Dutzende Hochschulen wollen Plattform X verlassen
10.01.2025 - 17:46:22 | dpa.de(neu: Auch Stadt Bochum verlĂ€sst X, neuer 4. Abs.; Ăberschrift leicht verĂ€ndert.)
DĂSSELDORF/BOCHUM (dpa-AFX) - Zu viel Hass, Desinformation und Manipulation - mehr als 60 Hochschulen und Forschungsinstitute deutschlandweit legen ihre Konten auf der Plattform X still. Die aktuelle Ausrichtung der Plattform sei nicht vereinbar mit den Grundwerten der beteiligten Institutionen wie Weltoffenheit, Transparenz und demokratischer Diskurs, hieĂ es in einer gemeinsamen Pressemitteilung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.
Zeichen "fĂŒr eine faktenbasierte Kommunikation"
Die jĂŒngsten VerĂ€nderungen auf X von der algorithmischen VerstĂ€rkung rechtspopulistischer Inhalte bis zur EinschrĂ€nkung der Reichweite seien fĂŒr die Organisationen unvertretbar. "Die Werte, die Vielfalt, Freiheit und Wissenschaft fördern, sind auf der Plattform nicht mehr gegeben." Der gemeinsame Austritt solle ein Zeichen "fĂŒr eine faktenbasierte Kommunikation und gegen antidemokratische KrĂ€fte" setzen.
Die Pressemitteilung wurde von der Heinrich-Heine-UniversitĂ€t DĂŒsseldorf ĂŒber den Informationsdienst der Wissenschaft veröffentlicht. Es handelt sich explizit nicht um eine Aktion des Bundesverbands der Hochschulen, wie betont wurde. Dieser verhalte sich neutral. Die Entscheidung betreffe ausschlieĂlich die X-Konten, und nicht die Kommunikation ĂŒber andere Social-Media-KanĂ€le.
"SpÀtestens heute ist der richtige Tag zu gehen"
Auch die Stadt Bochum verlĂ€sst die Plattform. Sie teilte mit: "X ist nicht mehr unser Spot. SpĂ€testens heute ist der richtige Tag zu gehen." Auf seiner Plattform X hatte der US-MilliardĂ€r Elon Musk am Donnerstagabend in einer Live-Schalte mit AfD-Chefin Alice Weidel abermals fĂŒr deren RechtsauĂen-Partei geworben. StĂ€dte seien ein wichtiger Teil der Demokratie in Deutschland, schrieb die Stadt zum Abschied auf X. "Eine Plattform, die Demokratie diskreditiert oder sogar als Gesellschaftsform grundsĂ€tzlich in Frage stellt, ist nicht unsere Plattform."
"Unter dem Deckmantel vermeintlicher Meinungsfreiheit"
Der Aktion der Hochschulen hĂ€tten sich bisher 63 Einrichtungen angeschlossen, sagte der Initiator, der Kommunikationschef der UniversitĂ€t DĂŒsseldorf, Achim Zolke, der Deutschen Presse-Agentur. Es kĂ€men immer wieder weitere hinzu.
"In den vergangenen Monaten hat sich die Arbeits- und Funktionsweise der Social-Media-Plattform stark verĂ€ndert", erklĂ€rte die Sprecherin der UniversitĂ€t Potsdam, Silke Engel, den Schritt. Der Algorithmus auf X greife umfassend in die Verteilung von Informationen ein, lenke Diskussionen und verhindere einen freien Austausch, sagte Engel. "AuĂerdem hat - unter dem Deckmantel vermeintlicher Meinungsfreiheit - der Verzicht auf jede Moderation Hass, Desinformation undManipulation TĂŒr und Tor geöffnet."
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