EU-Parlament lockert Verbrenner-Aus mit 87,5-Prozent-Ziel
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 09:12 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSGrenzwerte und Fraktionen im Verfahren
- EVP, S&D und Renew Europe verständigten sich in der Nacht zum Dienstag auf den Kompromiss.
- Die Regelung bezieht sich auf den CO2-Ausstoß neuer Fahrzeuge in der Europäischen Union.
- Der Einsatz von grünem Stahl soll eine zusätzliche Absenkung um 7,5 Prozentpunkte ermöglichen.
EU-Parlament lockert geplante Neuwagenregeln
Konservative, Sozialdemokraten und Liberale im Europaparlament haben einen Kompromiss zur Lockerung des Verbrenner-Aus erzielt. Nach dem Vorschlag soll der CO2-Ausstoß von Neuwagen in der EU bis 2035 nur um 87,5 Prozent gegenüber dem Ausgangsjahr 2021 sinken.
Damit bliebe der Verkauf neuer Verbrenner und Hybridautos auch nach 2035 erlaubt, ohne dass den Herstellern Milliardenstrafen drohen würden. Der Kompromiss ist noch nicht offiziell, weil sich die drei beteiligten Fraktionen zunächst mit dem Verhandlungsergebnis befassen müssen.
Hersteller erhalten mehr Spielraum
Die Unterhändler der konservativen EVP, der sozialdemokratischen S&D und der liberalen Fraktion Renew Europe verständigten sich in der Nacht zum Dienstag auf die Lösung. Die drei Fraktionen bilden im Europaparlament die sogenannte Mitte-Plattform.
Der Vorschlag soll den Weg für eine Reform der CO2-Grenzwerte bereiten, auf die sich die europäischen Institutionen verständigen müssten. Für die Autohersteller würde die Regelung den Druck mindern, sämtliche Neuwagenangebote bis 2035 auf emissionsfreie Antriebe umzustellen.
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Grüner Stahl soll Ziel verbessern
Parallel soll die Autoindustrie einen starken Anreiz erhalten, klimafreundlich produzierten Stahl zu verwenden. Nach den Plänen sollen die Emissionen um 95 Prozent sinken.
Wenn Hersteller grünen Stahl einsetzen, dürfen sie den Zielwert um weitere 7,5 Prozentpunkte unterschreiten. Die Regelung würde damit neben den Antrieben auch die Materialauswahl und die industrielle Produktion in die Klimabilanz einbeziehen.
Entscheidung der Fraktionen steht aus
Der in der Nacht zum Dienstag erzielte Kompromiss muss noch von EVP, S&D und Renew Europe beraten werden. Erst mit ihrer Zustimmung wäre der Weg für die weiteren Gespräche zwischen den europäischen Institutionen frei.
Der Kompromiss betrifft einen Kernpunkt der europäischen Klimapolitik: die Flottengrenzwerte für neue Pkw. Nach dem bisher geltenden Ziel sollten die durchschnittlichen CO2-Emissionen neuer Fahrzeuge ab 2035 vollständig auf null sinken. Die nun genannte Reduktion um 87,5 Prozent gegenüber 2021 würde den Herstellern zusätzliche technische und wirtschaftliche Spielräume lassen.
Für die Autoindustrie wäre die Regelung vor allem deshalb relevant, weil Verstöße gegen die Flottengrenzwerte hohe Strafzahlungen auslösen können. Eine Lockerung könnte den Übergang für Hersteller erleichtern, die ihr Angebot noch nicht vollständig auf batterieelektrische Fahrzeuge umgestellt haben. Gleichzeitig würde der Absatz von Verbrennern und Hybriden über 2035 hinaus rechtlich möglich bleiben.
Grüner Stahl als Ausgleich
Der geplante Anreiz für klimafreundlich produzierten Stahl verbindet die Fahrzeugregeln mit der industriellen Transformation. Die vorgesehene zusätzliche Minderung um 7,5 Prozentpunkte soll den Einsatz emissionsärmerer Materialien attraktiver machen. Damit würde nicht nur der Antrieb, sondern auch die Herstellung der Fahrzeuge stärker in die CO2-Bilanz einbezogen.
Politisch muss die Mitte-Plattform aus EVP, S&D und Renew Europe das Ergebnis noch bestätigen. Erst danach kann der Kompromiss in die weiteren Gespräche der europäischen Institutionen einfließen. Für Verbraucher bleibt entscheidend, ob sich dadurch das Angebot an Neuwagen, deren Preise und die Verfügbarkeit verschiedener Antriebe nach 2035 verändern.
