Endlagersuche, AtommĂŒll

Endlagersuche: Weniger als fĂŒnf Prozent kommen noch infrage

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 14:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Bundesgesellschaft fĂŒr Endlagerung hat die Suche nach einem Standort fĂŒr hochradioaktiven Abfall weiter eingegrenzt. FĂŒnf BundeslĂ€nder scheiden aus; bis Ende 2027 soll eine Auswahl konkreter Standortregionen vorliegen.

Bundestag entscheidet ĂŒber die nĂ€chsten Regionen

  • Die BGE prĂŒft noch Gebiete im Harz, im Bayerischen Wald und nahe der tschechischen Grenze.
  • 2020 galten zunĂ€chst 90 Gebiete auf 54 Prozent der deutschen FlĂ€che als potenziell geeignet.
  • Bis Ende 2027 soll die BGE wenige Standortregionen zur oberirdischen Erkundung vorschlagen.
  • Der deutsche AtommĂŒll wird derzeit nur zwischengelagert. Die Endlagersuche soll diesen Zustand beenden. (Archivbild) - Bild: Andreas Endermann/dpa
  • Schon gegen AtommĂŒlltransporte gibt es Widerstand wie hier bei Ahaus. (Archivbild) - Bild: Christoph Reichwein/dpa
Der deutsche AtommĂŒll wird derzeit nur zwischengelagert. Die Endlagersuche soll diesen Zustand beenden. (Archivbild) - Bild: Andreas Endermann/dpa Schon gegen AtommĂŒlltransporte gibt es Widerstand wie hier bei Ahaus. (Archivbild) - Bild: Christoph Reichwein/dpa

Endlagersuche erreicht nĂ€chste PrĂŒfphase

Die Suche nach einem deutschen Endlager fĂŒr hochradioaktiven AtommĂŒll wird konkreter: Nach EinschĂ€tzung der Bundesgesellschaft fĂŒr Endlagerung (BGE) kommen weniger als fĂŒnf Prozent der deutschen LandesflĂ€che noch infrage. FĂŒnf BundeslĂ€nder sind nicht mehr Teil der laufenden Suche.

FĂŒnf LĂ€nder scheiden aus

Rheinland-Pfalz, Hessen, Berlin, Sachsen und das Saarland gehören nicht mehr zu den möglichen Gebieten. Das Saarland war bereits 2020 herausgefallen, Rheinland-Pfalz schied 2025 aus; Sachsen, Berlin und Hessen wurden in diesem Jahr neu aussortiert.

Im Rennen sind unter anderem Regionen im Harz, im Bayerischen Wald und in Bayern nahe der tschechischen Grenze. Das letzte Wort ĂŒber die Auswahl des Standorts hat der Bundestag.

Geologie entscheidet ĂŒber die Vorauswahl

Die BGE ist seit 2017 fĂŒr die Endlagersuche zustĂ€ndig. 2020 hatte sie 90 Gebiete als potenziell geeignet eingestuft, die zusammen 54 Prozent der deutschen FlĂ€che ausmachten. Seither werden die Sicherheitsanforderungen schrittweise verschĂ€rft und weitere FlĂ€chen ausgeschlossen.

Untersucht werden UntergrĂŒnde aus Granit, Salz und Ton. Die Gesteine sollen radioaktive Stoffe zurĂŒckhalten, wenig Wasser und Gas durchlassen und hohen Temperaturen standhalten. Gesucht wird eine möglichst stabile, ĂŒber lange ZeitrĂ€ume wenig verĂ€nderte Geologie.

Entscheidung ĂŒber Standortregionen folgt

Bis Ende 2027 will die BGE die verbliebenen FlĂ€chen weiter einengen und wenige Standortregionen fĂŒr die Erkundung vorschlagen. Das Bundesamt fĂŒr die Sicherheit der nuklearen Entsorgung prĂŒft den Vorschlag und beteiligt Wissenschaft sowie Öffentlichkeit.

Anschließend entscheidet der Bundestag ĂŒber die Regionen, die weiter untersucht werden. Als Zieldatum fĂŒr die Entscheidung ĂŒber ein Endlager gilt 2050.

