CSU, WĂ€hler

CSU und Freie WĂ€hler unterzeichnen Koalitionsvertrag

26.10.2023 - 14:07:55 | dpa.de

Erst gab es ordentlich Krach - am Ende geben sich Markus Söder und Hubert Aiwanger wieder die Hand. Der Koalitonsvertrag fĂŒr die nĂ€chste Staatsregierung steht nach nur zwei Wochen Verhandlungszeit.

  • Markus Söder (CSU) dĂŒrfte erneut zum bayerischen MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt werden. - Foto: Peter Kneffel/dpa
    Markus Söder (CSU) dĂŒrfte erneut zum bayerischen MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt werden. - Foto: Peter Kneffel/dpa
  • Albert FĂŒracker, Markus Blume, Markus Söder und Tobias Reiß kommen zur Spitzenrunde bei den Koalitionsverhandlungen. - Foto: Peter Kneffel/dpa
    Albert FĂŒracker, Markus Blume, Markus Söder und Tobias Reiß kommen zur Spitzenrunde bei den Koalitionsverhandlungen. - Foto: Peter Kneffel/dpa
  • Freie WĂ€hler-Chef Hubert Aiwanger (l) und Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien WĂ€hler im Bayerischen Landtag, prĂ€sentieren den Koalitionsvertrag mit der CSU. - Foto: Lennart Preiss/dpa
    Freie WÀhler-Chef Hubert Aiwanger (l) und Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien WÀhler im Bayerischen Landtag, prÀsentieren den Koalitionsvertrag mit der CSU. - Foto: Lennart Preiss/dpa
  • Freie WĂ€hler-Chef Hubert Aiwanger (l) und Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien WĂ€hler im Bayerischen Landtag, prĂ€sentieren den Koalitionsvertrag mit der CSU. - Foto: Lennart Preiss/dpa
    Freie WÀhler-Chef Hubert Aiwanger (l) und Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien WÀhler im Bayerischen Landtag, prÀsentieren den Koalitionsvertrag mit der CSU. - Foto: Lennart Preiss/dpa
  • Hand in Hand: Markus Söder und Hubert Aiwanger besiegeln ihre weitere Zusammenarbeit. - Foto: Peter Kneffel/dpa
    Hand in Hand: Markus Söder und Hubert Aiwanger besiegeln ihre weitere Zusammenarbeit. - Foto: Peter Kneffel/dpa
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Das Fundament fĂŒr die zweite Legislaturperiode einer bayerischen Regierungskoalition aus CSU und Freien WĂ€hlern ist gelegt. Die Spitzen von Partei und Fraktion beider Partner unterzeichneten in MĂŒnchen eine fast 90 Seiten starke Koalitionsvereinbarung. Neben mehr als 70 neuen Projekten und einer Festlegung auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung ist darin auch der Zuschnitt der Ministerien geregelt.

So soll die bisherige StaatssekretĂ€rin Anna Stolz (Freie WĂ€hler) neue Kultusministerin werden, ihr Parteifreund Fabian Mehring das Digitalministerium ĂŒbernehmen. In der Summe gewinnen die Freien WĂ€hler nach ihren StimmenzuwĂ€chsen bei der Landtagswahl ein Ministerium hinzu, verlieren aber einen StaatssekretĂ€r.

«Da ist alles drin, was Bayern fĂŒr die nĂ€chsten Jahre braucht»

MinisterprĂ€sident Markus Söder, dessen Wiederwahl im Landtag am kommenden Dienstag eine Formsache sein dĂŒrfte, zeigte sich stolz, dass die KoalitionĂ€re den neuen Koalitionsvertrag binnen nur zwei Wochen auf die Beine gestellt haben. «Da ist alles drin, was Bayern fĂŒr die nĂ€chsten Jahre braucht», sagte Söder. Alle Versprechen aus dem Wahlkampf wĂŒrden «eins zu eins» umgesetzt.

Unter dem Leitmotiv «Freiheit und StabilitĂ€t fĂŒr Bayern» wolle man auf mehr BĂŒrgernĂ€he und einen schlanken Staat hinarbeiten. CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek sagte: «Wir wollen nicht Ampeln alle fĂŒnf Meter, sondern mehr Leitplanken.» 180.000 neue Kita-PlĂ€tze, 9000 neue Planstellen an Schulen und 2000 zusĂ€tzliche Polizisten gehören zu den wesentlichen Vorstellungen.

Um das Bewusstsein fĂŒr die Demokratie zu stĂ€rken, sollen SchĂŒler und LehrkrĂ€fte kĂŒnftig einmal pro Woche eine «Verfassungsviertelstunde» einlegen. Das Projekt kam sogleich unter Beschuss der Lehrerorganisationen. An den Schulen brauche es Entlastung, dazu passe nicht die EinfĂŒhrung neuer Projekte, argumentierte der bayerische Philologenverband.

