Deutschland, Gesundheit

Viel Kritik an SparvorschlĂ€gen fĂŒrs Gesundheitswesen

31.03.2026 - 08:11:29 | dpa.de

Empfehlungen fĂŒr eine Reform, die höhere KrankenkassenbeitrĂ€ge abwenden soll, liegen auf dem Tisch. Die Koalition will jetzt beraten, welche Maßnahmen sie ergreift - und bekommt schon Gegenwind.

  • Gesundheitsministerin Nina Warken verspricht, dass es keine einseitigen Belastungen geben soll.  - Foto: Britta Pedersen/dpa
    Gesundheitsministerin Nina Warken verspricht, dass es keine einseitigen Belastungen geben soll. - Foto: Britta Pedersen/dpa
  • Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt davor, dass Millionen Arzttermine wegfallen könnten. (Illustration)  - Foto: Sina Schuldt/dpa
    Die KassenÀrztliche Bundesvereinigung (KBV) warnt davor, dass Millionen Arzttermine wegfallen könnten. (Illustration) - Foto: Sina Schuldt/dpa
  • Gefragt sei jetzt Bereitschaft zu echter VerĂ€nderung, meint ÄrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt. (Archivbild)  - Foto: Elisa Schu/dpa
    Gefragt sei jetzt Bereitschaft zu echter VerĂ€nderung, meint ÄrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt. (Archivbild) - Foto: Elisa Schu/dpa
'.$caption.' '.$caption.' '.$caption.'

Die VorschlĂ€ge einer Expertenkommission fĂŒr milliardenschwere Einsparungen im Gesundheitswesen lösen ein unterschiedliches Echo aus. Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) warnte vor einem Wegfall von Millionen Terminen durch empfohlene Bremsen bei den VergĂŒtungen. Den Praxen wĂŒrde dann nichts anderes ĂŒbrig bleiben, als Leistungen und Terminvergaben reduzierten Finanzmitteln anzupassen. Schon heute gingen mehr als 40 Millionen Facharzttermine «aufs Haus», wĂŒrden also nicht vergĂŒtet.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen erklĂ€rte dagegen, die VorschlĂ€ge hĂ€tten das Potenzial, dafĂŒr zu sorgen, dass die BeitrĂ€ge 2027 insgesamt stabil bleiben oder sogar gesenkt werden könnten. «Wir haben steigende Einnahmen und können damit in einem angemessenen Rahmen auch steigende Ausgaben finanzieren», sagte Verbandschef Oliver Blatt. Uferlose Ausgabensteigerungen wie in den letzten Jahren mĂŒssten aber ein Ende haben.

Der GKV-Verbandschef zeigte sich im Deutschlandfunk grundsĂ€tzlich zufrieden mit den KommissionsvorschlĂ€gen. Man habe lange auf Reformen gedrungen, um das strukturelle Defizit im System zu beenden. Er empfinde «erst mal Erleichterung, dass jetzt VorschlĂ€ge auf dem Tisch liegen und jetzt die große Hoffnung, dass die Politik entscheidet», sagte Blatt. Die VorschlĂ€ge seien jedoch nur ein erstes Pflaster: FĂŒr eine dauerhafte finanzielle Stabilisierung des Systems seien tiefergehende Strukturreformen unerlĂ€sslich.

Einsparpotenzial in Milliardenhöhe 

Die von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Kommission hat einen Bericht mit 66 Empfehlungen vorgelegt, die fĂŒr nĂ€chstes Jahr ein Volumen von bis zu 42 Milliarden Euro ausmachen könnten. Das Sparpotenzial liegt höher als die fĂŒr 2027 erwartete LĂŒcke von rund 15 Milliarden Euro. Ein zentraler Punkt ist, dass die Ausgaben fĂŒr Leistungen von Praxen und Kliniken nicht stĂ€rker steigen sollen als die Einnahmen der Kassen. Die schwarz-rote Koalition strebt an, bis zum Sommer GesetzesplĂ€ne ins Kabinett einzubringen.

Warken setzt dabei nach eigenen Angaben auf eine möglichst faire Lastenverteilung. «Es muss ein Paket sein, das alle betrifft, bei dem alle mit im Boot sind, bei dem alle ihren Beitrag leisten», sagte Warken am Abend im «heute journal» des ZDF. «Klar muss sein, die Versorgung der Menschen muss auch auf gleich gutem QualitÀtsniveau erhalten bleiben.» Dabei solle es keine einseitigen Belastungen geben, weder zulasten der Versicherten noch zulasten einer anderen Gruppe. 

Verbraucherzentralen warnen vor Folgen höherer Zuzahlungen 

Die Verbraucherzentralen kritisierten VorschlĂ€ge, Patientinnen und Patienten stĂ€rker zur Kasse zu bitten. «Das ist der falsche Weg», sagte die Chefin des Bundesverbands, Ramona Pop. Höhere Zuzahlungen, etwa fĂŒr Zahnersatz oder Arzneimittel, schafften Zugangsbarrieren und schwĂ€chten die gesundheitliche Chancengleichheit. Schon heute trĂŒgen viele milliardenschwere Eigenanteile.

