Kommt eine Lösung im Finanzstreit um das D-Ticket?
06.11.2023 - 05:19:48Beim Deutschlandticket hakt es am Geld - mal wieder. Inzwischen nutzen Millionen FahrgĂ€ste das 49-Euro-Abo, das fĂŒr Busse und Bahnen in der gesamten Republik gilt, und zwar ohne komplizierte Tarifzonen und gĂŒnstiger als ĂŒbliche Monatskarten.
Doch so wegweisend das bundesweite Angebot fĂŒr den ansonsten regional aufgestellten Ăffentlichen Personennahverkehr (ĂPNV) ist, stĂ€ndiges Gezerre um die Finanzierung zwischen Bund und LĂ€ndern gehört mit dazu. Die LĂ€nder und Verkehrsbranche machen jetzt nochmals Druck auf die Bundesregierung.
«Wenn der Bund seine Blockadehaltung hinsichtlich der weiteren Finanzierung nicht aufgibt, dann sprechen wir beim Deutschlandticket bald nicht mehr ĂŒber einen historischen Moment, sondern ĂŒber eine verpasste Chance», sagte der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands der Verkehrsunternehmen, Oliver Wolff, der Deutschen Presse-Agentur. Dazu geplante GesprĂ€che zwischen Kanzler Olaf Scholz (SPD) und den MinisterprĂ€sidentinnen und MinisterprĂ€sidenten verzögerten sich aber, da die LĂ€nder zunĂ€chst zu mehreren Themen unter sich berieten.
Worum genau geht es?
Die LĂ€nder verlangen zusĂ€tzliche Garantien aus Berlin, das D-Ticket auch weiterhin bei möglicherweise höheren Kosten abzusichern. Klar ist nach einer Verabredung von Ende 2022, dass Bund und LĂ€nder in diesem und im kommenden Jahr je 1,5 Milliarden Euro zum Ausgleich von EinnahmeausfĂ€llen bei Verkehrsunternehmen durch das gĂŒnstigere Ticket zuschieĂen. Knackpunkt sind aber etwaige Mehrkosten darĂŒber hinaus. Dass Bund und LĂ€nder auch sie je zur HĂ€lfte tragen, ist nur fĂŒr das EinfĂŒhrungsjahr 2023 vereinbart. Die LĂ€nder wollen es auch fĂŒr 2024.
Was wollen die LĂ€nder?
Im Streit um die Zukunft des Deutschlandtickets haben sich die LĂ€nder zu einer Fortsetzung des Angebots bekannt, fordern aber vom Bund ein Signal zur weiteren gemeinsamen Finanzierung. Das Ticket sei ein Erfolgsmodell, und man wolle es weiterfĂŒhren, sagte der Vorsitzende der MinisterprĂ€sidentenkonferenz, Boris Rhein (CDU) aus Hessen, nach Beratungen der LĂ€nder in Berlin. «Aber wir mĂŒssen jetzt ein Zeichen setzen gegenĂŒber den VerkehrsverbĂŒnden.»
Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil (SPD) erlĂ€uterte, dass nach Vorstellung der LĂ€nder - wenn der Bund mitmache - in diesem Jahr nicht verbrauchte Mittel ĂŒbertragen werden könnten. Dies schaffe die Grundlage, dass das Ticket auch im nĂ€chsten Jahr weitergehen könne. «Ob und in welcher Form das Auswirkungen auf die Preisgestaltung haben wird, das mĂŒssen uns die Verkehrsminister sagen.» Am Abend wollen die LĂ€nder mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) darĂŒber beraten.
Was sagt der Bund?
Der Bund verweist auf die schon getroffenen Vereinbarungen und dĂ€mpft die Erwartungen. Man habe «als Geburtshelfer» des Tickets zugesagt, einmalig auch zusĂ€tzliche Kosten zu teilen, machte Regierungssprecher Steffen Hebestreit klar. Unter den haushĂ€lterischen Bedingungen des Bundes halte er es da fĂŒr «nicht ganz unkompliziert», dies nun zu verstetigen. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) weist darauf hin, dass es auch noch gar keine genauen Berechnungen von Mehrkosten gebe. Erst nach dem vollen nĂ€chsten Jahr könne man den Bedarf tatsĂ€chlich beurteilen. Daher sei von Bund und LĂ€ndern auch vorgesehen, erst Ende 2024 ĂŒber die weitere Finanzierung zu reden.
Wie sieht es denn mit den Mehrkosten aus?
Eine Prognose des Verbands der Verkehrsunternehmen dazu gibt es schon. Demnach dĂŒrften die Verluste fĂŒr die Branche in diesem Jahr wegen des Ticketstarts erst im Mai 2,3 Milliarden Euro betragen, fĂŒr das volle Jahr 2024 dann 4,1 Milliarden Euro. Bei zwei Mal drei Milliarden Euro öffentlicher ZuschĂŒsse fĂŒr 2023 und 2024 ergĂ€be sich unter dem Strich also eine FinanzierungslĂŒcke von 400 Millionen Euro.
Gibt es Kompromiss-Signale?
Klar ist, dass die LĂ€nder ihre Vorstellungen auf den Tisch legen wollen, allerdings neben anderen WĂŒnschen insbesondere zur dringenden Finanzierung von FlĂŒchtlingskosten. Niedersachsens MinisterprĂ€sident Stephan Weil (SPD) Ă€uĂerte sich schon optimistisch: «FĂŒr 2024 mĂŒssten wir eine Einigung hinbekommen. Hier wĂŒrde es reichen, die ĂŒbrig gebliebenen Gelder in das nĂ€chste Jahr hinein zu transferieren», sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
FĂŒr die Jahre ab 2025 erwartet Weil auĂerdem ein Signal, die Mehrkosten je zur HĂ€lfte zu teilen. Die GrĂŒnen-Vorsitzende Ricarda Lang rief auch zu Kompromissen auf: «Eine Beendigung dieses Erfolgsprojekts wĂ€re schlicht nicht vermittelbar und wĂŒrde viel Vertrauen kosten. Bund und LĂ€nder sind deshalb gemeinsam gefragt, um eine Lösung fĂŒr die zukĂŒnftige Finanzierung zu finden, jeder muss seinen Beitrag leisten», sagte sie der dpa.
Und was wird jetzt aus dem Ticket?
Aus den LĂ€ndern kamen bereits Warnungen vor einem Aus des Angebots. Ohne ein zĂŒgiges Bekenntnis des Bundes sei die FortfĂŒhrung ab dem Jahr 2024 «ernsthaft gefĂ€hrdet», mahnte die Verkehrsministerkonferenz Ende September. Bus- und Bahnanbieter brĂ€uchten Planungssicherheit, um das Angebot weiterzufĂŒhren. Eine Finanzierungsantwort auf höhere Kosten könnte prinzipiell auch eine Preisanhebung 2024 sein. Denn die 49 Euro im Monat sind ausdrĂŒcklich der «EinfĂŒhrungspreis». PopulĂ€r wĂ€re das aber nicht. Die Verbraucherzentralen warnten schon, eine Anhebung nur ein halbes Jahr nach der EinfĂŒhrung wĂ€re «inakzeptabel».


