Streikwelle ĂŒberschattet Lufthansa-JubilĂ€um mit Kanzler Merz
15.04.2026 - 17:01:47 | dpa.deDie heftigste Streikwelle seit Jahren trĂŒbt den Festakt der Lufthansa zu ihrem JubilĂ€um mit Kanzler Friedrich Merz. WĂ€hrend die Fluggesellschaft den Start des ersten Linienflugs unter der Kranichmarke vor gut 100 Jahren feiert, eskaliert der Tarifstreit mit Piloten und Flugbegleitern. Einen nur wenige Stunden zuvor vorgeschlagenen Schlichtungsversuch erklĂ€rte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) fĂŒr gescheitert, die nĂ€chsten Streiks am Donnerstag und Freitag stehen kurz bevor.Â
Beim Festakt zu «100 Jahre Lufthansa» im neuen Besucherzentrum «Hangar One» sagte Kanzler Merz, die Airline gehöre zur Geschichte der Bundesrepublik. Die strategisch wichtige Lufthansa habe das Bild von Deutschland stÀrker geprÀgt als jedes andere Unternehmen.
Die Bundesregierung setze sich dafĂŒr ein, dass Deutschland ein wichtiger Luftverkehrsstandort bleibe, versprach Merz. «Weniger fliegen ist keine Option fĂŒr den Wirtschaftsstandort Deutschland.» Dazu brauche man nachhaltige klimaschonende Technologien, aber auch niedrige Kosten und eine höhere WettbewerbsfĂ€higkeit. Er dankte Lufthansa-Chef Carsten Spohr dafĂŒr, dass sich das Unternehmen erstmals vollstĂ€ndig zu seiner Rolle im Nationalsozialismus bekannt habe.Â
Kranich als Botschafter fĂŒr Deutschland
Spohr sagte, der Kranich fliege seit 100 Jahren als «Botschafter fĂŒr unser Land». Hightech und BeschĂ€ftigte mit Leidenschaft fĂŒr das Fliegen zögen sich durch die gesamte Geschichte der Lufthansa, bilanzierte der Manager vor ausgestellten ikonischen Flugzeugen, Crews in historischen Uniformen und Hunderten geladenen GĂ€sten.
Verkehrsminister Patrick Schnieder sagte vorab, das Unternehmen habe regelmĂ€Ăig fundamentale UmbrĂŒche erlebt und sich stets neu erfunden. «Ich bin mir sicher: Bei Innovation und neuen Technologien wird die Lufthansa auch in den nĂ€chsten 100 Jahren MaĂstĂ€be setzen.»
Doch die warmen Worte können die Wut der BeschĂ€ftigten nicht besĂ€nftigen: DrauĂen protestierten sie nach einem Aufruf der Kabinengewerkschaft Ufo und der Pilotengewerkschaft VC, um ein Zeichen gegen die «Politik der harten Hand» der gröĂten deutschen Airline zu setzen.
Ein Streik folgt auf den anderen
Die Lufthansa und ihre Passagiere werden derzeit von Streiks in Serie erschĂŒttert, am Mittwoch gab es bereits die fĂŒnfte Streikwelle von Piloten und Flugbegleitern. Erneut blieben am Frankfurter Flughafen viele Jets am Boden.Â
Dieses Mal hat die Gewerkschaft Ufo die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter aufgerufen, die Arbeit fĂŒr zwei Tage bis einschlieĂlich Donnerstag niederzulegen. Sie lösen damit nahtlos die Piloten ab, die zuvor fĂŒr zwei Tage den Flugverkehr der Lufthansa weitgehend lahmgelegt und die ReiseplĂ€ne Zehntausender Passagiere durchkreuzt hatten. Und es kommt noch dicker: Am Donnerstag und Freitag wollen die Piloten erneut die Arbeit niederlegen. FĂŒnf Tage Streiks in Folge bei der Lufthansa - das gab es lange nicht mehr.
Aufsichtratschef Karl-Ludwig Kley kritisierte die streikenden Gewerkschaften: «Selbstbezogenheit ersetzt Sozialpartnerschaft.» Er forderte Merz auf, das deutsche Streikrecht zu reformieren. Nach aktuellem Streikrecht und Praxis seien die Arbeitgeber zum Zuschauen verurteilt. Waffengleichheit gehöre der Vergangenheit an.
In dem festgefahrenen Tarifkonflikt geht es um die im Manteltarifvertrag geregelten Arbeitsbedingungen fĂŒr die rund 20.000 Flugbegleiter und einen Sozialplan bei der Regionalgesellschaft Lufthansa Cityline, die vor der SchlieĂung steht. Die VC wiederum kĂ€mpft fĂŒr höhere Betriebsrenten. Der am Dienstagabend von der Pilotengewerkschaft vorgeschlagene Schlichtungsversuch schlug zunĂ€chst fehl.Â
Schlichtungsversuch vorerst gescheitert
Die Lufthansa strebe «offenbar kein faires Schlichtungsverfahren» zur Befriedung der Tarifkonflikte an, kritisierte VC. Sie habe umfassende Forderungen zur Bedingung gemacht. Die Lufthansa erklĂ€rte, dass das Ziel einer Schlichtung ausschlieĂlich die Befriedung sĂ€mtlicher Konflikte sein könne. Dies sei mit der VC nicht zu machen gewesen. Die Airline kĂŒndigte aber an, nochmals auf die Gewerkschaft zugehen zu wollen.Â
Die Pilotengewerkschaft schloss weitere Streiks bereits nicht aus: «Wer ein solches Angebot ausschlĂ€gt und darĂŒber hinaus auch keinerlei verhandlungsfĂ€hige Angebote macht, nimmt zumindest in Kauf, dass sich Tarifauseinandersetzungen weiter zuspitzen, anstatt aktiv an einer Deeskalation mitzuwirken», sagte VC-PrĂ€sident Andreas Pinheiro.
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