Millionenbeute, Mordversuch

Millionenbeute und Mordversuch – Was Klette vorgeworfen wird

24.03.2025 - 05:30:37

Eine ehemalige RAF-Terroristin soll mit ihren Komplizen Millionen erbeutet und einen Mordversuch begangen haben. Nun beginnt der Prozess gegen Daniela Klette. Welche Taten werden ihr vorgeworfen?

Die Staatsanwaltschaft Verden wirft der ehemaligen RAF-Terroristin Daniela Klette versuchten Mord sowie versuchten und vollendeten schweren Raub vor. Außerdem legen die Ermittler der 66-JĂ€hrigen VerstĂ¶ĂŸe gegen das Waffengesetz und Kriegswaffenkontrollgesetz zur Last. Klette wurde in Berlin festgenommen, ihre mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub sind weiter auf der Flucht. 

Das Trio soll zwischen 1999 und 2016 Geldtransporter und SupermĂ€rkte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ĂŒberfallen haben, um ihr Leben im Untergrund zu finanzieren. Dabei soll die Bande mehr als 2,7 Millionen Euro erbeutet haben. Eine Übersicht ĂŒber die Taten, die dem Trio vorgeworfen werden:

30. Juli 1999 in Duisburg, Nordrhein-Westfalen

Auf dem Parkplatz eines Großhandelsmarktes in Duisburg rammen maskierte TĂ€ter mit ihrem Wagen einen Geldtransporter. Sie bedrohen die beiden Wachleute mit einer Panzerfaust, einer Maschinenpistole und einem Sturmgewehr. Die Maskierten laden Geldkisten aus dem Transporter in einen anderen Wagen und fliehen unerkannt. Sie erbeuten eine Million Mark, der Schaden wird von den Ermittlern spĂ€ter mit rund 519.000 Euro angegeben. 

2. November 2004 in Leverkusen, Nordrhein-Westfalen

Als eine Kassiererin in den Tresorraum eines Großmarktes gehen will, wird sie von zwei MĂ€nnern in den Raum geschubst. Die TĂ€ter bedrohen sie und zwei weitere Angestellte in dem Raum mit Schusswaffen und zwingen sie, einen Tresor zu öffnen. Die RĂ€uber nehmen Bargeld aus dem Tresor und fliehen mit einem Auto, das von Klette gefahren worden sein soll. Sie erbeuten laut Staatsanwaltschaft etwa 160.000 Euro. 

27. Dezember 2006 in Bochum, Nordrhein-Westfalen

Mit Schusswaffen zwingen zwei MÀnner im Tresorraum eines Supermarktes zwei Kassiererinnen, sich auf den Boden zu legen. Dann packen die TÀter die offen vor einer GeldzÀhlmaschine abgelegten Einnahmen aus dem WeihnachtsgeschÀft ein. Sie fliehen mit ihrer Beute durch einen Notausgang. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um 160.000 Euro.

14. April 2009 in Löhne, Nordrhein-Westfalen

Bei einem Überfall auf ein GeschĂ€ft in Löhne in Nordrhein-Westfalen erbeuten TĂ€ter den Ermittlungen zufolge etwa 177.000 Euro. Jahre spĂ€ter teilt das niedersĂ€chsische Landeskriminalamt mit, dass DNA-Spuren zu den gesuchten Ex-Terroristen Staub, Garweg und Klette fĂŒhren.

30. September 2011 in Celle, Niedersachsen 

Zwei maskierte TĂ€ter bedrohen bei einem Überfall auf einen Supermarkt in Celle eine Mitarbeiterin mit einer Schusswaffe und einem Elektroschocker und zwingen sie, einen Tresor zu öffnen. Auf der Flucht aus dem GeschĂ€ft bedrohen sie weitere BeschĂ€ftigte, dann entkommen sie mit einem Auto. Die Staatsanwaltschaft beziffert die Höhe der Beute mit 69.000 Euro. 

24. Dezember 2012 in Stade, Niedersachsen 

An Heiligabend ĂŒberfallen zwei TĂ€ter einen Supermarkt in Stade. Sie dringen in das KassenbĂŒro ein, ĂŒberwĂ€ltigen drei Angestellte und fordern Bargeld. Mit ihrer Beute laufen sie zu einem Wagen und fliehen. SpĂ€ter wird das Fluchtfahrzeug brennend in einem WaldstĂŒck entdeckt. Laut Staatsanwaltschaft erbeuten die TĂ€ter rund 136.000 Euro. 

23. August 2014 in Elmshorn, Schleswig-Holstein

Bei einem bewaffneten Überfall auf einen Supermarkt erbeuten TĂ€ter den Ermittlungen zufolge rund 46.000 Euro. Ein vermummter und bewaffneter Mann drĂ€ngt eine Angestellte des Marktes beim Aufschließen des BĂŒros hinein, ein weiterer TĂ€ter kommt dazu. Die beiden bedrohen die Frau und einen weiteren Angestellten. Sie zwingen die Angestellte, Bargeld aus dem Tresor zu holen. Nach dem Überfall entkommen die TĂ€ter in einem Auto. 

