Gericht, Halle-AttentÀter

Gericht verhandelt gegen Halle-AttentÀter wegen Geiselnahme in Haft

25.01.2024 - 11:02:47

Er sitzt wegen des Halle-Attentats mit der Höchststrafe im GefÀngnis. Dort soll der 32-JÀhrige WÀrter als Geiseln genommen haben. Die Tat, die die GefÀhrlichkeit des Mannes zeigte, endete unblutig. Jetzt ist die Justiz am Zug.

Vor gut einem Jahr hat der zur Höchststrafe verurteilte AttentÀter von Halle im GefÀngnis Burg Vollzugsbeamte in seine Gewalt gebracht - nun muss er sich wegen Geiselnahme verantworten. Der Prozess gegen den 32-JÀhrigen hat in Magdeburg begonnen. Das zustÀndige Landgericht Stendal verhandelt unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in einem Hochsicherheitssaal in Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. Stephan Balliet gilt als extremes Sicherheitsrisiko.

Er war im Dezember 2020 wegen des rassistischen und antisemitischen Anschlags in Halle zu lebenslanger Haft und Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Am 9. Oktober 2019, dem höchsten jĂŒdischen Feiertag Jom Kippur, hatte er versucht, die Synagoge von Halle zu stĂŒrmen und ein Massaker anzurichten. Als es ihm nicht gelang, ermordete er nahe der Synagoge zwei Menschen.

Der Vorwurf: Der als Halle-AttentĂ€ter bekannt gewordene Gefangene verbĂŒĂŸte zum Tatzeitpunkt seine lebenslange Freiheitsstrafe im HochsicherheitsgefĂ€ngnis Burg. In den Abendstunden des 12. Dezember 2022 soll er mehrere Vollzugsbeamte mit einem selbst gebastelten Schussapparat genötigt haben, ihm diverse TĂŒren fĂŒr eine Flucht aus dem GefĂ€ngnis zu öffnen, so die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg. Er soll bis vor eine Kfz-Schleuse gelangt sein, wo sein Ausbruchversuch an technischen Sicherungsmaßnahmen scheiterte. Die Anklage lautet auf Geiselnahme und Verstoß gegen das Waffengesetz.

Einem Gutachten des Bundeskriminalamts zufolge hatte der Schussapparat hauptsÀchlich aus Bauteilen eines Tackers, einem Holzstift, DrÀhten und einem kleinen Metallrohr bestanden.

Der Verhandlungsort: Das Landgericht Stendal hat sich fĂŒr eine Verhandlung in einem Hochsicherheitssaal entschieden und einen solchen gibt es in Stendal nicht. Schon die Verhandlung wegen der Taten vom 9. Oktober 2019 hatte 2020 in diesem grĂ¶ĂŸten Justizsaal Sachsen-Anhalts in Magdeburg stattgefunden. Die ehemalige Bibliothek war fĂŒr den Prozess besonders ausgerĂŒstet worden, etwa wurde der Zuschauerbereich mit Sicherheitsglas eingefasst.

Der Gefangene: Er gilt als extremes Sicherheitsrisiko fĂŒr andere und sich selbst. Das wird nicht nur abgeleitet von den angeklagten Taten, sondern auch von seinem unberechenbaren und hochaggressiven Verhalten in Haft. Es sollen sich bei ihm stille Phasen, in denen der 32-JĂ€hrige nicht spricht und sich kaum bewegt, abwechseln mit plötzlichen AusbrĂŒchen. Es soll so gut wie keine Kommunikation zwischen dem Gefangenen und den Bediensteten des Strafvollzugs, Psychiatern, Sozialarbeitern und Ärzten geben. Er gilt als nicht behandlungsfĂ€hig und nicht behandlungsbereit.

Das hat sich dem Vernehmen nach sowohl in seiner Haftzeit in Sachsen-Anhalt sowie im bayerischen Augsburg und im niedersĂ€chsischen WolfenbĂŒttel gezeigt. Balliet ist seit seiner Inhaftierung weitestgehend isoliert. Die Vorsitzende Richterin in dem Prozess, Simone Henze-von Staden, hat angeordnet, dass der Angeklagte mit Hand- und Fußfesseln transportiert wird. WĂ€hrend der Verhandlung werden ihm die Handfesseln abgenommen, die Fußfesseln bleiben.

Der Prozess: FĂŒr den Auftakt ist die Verlesung der Anklage geplant. Dann erhĂ€lt der Angeklagte die Möglichkeit, sich zu Ă€ußern. Es könnten auch Aufzeichnungen der Überwachungskameras aus der JVA Burg gezeigt werden, so eine AnkĂŒndigung des Landgerichts Stendal. Im Prozess treten zwei Justizvollzugsbedienstete, die Geiseln waren, als NebenklĂ€ger auf, wie ein Sprecher des Landgerichts Stendal weiter mitteilte. Sie haben mit einem Rechtsanwalt beispielsweise die Möglichkeit, Fragen zu stellen, BeweisantrĂ€ge zu stellen und auch zu plĂ€dieren. Zudem geht es um Anerkennung als Opfer und mögliche EntschĂ€digungen. Das Gericht hat vorerst acht Verhandlungstermine bis zum 29. Februar angesetzt.

Welche Strafe kann auf den Angeklagten zukommen?

Sollte der 32-JĂ€hrige verurteilt werden, kommt auf ihn eine Freiheitsstrafe zwischen 5 und 15 Jahren zu, so ein Sprecher des Landgerichts Stendal. Das macht vorerst keinen Unterschied fĂŒr den Angeklagten, denn er sitzt ohnehin seine lebenslange Haftstrafe wegen des Attentats von Halle ab. Auch weil die besondere Schwere der Schuld festgestellt wurde, ist das Ende der Haftzeit offen. Und selbst danach kĂ€me Balliet nicht in Freiheit, sondern wĂŒrde in der Sicherungsverwahrung untergebracht, um die Bevölkerung vor ihm zu schĂŒtzen.

@ dpa.de