Deutschland schiebt 31 MĂ€nner nach Afghanistan ab
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 15:59 Uhr | dpa.de
Deutschland hat 31 Afghanen per Charterflug in ihr Heimatland abgeschoben. Die MĂ€nner seien «vollziehbar ausreisepflichtig», schrieb das Bundesinnenministerium auf der Plattform X.Â
Innenminister Alexander Dobrindt sagte am Rande einer Sommerklausur der CSU-Landesgruppe im frĂ€nkischen Kloster Banz, es habe sich um Â«ĂŒberwiegend schwerste und schwere StraftĂ€ter, die mit Tötungsdelikten, Vergewaltigungen, Gewalttaten auffĂ€llig waren», gehandelt.
Eine Person sei an Bord gewesen, bei der es sich nicht um einen verurteilten StraftĂ€ter handele. Auch diese Person sei aber zwingend ausreisepflichtig gewesen. Sie habe versucht, Unterschlupf in einem anderen europĂ€ischen Land zu suchen, sei dann aber nach Deutschland zurĂŒckgekehrt.
Dobrindt: Migrationswende «mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante»
«Wir haben in den vergangenen Wochen die BundeslĂ€nder darauf hingewiesen, dass Abschiebungen von ausreisepflichtigen Personen nach Afghanistan auch zukĂŒnftig möglich sein werden, wenn wir es nicht ausschlieĂlich mit schwersten StraftĂ€tern zu tun haben», sagte Dobrindt.
Die Bundesregierung verfolge konsequent die von ihr eingeschlagene Migrationspolitik. Die Migrationswende werde «mit Kontrolle, Kurs und klarer Kante» vorangetrieben. Die von den Taliban gefĂŒhrte Regierung in Afghanistan sei verpflichtet, die Menschen in ihrem Heimatland aufzunehmen. «Das ist die Vereinbarung, die getroffen ist mit den Verantwortlichen in Afghanistan.»
Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums kamen acht der Abgeschobenen aus Bayern.Â
Grundlage fĂŒr Abschiebung ist Vereinbarung mit Taliban
Nach dpa-Informationen startete der Flieger in der Nacht zum Dienstag vom Flughafen Leipzig/Halle. Augenzeugen am Flughafen in Kabul berichten von mehreren Familien, die auf ihre Angehörigen warteten. Wie Beamte den Wartenden vor Ort erklĂ€rten, sollten die Abgeschobenen nach ihrer Ankunft Verfahren durch die regierenden Taliban durchlaufen â darunter Verhöre. Danach könnten sie gegebenenfalls nach Zusicherungen durch die Familien freigelassen werden.
Grundlage fĂŒr die Abschiebung ist eine direkte Vereinbarung mit den in Afghanistan herrschenden islamistischen Taliban, die der Bundesregierung regelmĂ€Ăige Abschiebungen nach Afghanistan ohne Vermittlerstaaten ermöglicht.
Kritiker bemÀngeln Kooperation mit Taliban
Anfang Juni war eine ursprĂŒnglich fĂŒr Ende Mai vorbereitete Sammelabschiebung von ausreisepflichtigen MĂ€nnern nach Afghanistan abgesagt worden, weil die Taliban-Machthaber nicht kooperierten. Nach dpa-Informationen wurde der Flug abgesagt, nachdem sich die islamistischen Herrscher in Kabul unzufrieden gezeigt hatten ĂŒber die aus ihrer Sicht mangelnde GesprĂ€chsbereitschaft von Vertretern des AuswĂ€rtigen Amts. Die Taliban sind vor allem daran interessiert, mehr Diplomaten an die afghanischen Vertretungen in Deutschland zu entsenden.
Kritiker bemĂ€ngeln, dass die Bundesregierung die Taliban einerseits wegen deren Menschenrechtsverletzungen â insbesondere was Frauen betrifft â nicht anerkennt, gleichzeitig aber, um Abschiebungen zu ermöglichen, praktische ZugestĂ€ndnisse macht. Dazu zĂ€hlt die Erlaubnis zur Entsendung einzelner Diplomaten an die afghanischen Vertretungen in Deutschland, an denen zuvor ausschlieĂlich Diplomaten gearbeitet hatten, die noch von der VorgĂ€ngerregierung dorthin entsandt worden waren.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte am Freitag eine Ausweitung der Abschiebepraxis nach Afghanistan gegen Kritik verteidigt. «Wer ein Asylverfahren negativ durchlaufen hat, verpflichtend ausreisepflichtig ist, der muss natĂŒrlich auch damit rechnen, dass diese Ausreise dann auch erwirkt wird, wenn sie nicht freiwillig vollzogen wird», sagte der CSU-Politiker.
Die UN-Migrationsbehörde (IOM) hĂ€lt eine RĂŒckkehr afghanischer MĂ€nner in ihr Heimatland in Bezug auf die Sicherheitslage fĂŒr möglich. «Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich deutlich verbessert, das ist schlicht eine objektive Tatsache», sagte IOM-Landeschefin Mihyung Park dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Frauen rate sie dagegen ausdrĂŒcklich von der RĂŒckkehr ab. Afghanistan sei kein Ort, an dem Frauen frei leben oder sich eine Zukunft aufbauen können, sagte Park weiter.
Schwere humanitÀre Krise in Afghanistan
Afghanistan durchlĂ€uft derzeit eine schwere humanitĂ€re Krise. Mindestens 3,7 Millionen Kleinkinder und 1,2 Millionen schwangere oder stillende MĂŒtter gelten als akut mangelernĂ€hrt. In fast allen Provinzen des Landes sehen Experten kritischen Hunger. Jahrelange DĂŒrren und Erdbeben verschĂ€rfen die Situation.
Zudem erschwert massive Immigration die Lage: Allein aus den NachbarlĂ€ndern Iran und Pakistan sind seit Sommer 2021 nach Angaben des UN-FlĂŒchtlingswerks (UNHCR) insgesamt knapp 3,9 Millionen Menschen nach Afghanistan zurĂŒckgekehrt. Mehr als 90 Prozent der RĂŒckkehrer leben nach Angaben des UNHCR von weniger als 5 US-Dollar am Tag.
