Börsenbeben wird heftiger - wie weit geht es abwÀrts?
07.04.2025 - 12:41:19Die Talfahrt an den internationalen AktienmÀrkten setzt sich fort. Auch das deutsche Börsenbarometer Dax brach am Montag noch einmal ein. Geht es nun weiter abwÀrts oder könnte schon bald eine Trendwende folgen? Eine Bestandsaufnahme:
Warum ist die Reaktion an der Börsen so heftig?
Die US-Regierung hat deutlich gemacht, dass sie an ihrer drastischen Wirtschaftspolitik mit hohen Extrazöllen auf Importe aus der ganzen Welt festhalten will. Daran Ă€ndert auch die von US-PrĂ€sident Donald Trump signalisierte GesprĂ€chsbereitschaft mit den betroffenen LĂ€ndern nichts.Â
Bleibt das so und reagieren die wichtigsten Handelspartner EU und China mit Gegenzöllen, wird das nach Ansicht der meisten Experten die Weltkonjunktur abwĂŒrgen. Deshalb haben offenkundig auch die Optimisten unter den Anlegern die Hoffnung auf Besserung verloren und wollen ihre Aktien loswerden. «Der Verkaufsdruck hat zum Wochenstart noch einmal massiv zugenommen», sagt der Finanzmarktexperte Andreas Lipkow. «Die Nerven liegen aktuell blank.»Â
Was raten Experten Privatanlegern in dieser Situation?
So unberechenbar die Zollpolitik von US-PrĂ€sident Donald Trump ist, so unberechenbar bleiben die Aussichten fĂŒr Aktienanleger. Auf kurze Sicht mĂŒssen sie mit weiteren Kursverlusten rechnen. Seit Donnerstag, dem Tag nach Trumps ZollankĂŒndigungen, geht es steil nach unten.
«Die Stimmung an der Börse ist so negativ wie lange nicht», beobachtet der Kapitalmarktstratege JĂŒrgen Molnar vom Broker RoboMarkets. «Keiner will in das fallende Messer greifen und von der nĂ€chsten Gegenzoll-MaĂnahme eventuell aus Europa erwischt werden.»Â
In vielen Depots haben sich in kurzer Zeit schon jetzt Verluste angesammelt oder sind Gewinne geschrumpft. Solange man nichts verkauft, sind das aber nur Buchverluste, in ein paar Monaten oder Jahren kann es schon wieder anders aussehen. Insofern verweisen viele Experten auf eine alte Börsenregel: Nicht in Panik verkaufen, Krisen aussitzen und auf besserer Zeiten warten.
Kann man dem Crash entgehen?
Es ist natĂŒrlich möglich, Aktien oder Fondsanteile zu verkaufen. Stattdessen kann man das Geld auf ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto legen. Dort sind die ZinssĂ€tze aber inzwischen wieder niedriger, je nach Anlagedauer eher bei zwei als bei drei Prozent pro Jahr. Zieht man die Inflationsrate ab, bleibt real kaum etwas ĂŒbrig, schon gar nicht, wenn die Verbraucherpreise als Folge der US-Zollpolitik wieder schneller steigen sollten. Staatsanleihen könnten eine Alternative sein. Die Kurse sind dank höherer Nachfrage bereits gestiegen â die Renditen im Gegenzug gesunken. Der Preis von Gold als «sicherem Hafen» ist zuletzt von Rekord zu Rekord geeilt. Fortsetzung des Trends ungewiss. Und das Edelmetall wirft keine Zinsen ab.
Wie lange könnte der AbwÀrtstrend andauern?
Das kann niemand seriös voraussagen. Schotten sich die Handelsblöcke immer weiter mit Zöllen ab, besteht die Gefahr einer weltweiten Rezession ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum. Wird jedoch der Handelskonflikt gelöst, könnte die Erleichterung schnell zu einem Anstieg an den AktienmĂ€rkten fĂŒhren. Viel hĂ€ngt davon ab, ob US-PrĂ€sident Trump an seinem Kurs festhĂ€lt oder sich doch zu einer Umkehr bewegen lĂ€sst.
Wann gab es zuletzt einen vergleichbaren Kurseinbruch?
Scharfe AbwĂ€rtsbewegungen an den AktienmĂ€rkten sind keine Seltenheit. Im Jahr 2000 etwa platzte die Dotcom-Blase. Zahlreiche Start-ups aus dem Internet-Sektor ohne tragfĂ€higes GeschĂ€ftsmodell gingen in die Knie. Es folgte vom FrĂŒhjahr 2003 an ein langjĂ€hriger Aufschwung an den Börsen.Â
Dieser wurde dann von der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 gestoppt. Wieder sackten die Kurse ab, und wieder ging der Aktienmarkt gestĂ€rkt aus dieser Krise hervor. Der Ausbruch der Corona-Pandemie fĂŒhrte zum nĂ€chsten DĂ€mpfer. Die Erholung folgte.Â
Dass sich ein solches Szenario wiederholt, ist keineswegs sicher. Denn Trumps Zollpolitik erschĂŒttert die Grundfesten des Handels ĂŒber Grenzen hinweg und könnte damit einen dauerhaften Schaden bewirken.
Welche Branchen und Unternehmen sind besonders betroffen?
Besonders stark war der Ausverkauf zunĂ€chst bei den US-Technologiewerten, die jahrelang die Gewinnerlisten angefĂŒhrt hatten. Inzwischen gibt es aber kaum eine Branche, die nicht in den AbwĂ€rtssog hineingezogen worden ist. Die pauschalen Zölle treffen eben alle Exporteure. Die Aktientitel mancher Konzerne, die ProduktionsstĂ€tten auf der ganzen Welt haben und so Zölle weitgehend vermeiden können, haben sich in den vergangenen Tagen vergleichsweise gut geschlagen.Â
Was bedeutet der Kurseinbruch fĂŒr die Realwirtschaft?
Die neuen Zölle der USA und die absehbaren Gegenzölle allein stellen schon ein enormes Handelshemmnis dar. Der Wertverlust der Aktienvermögen, sofern er denn Bestand hat, kann den negativen Effekt auf die Konjunktur verstÀrken. Wer sich Sorgen um seine Ersparnisse oder Altersvorsorge macht, der ist beim tÀglichen Konsum nicht mehr so spendabel.
Unternehmen dĂŒrften sich mit Investitionen zurĂŒckhalten, wenn die Aussichten dermaĂen ungewiss sind. Marktexperte Molnar sagt: «Die Unternehmen werden vor diesem Hintergrund ihre Gewinnerwartungen herunterschrauben mĂŒssen, nach immer höherem Wachstum drohen nun einige Quartale, wenn nicht gar Jahre mit mageren Zahlen und trĂŒben Aussichten.»


