Radikalisierung, Jugendzimmer

Radikalisierung im Jugendzimmer - TerrorverdÀchtiger in Haft

12.11.2024 - 15:01:11

Ein TerrorverdÀchtiger aus Elmshorn plante nach Erkenntnissen der Ermittler einen Anschlag. Der 17-JÀhrige habe sich erheblich radikalisiert. Das weckt Erinnerungen an Àhnliche FÀlle.

  • Ein junger mutmaßlich islamistischer Angreifer wurde festgenommen und womöglich Schlimmes verhindert. - Foto: Marcus Brandt/dpa

    Marcus Brandt/dpa

  •  Details zu dem 17-JĂ€hrigen werden wegen dessen sehr jungen Alters nicht bekanntgegeben. - Foto: Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

    Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

Ein junger mutmaßlich islamistischer Angreifer wurde festgenommen und womöglich Schlimmes verhindert. - Foto: Marcus Brandt/dpa Details zu dem 17-JĂ€hrigen werden wegen dessen sehr jungen Alters nicht bekanntgegeben. - Foto: Birgitta von Gyldenfeldt/dpa

Es ist eine klassischen Mehrfamlienhaussiedlung, wie es sie so in vielen deutschen StĂ€dten gibt. Die Balkone sind mal beige, mal grĂŒn, mal rot angestrichen. Zwischen den einzelnen Blöcken viel GrĂŒn. Jetzt, im November, liegt Laub von den umstehenden BĂ€umen auf den RasenflĂ€chen. Immer wieder lassen sich an diesem Vormittag Passanten auf der Straße blicken, grĂŒĂŸen sich. Einige gehen mit ihren Hunden spazieren. Nichts deutet darauf hin, dass Ermittler hier, am Stadtrand von Elmshorn, vor wenigen Tagen einen erst 17 Jahre alten mutmaßlichen islamistischen Angreifer festgenommen und womöglich Schlimmes verhindert haben. 

Seit MĂ€rz ermittelte die Flensburger Staatsanwaltschaft gegen den 17-JĂ€hrigen, dessen Familie in einem der HĂ€user in einer Wohnung im ersten Stock lebt. Er wurde in der vergangenen Woche festgenommen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sieht das Gesetz fĂŒr den Beschuldigten im Falle einer Verurteilung die Anwendung von Jugendstrafrecht vor.

Islamistische Einstellung fĂŒhrt zu «hinreichend konkreten» AnschlagsplĂ€nen

Im Zuge der umfangreichen Ermittlungen sei eine erhebliche Radikalisierung des Beschuldigten festgestellt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Flensburg mit. Dessen islamistisch extremistische Einstellung sei zuletzt in hinreichend konkreten AnschlagsplĂ€nen gemĂŒndet.

Bei dem Jugendlichen handelt es sich um einen «in Deutschland geborenen deutschen StaatsbĂŒrger mit auslĂ€ndischen Wurzeln», wie der Sprecher der Behörde, Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt, sagte. Weitere Details zu dem VerdĂ€chtigen, etwa zur Familie, nannte er mit Blick auf dessen noch sehr junges Alter nicht. Ihm wird die Vorbereitung einer schweren
staatsgefÀhrdenden Gewalttat und die Verabredung zum Mord vorgeworfen. 

Die Ermittlungseinleitung sei ĂŒber das Bundeskriminalamt und dann das Landeskriminalamt erfolgt. Im konkreten Fall hĂ€tten die Ermittlungsbehörden einen Hinweis bekommen, hĂ€tten den 17-JĂ€hrigen aber auch selbst beobachtet, sagte Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine SĂŒtterlin-Waack SĂŒtterlin-Waack (CDU) in Kiel. «Wir sind gelegentlich abhĂ€ngig von auslĂ€ndischen Diensten.» 

Medienberichten zufolge wurde Kommunikation abgehört. «In diese Richtung laufen natĂŒrlich die Ermittlungen», sagte Winterfeldt. Dass eine Kommunikation stattgefunden habe, könne er bestĂ€tigen. Nun gehe es darum, Personen zu identifizieren. «Was sich vielleicht nicht ganz einfach gestaltet, wenn die sich im Ausland aufhalten.»

Wo der TatverdĂ€chtige zuschlagen wollte, ist aktuell nicht bekannt. «Was sich im Moment sicher sagen lĂ€sst, ist das eine grĂ¶ĂŸere Menschenmenge als Ziel in Aussicht genommen worden war. Weitere Sachen waren noch nicht festgelegt», sagte Winterfeldt. 

SĂŒtterlin-Waack betontet, dass ein Weihnachtsmarkt laut aktuellem Ermittlungsstand nicht das Ziel war. «Wir haben keine Erkenntnisse, dass es sich um einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt handelt.» 

Die SPD im schleswig-holsteinischen Landtag hat fĂŒr die Sitzung des Innenausschusses am Mittwoch einen Bericht der Landesregierung beantragt.

Erinnerungen an den Anschlag auf den Breitscheidplatz werden wach

Nach dpa-Informationen von Montag wollte der 17-JĂ€hrige fĂŒr seinen Anschlag einen Lkw nutzen. Dass der Jugendliche einen Anschlag mit einem Lkw geplant haben soll, erinnert an den Anschlag am 19. Dezember 2016 auf dem Breitscheidplatz in Berlin. Damals hatte ein islamistischer Terrorist einen Lastwagen entfĂŒhrt und war in einen Weihnachtsmarkt an der GedĂ€chtniskirche gefahren. Durch die Tat starben insgesamt 13 Menschen, einer von ihnen Jahre spĂ€ter an den Folgen. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt, manche von ihnen schwer. Der AttentĂ€ter floh nach Italien, wo er von der Polizei erschossen wurde.

Sehr junge TÀter machen Behörden Sorgen

Der Verfassungsschutz schĂ€tzte das islamistische Personenpotenzial im vergangenen Jahr auf 27.200 Personen, wobei nur ein Teil von ihnen als gewaltbereit gilt. Besonders große Sorgen machen den Behörden sehr junge TĂ€ter, bei denen der Prozess der Radikalisierung oft besonders schnell verlĂ€uft. Ein Beispiel dafĂŒr ist der Fall von zwei Jugendlichen, die im Herbst 2023 geplant haben sollen, mit einem Lastwagen einen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt im nordrhein-westfĂ€lischen Leverkusen zu verĂŒben. Die beiden waren damals 15 und 17 Jahre alt.

@ dpa.de