Halle-AttentÀter, Geiselnahme

Halle-AttentÀter gesteht Geiselnahme in Haft

25.01.2024 - 13:19:36

Er sitzt wegen des Halle-Attentats mit der Höchststrafe im GefĂ€ngnis. Auch dort gilt er als großes Sicherheitsrisiko. Jetzt steht der 32-JĂ€hrige wegen Geiselnahme von WĂ€rtern vor Gericht - und gesteht ausfĂŒhrlich.

Unter hohen Sicherheitsvorkehrungen hat der Prozess gegen den AttentĂ€ter von Halle wegen einer Geiselnahme vor gut einem Jahr im GefĂ€ngnis in Burg bei Magdeburg begonnen. Der 32-JĂ€hrige gestand, es habe sich um einen Ausbruchversuch gehandelt. «Ich wollte eben frei sein.» Er beschrieb bei der Verhandlung in Magdeburg detailliert, wie er Beamte mit einer aus Schreibmaterialien und Batterien selbst gebastelten Waffe bedrohte und sie nötigte, ihm diverse TĂŒren zu öffnen.

Er nutzte dazu den Zeitpunkt, als er zur Nacht eingeschlossen werden sollte. AusfĂŒhrlich und lebhaft gestikulierend beschrieb Stephan Balliet sein Vorgehen, dass es ihm vielfach nicht schnell genug gegangen sei. «Es hat mich sehr gestört. Weil es bei einem Ausbruchsversuch auf Zeit ankommt.»

Angeklagter gilt als extremes Sicherheitsrisiko

Das zustĂ€ndige Landgericht Stendal verhandelt in einem Hochsicherheitssaal in Magdeburg. Balliet gilt als extremes Sicherheitsrisiko. Im Gerichtssaal musste er Fußfesseln tragen, beim Transport durch die Spezialeinheit des Justizvollzugs zusĂ€tzlich Handfesseln. WĂ€hrend der Verhandlung saßen maskierte SpezialkrĂ€fte der Justiz in voller SchutzausrĂŒstung hinter dem Angeklagten. Nach der Befragung des Angeklagten sollen Videoaufnahmen aus dem GefĂ€ngnis gesichtet werden.

Die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg hat Balliet wegen Geiselnahme und Verstoß gegen das Waffengesetz angeklagt. Ihrer Überzeugung nach hat der zur Höchststrafe verurteilte Deutsche am Abend des 12. Dezember 2022 als HĂ€ftling im HochsicherheitsgefĂ€ngnis Burg mehrere Vollzugsbeamte mit einem selbst gebastelten Schussapparat genötigt, ihm mehrere TĂŒren fĂŒr eine Flucht aus dem GefĂ€ngnis zu öffnen. Er soll so bis vor eine Kfz-Schleuse gelangt sein, wo sein Ausbruchversuch an technischen Sicherungsmaßnahmen scheiterte. Ein Ausbruchversuch selbst ist nicht strafbar.

Balliet war im Dezember 2020 wegen des rassistischen und antisemitischen Anschlags in Halle zu lebenslanger Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Am 9. Oktober 2019, dem höchsten jĂŒdischen Feiertag Jom Kippur, hatte er versucht, die Synagoge von Halle zu stĂŒrmen und ein Massaker anzurichten. Als es ihm nicht gelang, ermordete er nahe der Synagoge zwei Menschen.

Ehemalige Geiseln sind NebenklÀger

Im aktuellen Prozess treten zwei Justizvollzugsbedienstete, die Geiseln waren, als NebenklĂ€ger auf. Sie waren am ersten Verhandlungstag nicht anwesend. Über ihre RechtsanwĂ€lte haben sie beispielsweise die Möglichkeit, Fragen zu stellen, BeweisantrĂ€ge zu stellen und auch zu plĂ€dieren. Zudem geht es um Anerkennung als Opfer und mögliche EntschĂ€digungen. Das Gericht hat vorerst acht Verhandlungstermine bis zum 29. Februar angesetzt. Das Interesse von Medien und Zuschauern ist geringer als im Prozess 2020, mehrere PlĂ€tze im Zuschauerraum hinter einer Wand aus Sicherheitsglas blieben frei.

@ dpa.de