2. Januar 2015 in OsnabrĂŒck, Niedersachsen 

Zwei mĂ€nnliche TĂ€ter ĂŒberfallen einen Supermarkt in OsnabrĂŒck. Sie halten sich zunĂ€chst mit einem Einkaufswagen im Bereich der Tierhandlung auf und bedrohen dann zwei Angestellte in einem BĂŒro. Die MĂ€nner sind nach Angaben der Polizei mit TĂŒchern oder Schals maskiert. Den Ermittlungen zufolge erbeuten sie rund 60.000 Euro. Die TĂ€ter können unerkannt fliehen.

6. Juni 2015 in Stuhr, Niedersachsen

Auf dem Parkplatz eines Supermarktes in der Gemeinde Stuhr nahe Bremen ĂŒberfallen drei Maskierte einen Geldtransporter, der rund eine Million Euro geladen hat. Ein TĂ€ter schießt mit einem Schnellfeuergewehr dreimal auf das Fahrzeug. Erfolglos versuchen die Vermummten, die TĂŒren des Transporters zu öffnen. Dann flĂŒchten sie ohne Beute in einem Fahrzeug. Den Ermittlungen zufolge haben sie Gewehre und eine Panzerfaust dabei. Der Fahrer und der Beifahrer des Geldtransporters erleiden einen Schock. Sichergestellte DNA-Spuren werden spĂ€ter Klette, Staub und Garweg zugeordnet. Die Staatsanwaltschaft wertet die Tat als versuchten Mord.

19. Oktober 2015 in Northeim, Niedersachsen 

Zwei vermummte TĂ€ter ĂŒberfallen einen Einkaufsmarkt. Sie drĂŒcken dem Geldboten eines Sicherheitsdienstes einen harten Gegenstand in den RĂŒcken, als dieser beim KassenbĂŒro klingelt. Als sich die TĂŒr öffnet, drĂ€ngen sie den Mann ins BĂŒro und nehmen ihm seine Dienstwaffe ab. Unter Vorhalt einer Schusswaffe zwingen die RĂ€uber die Mitarbeiterin des KassenbĂŒros, den Tresor zu öffnen und das darin liegende Geld in eine mitgebrachte Sporttasche zu legen. Den Ermittlungen zufolge erbeuten sie rund 50.000 Euro. Die MĂ€nner fliehen durch einen Notausgang und entkommen mit einem Auto. Das mutmaßliche Fluchtauto wird ausgebrannt gefunden.

28. Dezember 2015 in Wolfsburg, Niedersachsen

Drei Menschen versuchen einen Geldtransporter zu ĂŒberfallen. Ein TĂ€ter bedroht den Beifahrer, als dieser außerhalb des Fahrzeugs ist. Die beiden anderen widmen sich dem Fahrer im Fahrzeug. Doch dieser nutzt einen unbeobachteten Augenblick und rast mit dem Wagen davon. Die TĂ€ter brechen daraufhin ihr Vorhaben ab und fliehen. Nach Zeugenaussagen sind sie mit einem Schnellfeuergewehr und einer Panzerfaust bewaffnet. Eine Fahndung mit Streifenwagen und Hubschrauber bleibt ohne Erfolg. DNA-Spuren fĂŒhren spĂ€ter zu Klette, Staub und Garweg. Die Staatsanwaltschaft gibt die Beute dieser Tat mit 200 Euro an, weil die TĂ€ter eine Waffe stahlen. 

7. Mai 2016 in Hildesheim, Niedersachsen 

Zwei maskierte und bewaffnete TĂ€ter folgten dem Mitarbeiter eines Geldtransportunternehmens ins KassenbĂŒro eines Supermarktes. Weil das abzuholende Geld noch im Tresor und der zustĂ€ndige Mitarbeiter mit dem TresorschlĂŒssel noch nicht im KassenbĂŒro ist, scheitert der RaubĂŒberfall. Allerdings nehmen die RĂ€uber dem Mitarbeiter des Geldtransportunternehmens die Waffe ab, den Wert beziffert die Staatsanwaltschaft mit rund 200 Euro. Die TĂ€ter fliehen ĂŒber einen Notausgang und steigen in ein wartendes Auto, in dem eine dritte Person sitzt.

25. Juni 2016 in Cremlingen, Niedersachsen 

Mit einer Panzerfaust und einem Automatikgewehr bewaffnet ĂŒberfallen zwei MĂ€nner und eine Frau einen Geldtransporter in Cremlingen bei Braunschweig. Nachdem der Beifahrer ausgestiegen ist, um die Tageseinnahmen eines GeschĂ€fts abzuholen, wird der Transporter von zwei Autos eingekeilt. Zwei Maskierte bedrohen den Fahrer, es wird gegen den Wagen und in die Luft geschossen. Den Ermittlungen zufolge fordert ein dritter TĂ€ter Geld im GeschĂ€ft und schießt dort in die Decke. Die Staatsanwaltschaft gibt die Beute mit knapp 1,4 Millionen Euro an.

@ dpa.de