Thorsten Frei: Auf Umwegen an die Fraktionsspitze
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 14:17 Uhr | dpa.deSchon nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr war Thorsten Frei als Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im GesprĂ€ch. Jetzt wird er â wenn in der Fraktionssitzung nĂ€chste Woche alles glattlĂ€uft â nach einem holprigen Umweg ĂŒber das Kanzleramt auf diesem Posten ankommen. Die Vorsitzenden von CDU und CSU, Friedrich Merz und Markus Söder, wollen ihn nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur als Nachfolger von Jens Spahn vorschlagen.
Der 52-jĂ€hrige Vater von drei Kindern kommt aus der sĂŒdwestlichen Ecke Deutschlands, aus SĂ€ckingen im Schwarzwald an der Grenze zur Schweiz. Er studierte Rechtswissenschaften, arbeitete dann als Rechtsanwalt und Regierungsrat, bevor er 2004 OberbĂŒrgermeister der Kreisstadt Donaueschingen wurde. Seit 2013 gehört er dem Bundestag an, wo er 2021 Parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer unter Fraktionschef und OppositionsfĂŒhrer Friedrich Merz wurde.
Frei kennt die Fraktionsarbeit also gut und gilt gleichzeitig als Vertrauter von Merz. Der entschied sich nach der gewonnenen Bundestagswahl, ihn lieber zum Chef des Kanzleramts zu machen, als ihn an der Spitze der Fraktion zu installieren. Den Posten bekam der deutlich unbequemere Jens Spahn â fĂŒr viele eine Ăberraschung.
Holprige Zeit im Kanzleramt
Freis Zeit im Kanzleramt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Die erste Sitzung des Koalitionsausschusses, fĂŒr dessen Vorbereitung ein Kanzleramtschef eigentlich zustĂ€ndig ist, lieĂ er zugunsten einer Veranstaltung in seinem Wahlkreis Donaueschingen sausen. SpĂ€ter wurde ihm aus und Union und SPD, aber auch aus den LĂ€ndern, unter der Hand teils chaotische AmtsfĂŒhrung vorgeworfen.
Bei der Erarbeitung des Reformpakets nahmen die Fraktionsspitzen das Heft des Handelns in die Hand. Dass die Einigung gerÀuschlos zustande kam, ist vor allem ihnen anzurechnen.
RĂŒckkehr in gewohnte Gefilde
Nun soll Frei in gewohnte Gefilde zurĂŒckkehren. Sein Vorteil: Er muss sich nicht einarbeiten, kann durchstarten, steckt in allen Themen und kennt alle wichtigen Akteure bestens. FĂŒr die Koalitionsarbeit, die nach 14 Monaten gerade in geregelte Bahnen gelenkt wurde, ist das von groĂem Vorteil.
Sein Ansehen unter den Unionsabgeordneten hat allerdings gelitten. Spahn hat die Fraktion zu einem selbstbewussten Machtzentrum neben dem Kanzleramt gemacht. Das werden sich die Abgeordneten nicht mehr nehmen lassen wollen. Frei wird also bei aller notwendigen LoyalitĂ€t zum Kanzler beweisen mĂŒssen, dass er auch diesem Anspruch gerecht werden kann.
