AOK-Verwaltungsrat, Ampel-Koalition

AOK-Verwaltungsrat: Ampel-Koalition muss ihre Versprechen fĂŒr nachhaltige Reformen und stabile Kassenfinanzen endlich einlösen - AOK NordWest erzielt positives Rechnungsergebnis fĂŒr 2023

18.06.2024 - 14:20:06

Dortmund - Mit einem positiven Rechnungsergebnis in Höhe von 50,2 Millionen Euro hat die AOK NordWest das vergangene GeschĂ€ftsjahr 2023 abgeschlossen. Das stellte heute der AOK-Verwaltungsrat in seiner Sitzung in Dortmund fest. Damit setzt die AOK NordWest ihren Kurs einer erfolgreichen GeschĂ€ftspolitik mit stabilen Finanzen und mehr Wachstum fort: Insgesamt 59.000 neue Mitglieder entschieden sich im vergangenen Jahr fĂŒr den MarktfĂŒhrer in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein. Das Haushaltsvolumen der AOK NordWest betrug 2023 rund 12,5 Milliarden Euro. Hart ins Gericht ging der AOK-Verwaltungsrat mit der Ampelkoalition. "Stabil und verlĂ€sslich sollte die Gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung finanziert werden. Doch aus diesem Versprechen der Ampel-Koalition wird offenbar nichts. Es fehlt weiterhin an nachhaltigen Finanzierungskonzepten. Statt die beitragszahlenden Versicherten und Arbeitgeber von versicherungsfremden Aufgaben zu entlasten, sollen diese weitere staatliche Aufgaben finanzieren", sagte Lutz SchĂ€ffer, alternierender AOK-Verwaltungsratsvorsitzender und Versichertenvertreter.

Politik bringt GKV in finanzielle Schieflage

Die vor allem von der Politik verursachten Ausgabenausweitungen bringen die Finanzen der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in eine Schieflage. "Die Einnahmen und Ausgaben mĂŒssen endlich wieder ins Gleichgewicht gebracht werden", sagte Johannes Heß, alternierender AOK-Verwaltungsratsvorsitzender und Arbeitgebervertreter. DafĂŒr braucht es nachhaltige ReformvorschlĂ€ge fĂŒr eine stabile, verlĂ€ssliche und solidarische Finanzierung der GKV. Heß kritisierte die aus seiner Sicht völlig unzureichende Zahlung aus dem Bundeshaushalt an die Krankenkassen fĂŒr BĂŒrgergeldempfĂ€nger. Sie deckt nur gut ein Drittel der tatsĂ€chlichen Kosten ab. Dabei geht es um mehr als neun Milliarden Euro im Jahr. "Hier werden originĂ€r staatliche Aufgaben auf die Beitragszahlenden abgewĂ€lzt, die dann ĂŒber BeitrĂ€ge und Steuern doppelt zur Kasse gebeten werden", sagte Heß.

Beitragszahlende werden zur Kasse gebeten

Nach Auffassung von Lutz SchĂ€ffer werden die erheblichen Finanzierungsprobleme der GKV nicht gelöst, sondern immer wieder nur verschoben. "Der Krankenhaus-Transformationsfonds, die Aufhebung des Budgetdeckels fĂŒr die HausĂ€rzte und die EinfĂŒhrung von Geheimpreisen fĂŒr neue Arzneimittel werden zusĂ€tzliche Kosten fĂŒr die GKV in Milliardenhöhe verursachen. Anstatt wie im Koalitionsvertrag versprochen die Finanzierung nachhaltig zu sichern, will Bundesgesundheitsminister Lauterbach die Beitragszahlenden fĂŒr seine ReformplĂ€ne zusĂ€tzlich zur Kasse bitten. Bei den entsprechenden Gesetzesvorhaben mĂŒssen im laufenden parlamentarischen Verfahren erhebliche Korrekturen erfolgen, sonst droht in 2025 eine deutliche Erhöhung des Beitragssatzes", so SchĂ€ffer.

