Deutschland, Israel

Deutschland prĂŒft Hilfe fĂŒr PalĂ€stinenser im Westjordanland

19.09.2025 - 12:07:34

Eine Soforthilfe von 30 Millionen Euro soll GehĂ€lter von Ärzten und Lehrerinnen im Westjordanland sichern. Die Entscheidung darĂŒber ist in der Koalition aber noch nicht gefallen.

Um fĂŒr die PalĂ€stinensische Autonomiebehörde den Ausfall der von Israel blockierten Steuereinnahmen teilweise zu kompensieren, schlĂ€gt Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan eine deutsche Soforthilfe in Höhe von 30 Millionen Euro vor. Das Geld solle nach ihren Vorstellungen ĂŒber einen Mechanismus der EU ausgezahlt und fĂŒr die Zahlung von GehĂ€ltern im Gesundheits- und Bildungsbereich im Westjordanland eingesetzt werden, hieß es aus Koalitionskreisen. 

EndgĂŒltig entschieden ist darĂŒber aber den Angaben zufolge bisher nicht. Vielmehr hieß es aus Kreisen der schwarz-roten Koalition, das Entwicklungsministerium stehe dazu in enger Abstimmung mit dem Bundeskanzleramt, dem AuswĂ€rtigen Amt und dem Bundesfinanzministerium. Die Autonomiebehörde befinde sich in einer «akuten finanziellen Notlage», sagte eine Sprecherin des Entwicklungsministeriums. Die geplante Hilfe könne aus dem Etat des Ministeriums bereitgestellt werden.

«Wir sehen aktuell noch KlĂ€rungsbedarf, was diese Mittel betrifft. HumanitĂ€re Hilfe ist wichtig, aber es muss klar sein, in welche konkreten Projekte die Gelder fließen, und zwar bevor diese Mittel bewilligt werden. Projekte, die Israels Sicherheit gefĂ€hrden, mĂŒssen klar ausgeschlossen sein», sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann der «Bild». Der stellvertretende Regierungssprecher, Sebastian Hille, sagte: «Wir warten jetzt ab, was da im Bundestag lĂ€uft.»

Nach GesprÀch im Westjordanland

Alabali Radovan (SPD) hatte Israel Ende August wĂ€hrend einer Nahost-Reise mit Nachdruck aufgefordert, zurĂŒckgehaltene Steuergelder an die Autonomiebehörde auszuzahlen. Die Regierung von PrĂ€sident Mahmud Abbas in Ramallah stehe unter einem beispiellosen politischen und finanziellen Druck, sagte die Ministerin damals. Ein Kollaps der Autonomiebehörde wĂŒrde im Westjordanland Raum fĂŒr weitere InstabilitĂ€t öffnen, warnte sie. 

Experten befĂŒrchten, dass die islamistische Hamas aus einer solchen Situation politisches Kapital schlagen könnte. Deutschland werde angesichts der Lage zusĂ€tzliche Hilfen fĂŒr den Haushalt der Autonomiebehörde prĂŒfen und ĂŒber zusĂ€tzliche Hilfen auch innerhalb der EU beraten, kĂŒndigte die SPD-Politikerin damals an.

Steuer-Vereinbarung stammt aus der Zeit des Friedensprozesses

Im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses in den 1990er Jahren war vereinbart worden, dass Israel Steuern und Zölle im besetzten Westjordanland und im Gazastreifen erhebt und diese an die Autonomiebehörde weiterleitet. 

Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte die israelische Regierung bereits bei einem Besuch Anfang August aufgefordert, die seit Mai komplett blockierten Steuergelder, die den PalĂ€stinensern rechtmĂ€ĂŸig zustehen, weiterzugeben. Die EuropĂ€ische Union knĂŒpft ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr die Autonomiebehörde ĂŒber den sogenannten Pegase-Mechanismus an Reformen und sieht Regeln fĂŒr die Kontrolle der Verwendung der Gelder vor.

@ dpa.de