Geplanter Anschlag auf Botschaft - HaftprĂŒfung in Karlsruhe
20.10.2024 - 01:03:37Nach der Festnahme eines mutmaĂlichen UnterstĂŒtzers der Terrororganisation IS wegen eines geplanten Anschlags auf die israelische Botschaft in Berlin soll der VerdĂ€chtige heute einem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof (BGH) vorgefĂŒhrt werden. Wann genau der Libyer nach Karlsruhe kommt, war zunĂ€chst unklar. Der Ermittlungsrichter muss klĂ€ren, ob der Mann in Untersuchungshaft kommt. Der Vorwurf der Bundesanwaltschaft lautet UnterstĂŒtzung einer auslĂ€ndischen terroristischen Vereinigung.
Die Botschaft bestĂ€tigte, dass es einen Plan fĂŒr einen Anschlag auf die diplomatische Vertretung gegeben habe. Zuerst hatte die «Bild»-Zeitung ĂŒber die Festnahme eines 28-JĂ€hrigen am Samstag in Bernau bei Berlin am nördlichen Rand der Hauptstadt berichtet. Wie eng seine Verbindungen zum Islamischen Staat (IS) waren, ist - zumindest öffentlich - nicht bekannt.Â
Durchsuchungen auch in NRW
Die Wohnung des Beschuldigten in Bernau wurde durchsucht, wie ein Sprecher der Bundesanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur sagte. Im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen hĂ€tten EinsatzkrĂ€fte zudem eine Wohnung einer nicht tatverdĂ€chtigen Person durchsucht. Der «Bild» sagte der Sprecher, in Sankt Augustin bei Bonn seien nur Zeugen befragt und mögliche Beweise gesichert worden.Â
Nach «Bild»-Informationen waren die deutschen Behörden dem Mann durch einen konkreten Hinweis auslĂ€ndischer Nachrichtendienste auf die Spur gekommen. Ziel der AnschlagsplĂ€ne sei die israelische Botschaft in Berlin gewesen. Ob bei dem Angriff Waffen oder Sprengstoff zum Einsatz kommen sollten, sei noch unklar, schrieb die «Bild». Es habe Hinweise gegeben, dass der TatverdĂ€chtige nach dem Anschlag zu einem Verwandten nach Sankt Augustin flĂŒchten und sich danach ins Ausland absetzen wollte. Dieser Verwandte gelte derzeit nicht als Beschuldigter, sondern als Zeuge.
Dank des israelischen Botschafters
Israels Botschafter Ron Prosor dankte den deutschen Sicherheitsbehörden, «dass sie die Sicherheit unserer Botschaft gewĂ€hrleisten». «Der muslimische Antisemitismus beschrĂ€nkt sich nicht auf hasserfĂŒllte Rhetorik, sondern fördert den weltweiten Terrorismus», teilte Prosor der dpa mit. «Die Mitarbeiter der israelischen Botschaft sind besonders gefĂ€hrdet, weil sie an vorderster Front der Diplomatie stehen.»
Der Staat Israel hatte das GrundstĂŒck samt einer Villa in der Auguste-Viktoria-StraĂe im SĂŒdwesten Berlins 1998 erworben. Die Botschaft und die Residenz des Botschafters wurden am 9. Mai 2001, dem 53. UnabhĂ€ngigkeitstag des Staates Israel, in Anwesenheit des damaligen AuĂenministers und spĂ€teren StaatsprĂ€sidenten Schimon Peres eingeweiht.
Reul: «Wir sind euch auf der Spur!»
Nach dem Terrorangriff islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 war auch in Deutschland eine starke Zunahme antisemitischer VorfĂ€lle registriert worden. «Die Hemmschwelle, zu Gewalt gegen Juden aufzurufen und auch auszuĂŒben, sinkt», sagte der PrĂ€sident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, der dpa Anfang Oktober.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte der «Bild» am Samstagabend, die Sicherheit jĂŒdischer Einrichtungen habe oberste PrioritĂ€t. «Dieser Zugriff heute war ein Erfolg â aber gleichzeitig auch eine Warnung an die Personen, die jĂŒdisches Leben in Deutschland bedrohen wollen: Wir sind euch auf der Spur!»
Die Bundesanwaltschaft ist unter anderem fĂŒr Taten des islamistisch motivierten Terrorismus zustĂ€ndig. Generalbundesanwalt Jens Rommel machte diesen bei der Jahresbilanz seiner Behörde als eine der Hauptgefahren fĂŒr Deutschland aus. Von mehr als 700 im vergangenen Jahr eingeleiteten Ermittlungsverfahren aus dem Bereich Terrorismus und Staatsschutz betrafen Rommel zufolge knapp 500 den islamistischen Terrorismus.





