Konjunkturprognose, DIW-Chef

Konjunkturprognose: DIW-Chef warnt vor unsÀglicher Schwarzmalerei

16.02.2024 - 06:52:50

DIW-PrĂ€sident Marcel Fratzscher hat angesichts der fortgesetzten Rezession in Deutschland vor negativen Übertreibungen gewarnt.

"Die anhaltende wirtschaftliche SchwĂ€che Deutschlands ist nicht ĂŒberraschend und kein Grund zur Panik", sagte Fratzscher der "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe). "Sie ist vor allem das Resultat des Ukraine-Kriegs, denn die hohen Kosten fĂŒr Energie und Lebensmittel bremsen den privaten Konsum von Menschen mit mittleren und geringen Einkommen und auch die Exporte und Investitionen vieler Industrieunternehmen", sagte der Chef des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW). "Die SchwĂ€che Chinas und die hohe geopolitische Unsicherheit durch die Kriege in der Ukraine und im Mittleren Osten treffen die deutsche Exportwirtschaft hart", so Fratzscher. "Das Gerede von Deutschland als `kranker Mann Europas` ist fehl am Platz, denn Deutschland leidet stĂ€rker als fast alle anderen IndustrielĂ€nder unter dem Ukraine-Krieg und den globalen Faktoren, da die deutsche Wirtschaft viel stĂ€rker von Exporten und fossilen EnergietrĂ€gern abhĂ€ngig ist, als die meisten anderen." Fratzscher weiter: "Die unsĂ€gliche Schwarzmalerei von manchen Wirtschaftsbossen und Politikern ist die grĂ¶ĂŸte einheimische Bremse fĂŒr die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr. Wirtschaft ist zu 80 Prozent Psychologie und das erschĂŒtterte Vertrauen von BĂŒrgern und Unternehmen in die ZukunftsfĂ€higkeit Deutschlands bremst den privaten Konsum und die Investitionen." Der DIW-Chef forderte zudem ein Aussetzen der Schuldenbremse.

"Die unzureichende Finanzpolitik und Obsession mit der Schuldenbremse sind neben den hohen Zinsen eine starke Bremse fĂŒr die deutsche Wirtschaft auch in diesem Jahr." In wirtschaftlich schwierigen Zeiten mĂŒsse der deutsche Staat BĂŒrger und Unternehmen stĂ€rker entlasten und selbst deutlich mehr investieren. Zudem werde Deutschland mehr Geld fĂŒr die Ukraine aufbringen mĂŒssen. "Deshalb wĂ€re es spĂ€testens jetzt an der Zeit, sich ehrlich zu machen und die Schuldenbremse auch fĂŒr 2024 auszusetzen, um keinen dauerhaften Schaden fĂŒr die deutsche Wirtschaft zu riskieren", mahnte Fratzscher.

@ dts-nachrichtenagentur.de