Berlin, Verfahren

Berlin: Rund 680 Verfahren zum Nahost-Konflikt

06.04.2024 - 09:56:28

Ein halbes Jahr dauert der Gaza-Krieg nach dem Hamas-Angriff auf Israel an. Bundesweit schoss die Zahl antisemitischer VorfÀlle hoch. Die Zahl ist etwas gesunken. Doch es gibt keine Entwarnung.

Ein halbes Jahr nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel und dessen MilitĂ€roffensive im Gazastreifen ist die Zahl antisemitischer VorfĂ€lle in Deutschland leicht rĂŒcklĂ€ufig, dennoch bleibt der Antisemitismusbeauftragte besorgt.

«Die Zahl der antisemitischen Straftaten, die im vierten Quartal 2023 auf ein Rekordniveau gestiegen war, ist in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres wieder etwas zurĂŒckgegangen», bilanzierte der Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Genaue Zahlen lĂ€gen noch nicht vor. Die Stimmung sei aber immer noch sehr stark gegen Israel eingestellt. Das «Klima der Angst ist immer noch da», betonte Klein.

Die Zahl der antisemitischen Straftaten in Deutschland war nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober drastisch gestiegen. Allein im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt verzeichnete das Bundeskriminalamt (BKA) bis zum 21. Dezember mehr als 1100 Delikte in seinem Melderegister fĂŒr FĂ€lle politisch motivierter KriminalitĂ€t, wie das BKA im Dezember mitgeteilt hatte. Das waren etwa doppelt so viele wie in jedem anderen der ersten drei Quartale dieses Jahres. Zeitgleich war auch die Zahl antimuslimischer VorfĂ€lle gestiegen.

JĂŒdischer Student in Berlin krankenhausreif geschlagen

Es handelte sich bei den VorfĂ€llen gegen Juden vor allem um SachbeschĂ€digungen und Volksverhetzungen. «Zum GlĂŒck ist der Angriff auf den jĂŒdischen Studenten an der Freien UniversitĂ€t Berlin in dieser extremen Form ein Einzelfall geblieben», sagte Klein weiter.

Nach dem Angriff war der 30-jĂ€hrige Lahav Shapira mit KnochenbrĂŒchen im Gesicht ins Krankenhaus gekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen propalĂ€stinensischen Kommilitonen deutscher Staatsangehörigkeit wegen gefĂ€hrlicher Körperverletzung und ordnen den Fall der HasskriminalitĂ€t zu. Wann die Ermittlungen abgeschlossen werden, ist nach Angaben der Behörde unklar.

680 Verfahren in Berlin im Kontext mit dem Gaza-Krieg

In der Hauptstadt hatte es seit dem Terrorangriff auf Israel zahlreiche Kundgebungen und Demonstrationen gegeben, insbesondere propalĂ€stinensische. Dabei kam es vor allem in den ersten Wochen nach den Massakern an Israelis immer wieder zu ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der Polizei oder auch zu GewalttĂ€tigkeiten. Der Berliner Staatsanwaltschaft liegen aktuell rund 680 Verfahren im Kontext mit dem Gaza-Krieg vor.

Davon geht es in etwa 130 FĂ€llen um Straftaten bei Demonstrationen zu dem Nahost-Konflikt, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage mitteilte. In 209 FĂ€llen seien die Namen der Beschuldigten bekannt. Anklage erhoben hat die Staatsanwaltschaft bislang nach eigenen Angaben achtmal. In 16 FĂ€llen soll es durch einen Strafbefehl zur Verurteilung kommen, also ohne mĂŒndliche Verhandlung vor Gericht.

Die Verurteilung eines 25-JĂ€hrigen, der sich im Oktober 2023 im Rahmen einer Demonstration an Ausschreitungen beteiligt war, ist laut Staatsanwaltschaft unterdessen rechtskrĂ€ftig. Das Amtsgericht Tiergarten hatte im vergangenen November gegen ihn wegen schweren Landfriedensbruchs eine BewĂ€hrungsstrafe von acht Monaten verhĂ€ngt. Es war der erste Prozess in Berlin nach ZusammenstĂ¶ĂŸen von Demonstranten mit der Polizei bei Protesten im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg.

@ dpa.de