die Söder-DĂ€mmerung wirklich einsetzt. Kurz gesagt: je schlechter, desto schneller. Denn, noch viel weiter vorausgeblickt: 2033 wird die CSU aller Voraussicht nach tatsĂ€chlich einen Nachfolger fĂŒr Söder als MinisterprĂ€sident brauchen. Und die Erfahrung der Vergangenheit lehrt: Die Nachfolge-Debatte wird schon eine betrĂ€chtliche Zeit davor beginnen. Weil immer die Frage ist, ob man nicht rechtzeitig den Regierungschef wechselt und damit jemandem die Chance gibt, bei der Wahl schon als Amtsinhaber ins Rennen zu gehen.
Was das Ergebnis fĂŒr die Koalition in Berlin bedeutet:
Klar ist: Söder ist und bleibt einer der entscheidenden Player und eine StĂŒtze der schwarz-roten Koalition in Berlin. Daran wird sein Wahlergebnis nichts Ă€ndern - zumal etwa SPD-Chef Lars Klingbeil bei seiner Wiederwahl ein nochmals deutlich schlechteres Ergebnis hatte verkraften mĂŒssen. Oder ist es denkbar, dass Söder auf dem Berliner Parkett vielleicht nicht mehr ganz so breitbeinig auftreten kann wie in der Vergangenheit? Was niemand in der CSU anzweifelt: Söder weiĂ um die gemeinsame Verantwortung der Koalition. Nicht umsonst hat er in seiner Parteitagsrede ja so gemahnt, man mĂŒsse gemeinsam gegen alle innen- und auĂenpolitischen Bedrohungen zusammenstehen.