StĂŒhlerĂŒcken im Kultusministerium

Die bisher wohl spektakulĂ€rste personelle Neuerung findet im weiterhin von den Freien WĂ€hlern gefĂŒhrten Kultusministerium statt. Minister Michael Piazolo muss nach fĂŒnf Jahren im Amt seinen Hut nehmen, die bisherige StaatssekretĂ€rin Anna Stolz rĂŒckt an die Ressortspitze und wird Dienstherrin der bayerischen Lehrerinnen und Lehrer. Aiwanger schwieg zu der Frage, warum Piazolo gehen muss. Söder dankte dem scheidenden Minister. Er habe seine Sache gut gemacht.

Das bisher von der CSU gefĂŒhrte Digitalministerium wechselt zu den Freien WĂ€hlern und wird kĂŒnftig von Fabian Mehring gefĂŒhrt. Mehring war bisher parlamentarischer GeschĂ€ftsfĂŒhrer seiner Fraktion. Die bisherige Digitalministerin Judith Gerlach mĂŒsse sich «keine großen Sorgen» machen, sagte Söder. Dies deutet daraufhin, dass sie kĂŒnftig ein anderes Ministerium fĂŒhren könnte. Frei wĂ€re etwa das Gesundheitsministerium, nachdem Klaus Holetschek an die Fraktionsspitze gewechselt ist. Söder will jedoch die personelle Verteilung der CSU-Ministerien sowie der StaatssekretĂ€re erst am 8. November bekanntgeben, dem Tag der Vereidigung des Kabinetts.

Bei den Freien WĂ€hlern behalten Parteichef Hubert Aiwanger (Wirtschaft) und Umweltminister Thorsten Glauber ihre Posten. Als neuer StaatssekretĂ€r im Wirtschaftsministerium rĂŒckt der OberpfĂ€lzer Tobias Gotthardt an die Seite Aiwangers und ersetzt den ausscheidenden Roland Weigert. Weigert muss seinen Posten rĂ€umen, obwohl er bei der Landtagswahl am 8. Oktober seinen Stimmkreis direkt gewonnen hatte. Das VerhĂ€ltnis zwischen Aiwanger und Weigert galt seit einiger Zeit als belastet.

Aiwanger selbst zeigte sich - nach vorausgegangenem aber angeblich inzwischen beigelegtem Streit mit Söder zufrieden. Es sei «ein Ergebnis, das sich aus Sicht der Freien WÀhler sehen lassen kann», sagte Aiwanger. «Wir haben als Freie WÀhler erreicht, was wir erreichen wollten. Allein um den Zuschnitt der Ministerien sei aber am Mittwoch sechs Stunden lang verhandelt worden, gab Söder preis.

Aiwanger verhandelte dabei auch eine Herzensangelegenheit fĂŒr sich selbst heraus: Die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr die Jagd und das Unternehmen Bayerische Staatsforsten soll vom weiterhin bei der CSU angesiedelten Agrarministerium ins Wirtschaftsministerium von Aiwanger wechseln. Aiwanger gibt im Gegenzug die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr Tourismus und Gastronomie ab. Dies sei eine «Leitökonomie» fĂŒr Bayern, sagte CSU-Fraktionschef Holetschek.

Kritik von der Opposition

Von der Opposition im Landtag kam umgehend scharfe Kritik. «Der vorgestellte Koalitionsvertrag der neuen Kraftlos-Koalition ist ambitionslos und voller leerer Versprechungen», sagte GrĂŒnen-Fraktionschefin Katharina Schulze. «Dazu kommt noch, dass Ministerien offenbar jetzt nach den persönlichen Vorlieben der Verhandler zugeschnitten werden. Was bitte hat das Jagdrecht mit der Industriestrategie und dem Erhalt unseres Wohlstands zu tun?»

In einer dreiseitigen PrĂ€ambel des Koalitionsvertrages legen die beiden Partner ein Bekenntnis fĂŒr den Kampf um die freiheitlich demokratische Grundordnung in Bayern und Deutschland ab. Sie kĂŒndigen einen harten Kurs an gegen jegliche Form von «Antisemitismus, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus».

Nachdem es in der Koalition zuletzt arg geknirscht hatte, erklÀren beide Seiten zudem, dass sie trotz inhaltlicher Differenzen vertrauensvolle Zusammenarbeit wollen: «Optimismus statt Streit, Anpacken statt Wegducken und Vernunft statt Ideologie ist unsere Philosophie. Wir sind zwei Parteien, aber eine Staatsregierung.»

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