Linnemann macht's nun doch
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 18:58 Uhr | dpa.de
Seine erste Chance, in die Bundesregierung zu wechseln, lieĂ Carsten Linnemann im vergangenen Jahr ungenutzt. «Wir haben in den letzten drei Jahren hart daran gearbeitet, unsere CDU wieder aufzubauen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Ich will ihn fortsetzen», sagte der CDU-GeneralsekretĂ€r knapp zwei Monate nach der Bundestagswahl zur BegrĂŒndung. Das zweite Angebot von Bundeskanzler Friedrich Merz hat er nun offenbar angenommen. Er soll Nina Warken Medienberichten zufolge an der Spitze des Gesundheitsministeriums ablösen, die ins Kanzleramt wechselt. Eine offizielle BestĂ€tigung gab es allerdings zunĂ€chst nicht.
Linnemann war schon vor der Wahl als Minister eines Superministeriums fĂŒr Wirtschaft, Arbeit und Soziales im GesprĂ€ch. Zu der Fusion der beiden wichtigen Ministerien kam es aber nicht. Linnemann hĂ€tte trotzdem ins Kabinett wechseln können, entschied sich aber fĂŒr die Parteizentrale.
Dort hatte er in den ersten knapp 15 Monaten der schwarz-roten Koalition allerdings keinen leichten Stand. Im Schatten von Parteichef und Kanzler Friedrich Merz konnte er sich nicht so richtig entfalten. FĂŒr die sinkenden Umfragewerte der Union ist zwar eher die Bundesregierung verantwortlich. Sie bleiben aber auch an ihm als Parteimanager hĂ€ngen. Die AfD hat die Union inzwischen in den bundesweiten Umfragen weit abgehĂ€ngt. WĂ€re Linnemann GeneralsekretĂ€r geblieben, hĂ€tte er bei krachenden Niederlagen der CDU bei den Landtagswahlen im September um seinen Posten bangen mĂŒssen.Â
VizeprÀsident des SC Paderborn und Skatspieler
«Einfach mal machen» gilt als Losung des 48-jĂ€hrigen aus Paderborn, der auch VizeprĂ€sident seines gerade in die erste FuĂball-Bundesliga aufgestiegenen Heimatvereins SC Paderborn ist. Der aus einer BuchhĂ€ndlerfamilie stammende Ostwestfale hat ein lockeres Mundwerk und gilt als bodenstĂ€ndig. Offizielle EmpfĂ€nge und Feste sind nichts fĂŒr ihn. Lieber hochgekrempelte Ărmel statt Smoking. Lieber Skat in der Stammkneipe als Bundespresseball. In seinem BĂŒro im Konrad-Adenauer-Haus steht ein TischfuĂballspiel.Â
Linnemann hat Betriebswirtschaftslehre studiert und gehört seit 17 Jahren dem Bundestag an. Er war zwischenzeitlich Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsunion und wurde im Juli 2023 von Merz als GeneralsekretĂ€r in die Parteizentrale geholt.Â
Kernige Aussagen zur Gesundheitspolitik
Der Experte fĂŒr Wirtschaft und Soziales hat sich auch als GeneralsekretĂ€r schon mit kernigen Aussagen zur Gesundheitspolitik hervorgetan. Zum Beispiel mit seiner Forderung nach einer drastischen Reduzierung der 90 gesetzlichen Krankenkassen. «Riesen Verwaltungsvolumen, da mĂŒssen wir ran», sagte er. «Ich finde, zehn Krankenkassen in Deutschland reichen.» Ob er das als Gesundheitsminister auch noch so fordern wird?