«Bereitschaft zu echter VerÀnderung»

ArbeitgeberprĂ€sident Rainer Dulger begrĂŒĂŸte den Mut der Kommission. Die VorschlĂ€ge böten die Chance, die Versorgungssicherheit und auch eine nachhaltige Finanzierbarkeit zu sichern. Die Koalition sollte sie konstruktiv prĂŒfen und nichts vorschnell ausschließen. Eine «Empörungsgesundheitspolitik» habe das System an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. 

ÄrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt mahnte, nicht in eine aufgeheizte Debatte ĂŒber Einzelmaßnahmen zu verfallen. «Allen Beteiligten muss klar sein: Es reicht nicht aus, die eigenen ReformbeitrĂ€ge möglichst gering zu halten und im Übrigen am Status quo festzuhalten.» Gefragt sei jetzt Bereitschaft zu echter VerĂ€nderung. Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte die Bundesregierung auf, endlich Farbe zu bekennen. Ein abgestimmtes Konzept mĂŒsse jetzt unverzĂŒglich kommen.

Die GrĂŒnen-Abgeordnete Paula Piechotta warnte: «Die Krankenversicherung darf nicht auf dem RĂŒcken der Versicherten stabilisiert werden, denn die haben mit steigenden Spritpreisen und Inflation schon genug Probleme.» Der Linke-Fachpolitiker Ates GĂŒrpinar nannte weitere Belastungen fĂŒr Patientinnen und Patienten inakzeptabel. Der BSW-Vorsitzende Fabio De Masi sagte, anstatt Leistungen zu kĂŒrzen oder Versicherte noch mehr zur Kasse zu bitten, brauche Deutschland eine große Gesundheitsreform, die Lobbyinteressen stutze.

Beitragsfreie Versicherung des Ehepartners aus der Zeit gefallen?

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister, Karl-Josef Laumann, Ă€ußerte sich dagegen zufrieden ĂŒber die VorschlĂ€ge. «Ich bin ĂŒber die VorschlĂ€ge schon wirklich beeindruckt, weil die Kommission gute VorschlĂ€ge gemacht hat, wie man mit dieser Situation umgehen kann», sagte der CDU-Politiker im WDR2-Interview. 

Er Ă€ußerte sich auch zu einem möglichen Ende der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern, das von der Kommission vorgeschlagen worden war. «Es gibt ja schon sehr viele Menschen, die der Meinung sind, dass diese beitragsfreie Versicherung eines Ehepartners so ein bisschen aus der Zeit gefallen ist. Ich glaube auch, dass man das so sehen kann.» Man könne dies jedoch nicht von heute auf morgen Ă€ndern. Eine gewisse Übergangszeit sei nötig.

So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlĂ€ssliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
politik | 69035625 |

Weitere Meldungen

So wird der Eichenprozessionsspinner in Deutschland bekĂ€mpft. Die Larven könnten mancherorts um Ostern schlĂŒpfen. Industriestaubsauger, Biowirkstoffe, Nematoden: Mit verschiedensten Methoden wird hierzulande der Eichenprozessionsspinner bekĂ€mpft. (Wissenschaft, 31.03.2026 - 05:00) weiterlesen...

Was kommt in Warkens «Werkzeugkasten» fĂŒr stabile BeitrĂ€ge?. Die Koalition muss nun entscheiden. Darauf hat die Gesundheitsbranche gespannt gewartet: VorschlĂ€ge einer Expertenkommission fĂŒr Milliarden-Einsparungen sind da. (Politik, 30.03.2026 - 17:53) weiterlesen...

Limo-Steuer, Zuzahlungen: 66 Ideen fĂŒr Gesundheitsreform. Nun will die Gesundheitsministerin eine Auswahl treffen. Sie verspricht: Es wird ausgewogen. Eine Expertenkommission legt ihre Empfehlungen zur Sanierung der Krankenversicherung vor. (Politik, 30.03.2026 - 15:33) weiterlesen...

Kommission: Milliarden-Sparpotenzial fĂŒr Krankenkassen Die Gesundheitsversorgung steht wegen stark steigender Ausgaben unter Druck. (Politik, 30.03.2026 - 14:11) weiterlesen...

Der Kampf um die Gesundheitsmilliarden. Die Koalition will gegensteuern und bekommt jetzt konkrete VorschlĂ€ge. Das politische Ringen dĂŒrfte hart werden. Die Ausgaben fĂŒr die medizinische Versorgung gehen hoch - und die BeitrĂ€ge auch. (Politik, 29.03.2026 - 09:00) weiterlesen...

Lachgas, USB-C, Tarife – was Ă€ndert sich im April? Mehr Geld im öffentlichen Dienst, strengere Regeln fĂŒr Lachgas und eine USB-C-Pflicht fĂŒr weitere GerĂ€te: Der neue Monat bringt einige Änderungen. (Politik, 28.03.2026 - 04:30) weiterlesen...