Nimmermann folgt Graichen: Habecks neuer StaatssekretÀr
22.05.2023 - 16:50:09Wenige Tage nach dem RĂŒckzug des in die Kritik geratenen StaatssekretĂ€rs Patrick Graichen prĂ€sentiert Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck einen neuen Namen: Der hessische GrĂŒnen-Politiker Philipp Nimmermann soll neuer WirtschaftsstaatssekretĂ€r werden. Der 57-JĂ€hrige wechselt aus der Landesregierung nach Berlin, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte.
Habeck (GrĂŒne) sagte, Nimmermann werde «mit einem frischen Blick die Prozesse neu durchdenken, mit seiner Erfahrung die unterschiedlichen Perspektiven einbinden und mit seiner Stringenz die Energiewende, die WĂ€rmewende und die Transformation voranbringen».
Promovierter Wirtschaftswissenschaftler
Nimmermann ist seit 2019 StaatssekretĂ€r im Wirtschaftsministerium in Hessen und war zuvor FinanzstaatssekretĂ€r in Schleswig-Holstein. Vor den Ămtern in der Politik arbeitete der promovierte Wirtschaftswissenschaftler unter anderem als Chefvolkswirt und in verschiedenen weiteren Funktionen bei der BHF Bank in Frankfurt.
Nimmermann soll den StaatssekretĂ€rsposten in Berlin «sehr zeitnah» aufnehmen, wie es hieĂ. Habeck sagte: «Er hat mehrfach bewiesen, dass er hochkomplexe Aufgaben stringent strukturieren kann, in einem politisch aufgeladenen Umfeld breit getragene Lösungen schaffen und mit seinem ökonomischen Verstand und seiner Kenntnis der politischen Debatten sofort in die Themen finden kann.» Nimmermann wisse, wie sich politische Entscheidungen auf Menschen auswirkten und wie man gemeinsame Lösungen finde.
Wie es aus Regierungskreisen hieĂ, war Nimmermann in Hessen bisher auch fĂŒr Energieregulierung zustĂ€ndig. Weitere Schwerpunkt seien die Organisation von Unternehmenshilfen in der Corona-Pandemie und des HĂ€rtefallfonds im Zuge der Energiepreiskrise gewesen. Dadurch sei er in Austausch mit vielen Unternehmen, VerbĂ€nden und Kammern gewesen. In seiner Zeit als FinanzstaatssekretĂ€r in Schleswig-Holstein war er demnach auch mit der Privatisierung der HSH Nordbank betraut. Bei der BHF Bank habe Nimmermann sich mit FinanzmĂ€rkten, aber unter anderem auch mit Rohstoff- und EnergiemĂ€rkten befasst.
CDU-GeneralsekretĂ€r Mario Czaja erwartet von Nimmermann ein Umsteuern und «eine WĂ€rmewende ohne soziale KĂ€lte», wie er den Zeitungen der Mediengruppe Bayern sagte. «Er und vor allem Robert Habeck mĂŒssen nun beweisen, dass sie bereit fĂŒr einen Neuanfang sind.»
Die Reaktionen
Aus den Reihen der GrĂŒnen war am Montag viel Lob zu hören. Die schleswig-holsteinische Finanzministerin Monika Heinold erklĂ€rte, sie habe die Zusammenarbeit mit ihm in bester Erinnerung. «Mit seiner Klugheit, seiner Erfahrung und seiner Zugewandtheit ist Philipp Nimmermann genau der Richtige fĂŒr diesen Job.» Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (GrĂŒne), dessen StaatssekretĂ€r Nimmermann bisher war, lobte dessen ökonomische Kompetenz, Verwaltungserfahrung «und seine FĂ€higkeit, auch schwierige Prozesse zu steuern». «Die Bundesregierung gewinnt mit Philipp Nimmermann einen klugen und kreativen Kopf.»
Auch in VerbĂ€nden fielen erste Reaktionen freundlich aus. «Mit seiner sachlichen und besonnenen Art ist Philipp Nimmermann in herausfordernden Zeiten eine exzellente Wahl, um das Jahrhundertprojekt Energiewende weiterzufĂŒhren», erklĂ€rten die PrĂ€sidentin des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Marie-Luise Wolff, und die Vorsitzende der BDEW-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrung, Kerstin Andreae.
Der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU), Ingbert Liebing, sah viel Nachholbedarf bei der WĂ€rmewende. «Das Ziel der KlimaneutralitĂ€t bis 2045 ist klar, doch der Weg dorthin ist es aus unserer Sicht und aus Sicht der Stadtwerke, kommunalen Versorger und Netzbetreiber noch lange nicht. Es geht nicht um das Ob, sondern um das Wie.» Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, 2045 nicht mehr Treibhausgase auszustoĂen als auch wieder gebunden werden können.
Habeck hatte am vergangenen Mittwoch mitgeteilt, dass Graichen gehen muss. Hintergrund war die geplante Förderung eines Projekts des Berliner Landesverbands des Bundes fĂŒr Umwelt und Naturschutz, in dessen Vorstand Graichens Schwester ist. Graichen soll in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Er war zuvor wegen der Beteiligung an der Auswahl seines Trauzeugen fĂŒr den Chefposten der bundeseigenen Deutschen Energie-Agentur in die Kritik geraten.
Wie schnell der Wechsel passiere, das mĂŒsse in VerwaltungsablĂ€ufen geklĂ€rt werden, sagte Habeck mit Blick auf Nimmermanns derzeitigen Posten in Hessen. «Aber sobald er passiert ist, stelle ich ihn persönlich vor.»