Zwischenlager bleiben Übergangslösung

In Deutschland sind die letzten Atomreaktoren im April 2023 abgeschaltet worden. Aus mehr als 60 Jahren Atomkraft stammen rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktiver AbfÀlle, die derzeit in 16 oberirdischen Zwischenlagern aufbewahrt werden.

Das genehmigte Endlager Schacht Konrad in Salzgitter ist nur fĂŒr schwach- bis mittelradioaktive AbfĂ€lle vorgesehen und soll in den 2030er Jahren in Betrieb gehen. Der hochradioaktive MĂŒll benötigt weiterhin eine eigene unterirdische Lösung.

Die Endlagersuche tritt mit der Eingrenzung auf weniger als fĂŒnf Prozent der deutschen LandesflĂ€che in eine konkretere Phase ein. Dennoch ist die aktuelle Auswahl noch keine Standortentscheidung: Bis Ende 2027 soll die BGE aus den verbliebenen Gebieten wenige Standortregionen fĂŒr die oberirdische Erkundung vorschlagen.

Das Verfahren trennt bewusst geologische Eignung und spĂ€tere politische AbwĂ€gung. ZunĂ€chst prĂŒfen die Fachleute, ob Salz, Ton oder Granit den dauerhaften Einschluss hochradioaktiver AbfĂ€lle ermöglichen können. Fragen zur NĂ€he von StĂ€dten, zur Infrastruktur und zu oberirdisch nutzbaren FlĂ€chen spielen erst in spĂ€teren Schritten eine grĂ¶ĂŸere Rolle. Dadurch soll die Auswahl nachvollziehbar und wissenschaftlich begrĂŒndet bleiben.

Langfristige Aufgabe trotz Atomausstieg

Der deutsche Atomausstieg beendet die Stromproduktion aus Kernkraft, nicht aber die Verantwortung fĂŒr die bereits entstandenen AbfĂ€lle. Rund 27.000 Kubikmeter hochradioaktives Material lagern weiterhin oberirdisch in 16 Zwischenlagern. Diese Zwischenlager sind Übergangslösungen; sie ersetzen kein Endlager, das Sicherheit ĂŒber sehr lange ZeitrĂ€ume gewĂ€hrleisten soll.

Nach dem Vorschlag der BGE muss zunĂ€chst das BASE prĂŒfen und Wissenschaft sowie Öffentlichkeit beteiligen. Danach entscheidet der Bundestag ĂŒber die Regionen, die weiter erkundet werden. Das angestrebte Zieljahr 2050 markiert deshalb nicht den Abschluss der Suche, sondern den politischen Zeitrahmen fĂŒr eine dauerhaft tragfĂ€hige Lösung.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

n-tv: „FĂŒnf BundeslĂ€nder fallen raus: Gebiete fĂŒr AtommĂŒll-Endlager deutlich eingegrenzt“ (27.10.2026)

Der Beitrag bestĂ€tige die Eingrenzung auf weniger als fĂŒnf Prozent der LandesflĂ€che und das Ausscheiden von fĂŒnf BundeslĂ€ndern. ZusĂ€tzlich stelle er die geologischen Ausschlusskriterien sowie den weiteren Ablauf bis zur Entscheidung des Bundestags heraus.

NDR: „AtommĂŒllendlager-Suche: Bundesgesellschaft grenzt Gebiete weiter ein“ (27.10.2026)

Der NDR-Bericht bestÀtige den nÀchsten Verfahrensschritt bis Ende 2027 und setze einen regionalen Schwerpunkt auf mögliche FlÀchen in Norddeutschland. Anders als der n-tv-Beitrag ordne er zusÀtzlich die lange Perspektive des Verfahrens und internationale Entwicklungen ein.

Beide BeitrĂ€ge seien sich beim enger werdenden Suchgebiet und beim mehrstufigen Verfahren einig. Unterschiede gebe es vor allem bei der regionalen Gewichtung und bei der Frage, wie stark der langfristige Zeitbedarf in den Mittelpunkt rĂŒcke.

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