Jahresbericht Antiziganismus, Deutschland

Schockierende Zahlen im ersten Jahresbericht Antiziganismus

18.09.2023 - 10:34:27

Diskriminierung, Anfeindungen und sogar Gewalt: 621 VorfÀlle hat die neue Melde- und Informationsstelle Antiziganismus erfasst. Die HÀlfte davon fand auf institutioneller Ebene statt.

  • Romani Rose ist Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. (Archiv) - Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

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  • Vorstellung des Jahresberichts der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) 2022. - Foto: Britta Pedersen/dpa

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Romani Rose ist Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. (Archiv) - Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpaVorstellung des Jahresberichts der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) 2022. - Foto: Britta Pedersen/dpa

FĂŒr Sinti und Roma sind Diskriminierung, Anfeindungen und sogar Gewalt einem neuen Bericht zufolge in Deutschland Alltag. Bundesweit 621 VorfĂ€lle hat die neue Melde- und Informationsstelle Antiziganismus MIA fĂŒr das Jahr 2022 erfasst. Darunter sind 343 FĂ€lle von Diskriminierung und 245 FĂ€lle von «verbaler Stereotypisierung», aber auch 11 FĂ€lle von Bedrohung, 17 Angriffe und 1 Fall von «extremer Gewalt».

Dabei handele es sich um einen Fall im Saarland, der auch in der Statistik fĂŒr politisch motivierte KriminalitĂ€t als antiziganistische Straftat erfasst worden sei, heißt es in dem veröffentlichten ersten MIA-Jahresbericht: Aus zwei vorbeifahrenden Autos heraus sei eine Personengruppe zuerst antiziganistisch beleidigt und anschließend mit einer Druckluftwaffe gezielt beschossen worden. Mehrere Menschen seien verletzt worden.

In dem MIA-Bericht tauchen nach Angaben der Autoren einige wenige Taten auf, die auch in der Polizeistatistik ausgewiesen sind, darunter weitere FĂ€lle von Gewalt sowie Beleidigung und Volksverhetzung. Im Wesentlichen bezieht sich der Bericht aber auf Meldungen bei eigens dafĂŒr eingerichteten regionalen Stellen. Die FĂ€lle seien teils auch unter der Schwelle der Strafbarkeit.

Besonders bemerkenswert finden die Autoren zwei Aspekte: Mehr als die HĂ€lfte der erfassten VorfĂ€lle entfielen auf Diskriminierung und «etwa die HĂ€lfte der FĂ€lle antiziganistischer Diskriminierung fand auf institutioneller Ebene statt». Gemeint sind demnach staatliche Institutionen wie Polizei, Jugendamt, Jobcenter sowie kommunale Verwaltungen, die fĂŒr die Unterbringung von GeflĂŒchteten zustĂ€ndig sind. Vor allem viele aus der Ukraine geflĂŒchtete Roma seien betroffen.

MIA fordert deshalb, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz nicht auf privates Recht zu beschrÀnken, sondern auf staatliche Stellen auszuweiten und auf dieser Grundlage Diskriminierungen zu ahnden.

@ dpa.de