Strukturreformen kraftvoll voranbringen

Doch das allein wird aus Sicht des AOK-Verwaltungsrats nicht fĂŒr dauerhaft stabile GKV-Finanzen reichen. "Die Politik ist außerdem gefordert, die geplanten und dringend notwendigen Strukturreformen im Gesundheitswesen kraftvoll voranzubringen. Wir denken hier vor allem an eine zukunftsorientierte Krankenhauslandschaft und Notfallversorgung sowie den Einstieg in eine sektorenĂŒbergreifende Versorgungsgestaltung", sagte SchĂ€ffer.

Krankenhausreform nicht verwÀssern

Die Krankenhausreform auf Bundesebene sollte nach Auffassung des AOK-Verwaltungsrats in der aktuellen Diskussion zwischen Bund und LĂ€ndern in den wesentlichen Punkten wie QualitĂ€tskriterien und Mindestvorhaltezahlen je Leistungsgruppe nicht weiter verwĂ€ssert werden. "Die Leistungsstrukturen der KrankenhĂ€user mĂŒssen nach einheitlichen und verbindlichen Kriterien definiert werden und die LĂ€nder ihre Krankenhausplanung und VersorgungsauftrĂ€ge konsequent daran ausrichten. Die im Krankenhaus behandelten Patientinnen und Patienten mĂŒssen sich darauf verlassen können, dass sie im Bedarfsfall bestmöglich behandelt werden", sagte Heß.

LiquiditÀtsengpÀsse in der Sozialen Pflegeversicherung

Dunkle Wolken ziehen auch in der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) auf. Der Anstieg der PflegebedĂŒrftigen wird fĂŒr neue LiquiditĂ€tsengpĂ€sse bei den Pflegekassen sorgen. Der GKV-Spitzenverband rechnet damit, dass die BeitragssĂ€tze im nĂ€chsten Jahr bereits um mindestens 0,2 Beitragssatzpunkte ansteigen werden. "Um den Druck auf die BeitragssĂ€tze zu nehmen, muss der Bund auch die SPV von versicherungsfremden Leistungen entlasten. Dazu gehören die Finanzierung der RentenversichersicherungsbeitrĂ€ge von pflegenden Angehörigen in Höhe von jĂ€hrlich rund vier Milliarden Euro, auskömmliche Pauschalen fĂŒr BĂŒrgergeldbeziehende und die noch rund 4,5 Milliarden offenen Mittel, mit denen die SPV in der Corona-Krise in Vorleistung getreten ist. Die Ampel-Koalition sollte sich auch hier an ihre Versprechen aus dem Koalitionsvertrag erinnern und endlich ihre eigenen FinanzierungsvorschlĂ€ge umsetzen", so SchĂ€ffer.

59.000 neue Mitglieder

Fast 59.000 neue Mitglieder entschieden sich im letzten Jahr fĂŒr die grĂ¶ĂŸte gesetzliche Krankenkasse in Westfalen-Lippe und Schleswig-Holstein. AOK-Vorstandschef Tom Ackermann hob hervor, dass die AOK NordWest mit ihren stabilen BeitrĂ€gen und den vielen auch neuen exklusiven Mehrleistungen innerhalb des 500 Euro-Gesundheitsbudgets attraktiv fĂŒr alle gesetzlich Krankenversicherten bleibe. "Wir garantieren unseren Versicherten weiterhin einen persönlichen Service vor Ort und moderne Lösungen fĂŒr eine schnelle und mobile Kunden-Kommunikation", so Ackermann.

Leistungsausgaben in 2023 erneut gestiegen

Insgesamt sind die Leistungsausgaben der AOK NordWest im Jahr 2023 je Versicherten um 2,78 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr gestiegen. Der grĂ¶ĂŸte Ausgabenblock bleibt die Krankenhausbehandlung mit rund 4,25 Milliarden Euro. Dahinter folgen Ausgaben fĂŒr Arzneimittel mit 1,91 Milliarden Euro sowie die ambulante Ă€rztliche Behandlung in Höhe von 1,67 Milliarden Euro. Das Haushaltsvolumen der AOK NordWest betrug in 2023 rund 12,5 Milliarden Euro.

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