Cum-Ex-Urteil erwartet: Hanno Berger droht lange Haftstrafe
30.05.2023 - 04:38:57Es geht um den Vorwurf der schweren Steuerhinterziehung, komplexe AktiengeschĂ€fte im Milliardenvolumen und einen groĂen finanziellen Schaden fĂŒr den Fiskus: Im Skandal um Cum-Ex-Aktiendeals wird heute am Landgericht Wiesbaden ein Urteil gegen die SchlĂŒsselfigur Hanno Berger erwartet.
Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wirft ihm vor, von 2006 bis 2008 bei komplexen Cum-Ex-Aktiendeals mitgewirkt zu haben, die zu unberechtigten SteuerrĂŒckerstattungen von 113 Millionen Euro fĂŒhrten. Bei den von Berger (72) vermittelten GeschĂ€ften seien ĂŒber frĂŒhere BeschĂ€ftigte der Hypovereinsbank Dax-Aktien im Wert von 15,8 Milliarden Euro gehandelt worden. Profiteur war ein inzwischen verstorbener Immobilieninvestor. Die Gewinne habe man aufgeteilt.
Lange Haftstrafe gefordert
Die Generalstaatsanwaltschaft hat wegen schwerer Steuerhinterziehung in drei FĂ€llen eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten gefordert - das wĂ€re mehr als in einem ersten Cum-Ex-Urteil gegen Berger am Landgericht Bonn bei weniger Schadenssumme. Er solle zudem TatertrĂ€ge in Millionenhöhe zurĂŒckzahlen. Die Verteidigung plĂ€dierte auf Freispruch: Cum-Ex-GeschĂ€fte seien damals nicht verboten gewesen.
Schon im Dezember hatte das Landgericht Bonn Berger zu acht Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Bei einem Urteil in Wiesbaden kann per nachtrÀglichem Beschluss eine Gesamtstrafe von bis zu 15 Jahren gebildet werden. Noch aber ist das Bonner Urteil nicht rechtskrÀftig. Berger hat Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.
BĂŒrgerbewegung Finanzwende: Skandal entschiedener aufklĂ€ren
Der Verein BĂŒrgerbewegung Finanzwende hat ein konsequenteres Aufarbeiten des Steuerskandals um Cum-Ex-AktiengeschĂ€fte gefordert. «Es mĂŒssen endlich alle Hebel in die Hand genommen werden, um die AufklĂ€rung entschieden voranzutreiben und alle TĂ€ter vor Gericht zu bringen», sagte Vorstand Gerhard Schick der Nachrichtenagentur dpa. Man befinde sich erst am Anfang der juristischen AufklĂ€rung «und das mehr als 10 Jahre nach dem Stopp der GeschĂ€fte», kritisierte der frĂŒhere GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete.
«Viel zu lange konnten Cum-Ex-TĂ€ter die Staatskasse unbehelligt ausnehmen», monierte Schick. Die Prozesse gegen Hanno Berger seien daher ein wichtiges Signal, sagte er vor einem erwarteten Urteil des Landgerichts Wiesbaden gegen den Steueranwalt heute. Berger gilt als Architekt der Cum-Ex-Deals, bei denen sich Banken und Investoren nie gezahlte Kapitalertragssteuern erstatten lieĂen und den Staat geschĂ€tzt um mindestens zehn Milliarden Euro prellten.
Millionengewinn in beratender Funktion
Dabei nutzten sie eine damalige GesetzeslĂŒcke. Rund um den Dividendenstichtag wurden Aktien mit und ohne AusschĂŒttungsanspruch zwischen mehreren Beteiligten hin- und hergeschoben. Am Ende des Verwirrspiels erstatteten FinanzĂ€mter Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Erst 2012 wurde das Steuerschlupfloch geschlossen. Im Sommer 2021 entschied der Bundesgerichtshof, dass Cum-Ex-GeschĂ€fte als Steuerhinterziehung zu werten sind.
Berger gilt als treibende Kraft der Cum-Ex-Deals in Deutschland, die ihre Hochphase zwischen 2006 und 2011 hatten und weit verbreitet waren. Berger hatte einst als Finanzbeamter GeldhĂ€user kontrolliert, spĂ€ter wechselte er die Seite und machte sich als Steueranwalt selbststĂ€ndig. Er pries Cum-Ex-Deals bei Banken und Vermögenden als rechtlich sichere Steueroptimierung an, beriet bei der Konstruktion und verdiente Millionen daran. Berger hatte die VorwĂŒrfe wiederholt zurĂŒckgewiesen und sich als Opfer eines Justizskandals gesehen.


