Bundesanwaltschaft, Eritrea

Eritrea-Terrorgruppe Brigade N'Hamedu: Bundesanwaltschaft lässt mutmaßliche Mitglieder festnehmen

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 18:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Bundesanwaltschaft lässt zwei mutmaßliche Mitglieder der eritreischen Terrorgruppe «Brigade N'Hamedu Deutschland» festnehmen. Hintergrund sind gewaltsame Konflikte im Umfeld von Eritrea-Veranstaltungen in mehreren deutschen Städten.

  • Die Bundesanwaltschaft war im März 2025 schon gegen die Gruppe vorgegangen. (Archivbild) - Bild: Christoph Schmidt/dpa
    Die Bundesanwaltschaft war im März 2025 schon gegen die Gruppe vorgegangen. (Archivbild) - Bild: Christoph Schmidt/dpa
  • Ein Ermittlungsrichter am BGH hat die Haftbefehle erlassen.  - Bild: René Priebe/dpa
    Ein Ermittlungsrichter am BGH hat die Haftbefehle erlassen. - Bild: René Priebe/dpa
Die Bundesanwaltschaft war im März 2025 schon gegen die Gruppe vorgegangen. (Archivbild) - Bild: Christoph Schmidt/dpa Ein Ermittlungsrichter am BGH hat die Haftbefehle erlassen.  - Bild: René Priebe/dpa

Die Bundesanwaltschaft hat zwei mutmaßliche Mitglieder der in Deutschland aktiven eritreischen Terrorgruppe «Brigade N'Hamedu Deutschland» in der Nähe von Saarbrücken und in Stuttgart festnehmen lassen.

Haftbefehle und Vorwurf der Terror-Mitgliedschaft

Nach Angaben der Karlsruher Behörde wirft die Bundesanwaltschaft den beiden Männern die Mitgliedschaft in einer inländischen terroristischen Vereinigung vor. Ein Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof erließ Haftbefehle gegen die Beschuldigten, die anschließend in Untersuchungshaft kamen. Die Vereinigung gilt als international vernetzt und tritt unter dem Namen «Brigade N'Hamedu Deutschland» auf.

Ziel der Gruppe und Gewalt in Deutschland

Nach Darstellung der Bundesanwaltschaft verfolgt die Vereinigung das Ziel, die Regierung im ostafrikanischen Staat Eritrea zu stürzen. Dieses politische Ziel habe sie in Deutschland durch Gewalt bei Veranstaltungen von Anhängern der eritreischen Regierung zu erreichen versucht. Die Mitglieder sollen Gewalt gegen deutsche staatliche Institutionen und Repräsentanten der Staatsgewalt, insbesondere gegen eingesetzte Polizeikräfte, als legitimes Mittel betrachtet haben.

Razzien in mehreren Bundesländern und Dänemark

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen die Gruppe ließ die Bundesanwaltschaft im März 2025 insgesamt 19 Objekte in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz durchsuchen. Auch in Dänemark wurde ein Objekt durchsucht. Nach damaligen Angaben waren rund 200 Beamte des Bundeskriminalamts sowie Polizeikräfte der Länder beteiligt. Festnahmen erfolgten bei diesem Einsatz jedoch nicht.

Hintergrund: Ausschreitungen bei Eritrea-Veranstaltungen

Auslöser der Ermittlungen sind Ausschreitungen am Rande von Eritrea-Festivals in Gießen im Sommer 2022 und 2023 sowie eines Seminars eines eritreischen Vereins im September 2023 in Stuttgart. Die Eritrea-Festivals in Gießen wurden vom Zentralrat der Eritreer in Deutschland organisiert, der als regierungsnah gilt. Kritiker werfen den Veranstaltern vor, Propaganda für die eritreische Regierung zu betreiben, was diese zurückweisen.

Rolle der Festgenommenen in der Vereinigung

Die beiden festgenommenen Männer, ein eritreischer und ein deutscher Staatsangehöriger, sollen maßgeblich am Aufbau der Strukturen der «Brigade N'Hamedu Deutschland» beteiligt gewesen sein. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft war der Eritreer zeitweise Generalsekretär der Gruppe, der Deutsche fungierte als erster Vorsitzender. Beide sollen eine zentrale Rolle bei der Organisation der gewaltsamen Aktionen gespielt haben.

Menschenrechtslage im Staat Eritrea

Das Land Eritrea am Horn von Afrika mit rund vier Millionen Einwohnern gilt durch systematische Repressionen, Gewalt und die Verweigerung grundlegender Menschenrechte als besonders autoritär geprägt. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International unterdrückt die Regierung von Präsident Isaias Afwerki die Bevölkerung durch Zwangsarbeit, langjährige erzwungene Wehrpflicht sowie stark eingeschränkte Meinungs-, Glaubens- und Pressefreiheit. Zudem berichten diese Organisationen von großflächigen Massakern, außergerichtlichen Hinrichtungen und sexueller Gewalt durch Sicherheitskräfte. Die Regierung des Ein-Parteien-Staats, in dem keine Wahlen abgehalten werden, weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück.

Innenpolitische Bedeutung der Festnahmen

Die Festnahmen zweier mutmaßlicher Führungspersonen der «Brigade N'Hamedu Deutschland» markieren einen weiteren Schritt der Sicherheitsbehörden gegen politisch motivierte Gewalt im Umfeld eritreischer Veranstaltungen in Deutschland. Die Bundesanwaltschaft ordnet die Gruppe als inländische terroristische Vereinigung ein und macht damit deutlich, dass sie die Taten nicht als reine Auslandsauseinandersetzung, sondern als sicherheitsrelevante Gefahr für die öffentliche Ordnung in Deutschland bewertet. Für die deutsche Innenpolitik ist dies bedeutsam, weil Gewaltkonflikte aus Herkunftsländern hier in Versammlungs- und Vereinsstrukturen sichtbar werden.

Konfliktlinien innerhalb der Diaspora

Die wiederholten Ausschreitungen bei Eritrea-Festivals und einem Seminar in Stuttgart zeigen, wie stark die politischen Konflikte des ostafrikanischen Staates in die Diaspora hineinwirken. Regimekritische Gruppen betrachten Veranstaltungen regierungsnaher Organisationen als Propagandainstrumente und suchen die direkte Konfrontation. Die Bundesanwaltschaft verweist darauf, dass die «Brigade N'Hamedu Deutschland» Gewalt gezielt bei Anlässen von Anhängern der eritreischen Regierung eingesetzt habe. Zugleich geraten deutsche Polizeikräfte in diese Konflikte, weil sie Versammlungen schützen und so selbst zum Ziel der Gewalt werden.

Menschenrechtslage in Eritrea und Folgen für Deutschland

Die im Zusammenhang mit Eritrea genannten Menschenrechtsverletzungen – von Zwangsarbeit über eine praktisch unbegrenzte Wehrpflicht bis hin zu Berichten über schwere Übergriffe durch Sicherheitskräfte – prägen die Motivation vieler Regimegegner, auch im Ausland aktiv zu werden. Während die eritreische Regierung diese Vorwürfe zurückweist, nutzen oppositionelle Gruppen den Schutzraum demokratischer Staaten, um Druck aufzubauen. Wenn dabei Gewalt als legitimes Mittel gegen staatliche Institutionen in Deutschland betrachtet wird, entsteht ein sicherheitspolitisches Spannungsfeld: Einerseits genießen politische Aktivitäten und Kritik Schutz durch Grundrechte, andererseits reagieren Strafverfolgungsbehörden konsequent, sobald die Grenze zur Gewalt und zur Bildung einer terroristischen Vereinigung überschritten ist.

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