Freie WĂ€hler, Bayern

Charlotte Knobloch lehnt Aiwanger-Entschuldigung ab

04.09.2023 - 11:17:20

Eine Entschuldigung weist Charlotte Knobloch zwar zurĂŒck. Doch den Bayrischen Wirtschaftsminister nach der Flugblatt-AffĂ€re zu schassen, hĂ€tte nach ihrer Meinung katastrophalen Schaden angerichtet.

Charlotte Knobloch, PrĂ€sidentin der Israelitischen Kultusgemeinde MĂŒnchen und Oberbayern, hat nach eigenen Worten eine Entschuldigung Hubert Aiwangers abgelehnt. Im Deutschlandfunk sagte sie am Montag, der Freie-WĂ€hler-Vorsitzende habe sich bei ihr gemeldet. «Ich habe ihm meine Meinung zu ihm, zu seiner Person ganz klar erklĂ€rt. Ich habe die Entschuldigung nicht angenommen.» Knobloch sagte aber auch, dass sie die Entscheidung von MinisterprĂ€sident Markus Söder (CSU), Aiwanger im Amt zu belassen, akzeptiere.

Es seien «entsetzliche Worte», die im Raum stĂŒnden, sagte sie zu den VorwĂŒrfen rund um ein antisemitisches Flugblatt aus Aiwangers Schulzeit. «Dass das einer Katastrophe gleicht fĂŒr einen Menschen, der so viel Verantwortung hat wie ein VizeprĂ€sident eines Bundeslandes. Das ist normalerweise nicht zu akzeptieren.» Söder habe politisch entschieden, «und zwar mit Abscheu». Insofern stehe sie hinter dem MinisterprĂ€sidenten.

Aiwanger hĂ€tte eine Entlassung im Wahlkampf ausgenĂŒtzt und hĂ€tte damit wohl auch Erfolg gehabt, sagte sie. «Und das wĂ€re die noch grĂ¶ĂŸere Katastrophe gewesen.» Mit Blick auf die Gegenwart und die Zukunft habe Söder richtig entschieden. «Aiwanger ist Aiwanger und wir werden ihn nicht erziehen und wir werden ihn auch nicht verĂ€ndern.»

Schuster: Entscheidung nachvollziehbar

Der PrĂ€sident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, bezeichnete das Festhalten am bayerischen Vize-Regierungschef trotz der AffĂ€re als insgesamt nachvollziehbar. «In der Gesamtbetrachtung ist die Entscheidung des MinisterprĂ€sidenten fĂŒr mich nachvollziehbar», sagte Schuster am Montag laut Mitteilung. Der Umgang Aiwangers mit den VorwĂŒrfen bleibe irritierend. «Immer wieder betonte er eine politische Kampagne gegen ihn als Person und konnte sich erst spĂ€t zu einer Entschuldigung durchringen. Ich vermisse bisher bei Hubert Aiwanger eine wirkliche innere Auseinandersetzung mit den VorwĂŒrfen und seinem Verhalten zur Schulzeit.»

Söder hatte am Sonntag verkĂŒndet, Aiwanger trotz der Flugblatt-AffĂ€re im Amt zu belassen und die Koalition mit den Freien WĂ€hlern auch nach der Landtagswahl am 8. Oktober fortsetzen zu wollen. DafĂŒr gab es viel Kritik aus der Landes- und Bundespolitik. So wurde Söder unter anderem vorgeworfen, angesichts der bevorstehenden Wahl aus «politischem KalkĂŒl» agiert zu haben.

@ dpa.de