Brokstedt, Messerattacke

Prozess wegen tödlicher Messerattacke in Zug bei Brokstedt

07.07.2023 - 05:06:10

Ein junges Paar stirbt bei einer Messerattacke in einem Zug bei Brokstedt, die Tat sorgt bundesweit fĂŒr Entsetzen. Jetzt beginnt der wahrscheinlich langwierige Prozess wegen Mordes und versuchten Mordes.

Der 34 Jahre alte PalĂ€stinenser Ibrahim A. muss sich ab heute fĂŒr die tödliche Messerattacke in einem Regionalzug im schleswig-holsteinischen Brokstedt vor dem Landgericht Itzehoe verantworten. In dem am Vormittag beginnenden Prozess wirft ihm die Staatsanwaltschaft Mord in zwei FĂ€llen und versuchten Mord in vier FĂ€llen vor. Er soll am 25. Januar nahe dem Bahnhof von Brokstedt eine 17-JĂ€hrige und ihren zwei Jahre Ă€lterer Freund erstochen haben. Zwei weitere Frauen und zwei MĂ€nner erlitten schwere Verletzungen.

Nach Überzeugung der Anklagebehörde handelte Ibrahim A. aus niedrigen BeweggrĂŒnden und in HeimtĂŒcke. Eine bei dem tödlichen Messerangriff verletzte Frau nahm sich spĂ€ter das Leben. FĂŒr den Prozess sind rund 40 Verhandlungstage bis kurz vor Weihnachten geplant. Acht NebenklĂ€ger treten in dem Verfahren auf, es wurden 127 Zeugen benannt.

Angeklagter in Untersuchungshaft

Ob alle Zeugen vom Gericht gehört werden, werde die Beweisaufnahme zeigen, sagte die Sprecherin des Landgerichts, Frederike Milhoffer. Die Beweisaufnahme soll am 17. Juli beginnen. FĂŒr den ersten Verhandlungstag ist zunĂ€chst die Verlesung der Anklageschrift geplant. Möglicherweise folgt noch eine ErklĂ€rung der Verteidigung oder des Angeklagten.

Verteidiger Björn Seelbach Ă€ußerte sich vorab nicht zu dem Prozess. Zu einem frĂŒheren Zeitpunkt hatte er gesagt, sein Mandant bestreite die Tat nicht. Nach Milhoffers Angaben wird die SchuldfĂ€higkeit des Angeklagten, der bereits kriminell in Erscheinung getreten war, mit Hilfe eines SachverstĂ€ndigen geprĂŒft. Derzeit sitzt der Angeklagte in Untersuchungshaft. Dort fiel er mehrfach wegen aggressiven Verhaltens auf und gilt als schwieriger Gefangener.

«Die Tathandlungen des Angeschuldigten, der das Messer zuvor in einem Supermarkt entwendet haben soll, resultierten aus Sicht der Anklage aus VerĂ€rgerung ĂŒber seine aus vielen GrĂŒnden ungeklĂ€rte persönliche Situation», hatte Oberstaatsanwalt Peter MĂŒller-Rakow nach VerkĂŒndung der Anklage erklĂ€rt. «Wir gehen von SchuldfĂ€higkeit aus», sagte der Jurist vor Prozessbeginn.

Schon wegen anderer Straftat festgenommen

Der Mann war erst wenige Tage vor der tödlichen Messerattacke aus einer Untersuchungshaft entlassen worden, die er in Hamburg wegen einer anderen Straftat abgesessen hatte. WÀhrend dieser Zeit hatte er sich wegen psychischer AuffÀlligkeiten 16 Mal mit einem Psychiater getroffen.

Der Fall Ibrahim A. beschĂ€ftigte auch mehrere Landesparlamente, weil es MĂ€ngel beim Austausch von wichtigen Informationen zwischen Behörden in Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen gegeben hatte, wo Ibrahim A. jeweils lebte und auch Straftaten beging. Wenige Monate vor seiner Entlassung aus dem Hamburger GefĂ€ngnis soll sich der mutmaßliche Mörder mit dem AttentĂ€ter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, verglichen haben.

@ dpa.de