LĂ€nder bremsen Lauterbachs QualitĂ€ts-Atlas fĂŒr KrankenhĂ€user
24.11.2023 - 16:43:10Der geplante staatliche Online-Atlas fĂŒr Patientinnen und Patienten zu Leistungen und BehandlungsqualitĂ€t der Kliniken in Deutschland ist vorerst ausgebremst. Der Bundesrat entschied, das im Bundestag beschlossene Gesetz von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in den gemeinsamen Vermittlungsausschuss zu schicken. Damit steht nun die Suche nach einer Kompromisslösung an.
Lauterbach bedauerte die Entscheidung und machte deutlich, dass er auf ein zĂŒgiges Verfahren setzt. Mehrere LĂ€nder hatten kritisiert, dass das Gesetz der geplanten groĂen Krankenhausreform zuvorkomme. Sie monierten Eingriffe in ihre Hoheit fĂŒr die Krankenhausplanungen.
Der Vorsitzende der LĂ€nder-Gesundheitsminister, Manne Lucha (GrĂŒne) aus Baden-WĂŒrttemberg, sagte, die Intention des Gesetzes sei richtig. So, wie es vorgelegt werde, schaffe es aber nicht mehr Transparenz, sondern stifte Verwirrung. Das Gesetz tue so, als gĂ€be es bestimmte Leistungsgruppen der Kliniken schon, die aber erst Kerninhalt der groĂen Reform seien. Bayerns Ministerin Judith Gerlach (CSU) begrĂŒĂte die Anrufung des Vermittlungsausschusses. Es sei wichtig, dass das Gesetz in wesentlichen Punkten grĂŒndlich ĂŒberarbeitet werde.
Vorgesehen war, dass ein «Transparenzverzeichnis» von Mai 2024 an als interaktives Portal verstĂ€ndlich ĂŒber das jeweilige Angebot an bundesweit 1700 Klinikstandorten Auskunft geben soll. Konkret soll zu erkennen sein, welche Klinik welche Leistungen anbietet. Abrufbar sein sollen Daten zu Fallzahlen, also der Behandlungserfahrung, zum PersonalschlĂŒssel bei FachĂ€rztinnen, FachĂ€rzten und PflegekrĂ€ften sowie zu Komplikationsraten ausgewĂ€hlter Eingriffe. Das Gesetz soll eine groĂe Reform mit Neuregelungen zur VergĂŒtung der KrankenhĂ€user begleiten, ĂŒber die Bund und LĂ€nder derzeit verhandeln.
Lauterbach:Â Transparenz auch ethisch geboten
Lauterbach hatte noch um Zustimmung geworben. Mit der Transparenz solle Menschen, die im nĂ€chsten Jahr eine Krebserkrankung bekommen, beim Finden des richtigen Krankenhauses geholfen werden. Transparenz sei auch ethisch geboten. «Wir haben diese Daten, aber wir nutzen sie nicht.» Nach der Abstimmung sprach der Minister von einer «schlechten Nachricht fĂŒr Patienten» und betonte, das Vermittlungsverfahren mĂŒsse zĂŒgig abgeschlossen werden. «Die Transparenz muss kommen.» Lauterbach verwies auch auf vorgesehene Regelungen zu zusĂ€tzlicher LiquiditĂ€t in Milliardenhöhe, die mit dem Gesetz an die Klinken gehen wĂŒrde. Ansonsten befĂŒrchte er ein vermeidbares Krankenhaussterben.
Scharfe Kritik am Vorgehen der LĂ€nder kam aus der Ampel-Koalition im Bundestag. SPD-Fraktionsvize Dagmar Schmidt sagte, sie spielten aus politischen GrĂŒnden mit der Sicherstellung der Patientenversorgung. «Das ist unverantwortbar.» GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sprach von einer «bitteren Entscheidung» fĂŒr Patienten wie auch fĂŒr die KrankenhĂ€user. «Wir werden im Bund alles dafĂŒr tun, dass dieses fĂŒr die Menschen wichtige Gesetz dennoch schnellstmöglich in Kraft tritt.» FDP-Fachpolitiker Lars Lindemann sagte, den LĂ€ndern mĂŒsse ins Stammbuch geschrieben werden, dass sie lange ignorierten finanziellen Verpflichtungen gegenĂŒber den KrankenhĂ€usern nachzukommen hĂ€tten.
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft begrĂŒĂte den vorlĂ€ufigen Stopp des Gesetzes. Darin gehe es weniger um Transparenz als darum, den LĂ€ndern die Hoheit fĂŒr die Krankenhausplanung zu entziehen. Darunter litte am Ende die Versorgung in der FlĂ€che. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen bedauerte das LĂ€ndervotum, denn Transparenz sei ein SchlĂŒssel fĂŒr mehr QualitĂ€t. Unions-Fraktionsvize Sepp MĂŒller (CDU) sagte, Lauterbach sei einmal mehr als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Mit seiner Unbeugsamkeit gegenĂŒber den LĂ€ndern setze er die Gesundheitsversorgung vor allem der Menschen im lĂ€ndlichen Raum aufs Spiel.


