Ex-BND-PrÀsident Hanning wegen Spionageverdachts in Untersuchungshaft
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 13:39 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer frĂŒhere BND-PrĂ€sident August Hanning sitzt wegen des Verdachts auf Spionage und versuchten Landesverrats in Untersuchungshaft.
Haftbefehl in Karlsruhe vollzogen
Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe setzte den Haftbefehl gegen den 80-JÀhrigen in Vollzug, wie eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft mitteilte. Die oberste deutsche Anklagebehörde wirft Hanning geheimdienstliche AgententÀtigkeit, landesverrÀterische AusspÀhung, das Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor.
Hanning war am Dienstag im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen festgenommen worden. Sein frĂŒherer BĂŒroleiter beim Bundesnachrichtendienst, Manfred D., kam ebenfalls in Haft; Beamte des Bundeskriminalamts hatten ihn im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Bayern gefasst.
Geheime BND-Informationen gegen Bezahlung
Nach Angaben der Bundesanwaltschaft sollen Hanning und D. vermutlich 2010 vereinbart haben, dass der frĂŒhere BĂŒroleiter dem fĂŒnf Jahre zuvor aus dem Amt geschiedenen BND-PrĂ€sidenten gegen Bezahlung fortlaufend wertvolle Erkenntnisse beschafft. Hanning soll die Informationen gewinnbringend fĂŒr seine BeratertĂ€tigkeit verwendet haben.
Die Ermittler gehen demnach davon aus, dass Hanning ĂŒber möglicherweise zwölf Jahre Informationen erhielt, die ausschlieĂlich fĂŒr interne Angelegenheiten des deutschen Auslandsgeheimdienstes bestimmt waren. In einem Fall soll er daraus eine Analyse fĂŒr einen Mitarbeiter eines fremden nachrichtendienstlichen Sicherheitsapparats erstellt haben.
EmpfÀnger der Analyse bleibt offen
Ob diese Analyse den vorgesehenen Adressaten erreichte, sei bislang nicht festzustellen gewesen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Welches Land hinter dem möglichen Sicherheitsapparat steht, blieb zunÀchst offen.
Verbindungen ĂŒber mehrere Jahre
Hanning leitete den BND von Dezember 1998 bis Ende November 2005. Danach wechselte er als StaatssekretÀr ins Bundesinnenministerium und arbeitete spÀter als Sicherheitsberater in der Privatwirtschaft.
Manfred D. soll Hanning zwischen Dezember 2005 und November 2009 als Assistent ins Innenministerium gefolgt sein. Von MĂ€rz 2012 bis MĂ€rz 2026 arbeitete er laut Bundesanwaltschaft erneut als BĂŒroleiter fĂŒr mehrere BND-PrĂ€sidenten und hatte dabei Zugriff auf geheimhaltungsbedĂŒrftige Informationen.
Ein Fall mit auĂergewöhnlicher Tragweite
Der Vorgang berĂŒhrt den Kern staatlicher Sicherheitsstrukturen: Der BND verarbeitet Informationen, die fĂŒr die auĂen- und sicherheitspolitische Lagebewertung Deutschlands bestimmt sind. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass ein frĂŒherer BehördenprĂ€sident solche Erkenntnisse nach seiner Amtszeit fĂŒr eine private BeratertĂ€tigkeit genutzt haben soll.
Nach den Angaben der Bundesanwaltschaft soll der Informationsfluss ĂŒber Jahre bestanden haben. Der frĂŒhere BĂŒroleiter Manfred D. arbeitete demnach bis MĂ€rz 2026 erneut fĂŒr mehrere BND-PrĂ€sidenten und hatte damit Zugang zu geheimhaltungsbedĂŒrftigen Unterlagen. Das wirft neben strafrechtlichen Fragen auch Fragen nach internen Zugriffskontrollen, Nachsorge fĂŒr ausgeschiedene FĂŒhrungskrĂ€fte und dem Schutz von Informationen auslĂ€ndischer Partnerdienste auf.
Was jetzt geklÀrt werden muss
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht, welche Dokumente Hanning erhalten und wie er sie verwendet hat. Die Bundesanwaltschaft prĂŒft zudem, ob eine fĂŒr einen Mitarbeiter eines auslĂ€ndischen Sicherheitsapparats erstellte Analyse tatsĂ€chlich ĂŒbermittelt wurde und welcher Staat als möglicher EmpfĂ€nger infrage kommt. FĂŒr die Beschuldigten gilt bis zu einer rechtskrĂ€ftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: âSpionageverdacht: Ex-BND-Chef auf altem Familienanwesen festgenommenâ (06.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die Festnahme Hannings und stelle den Zusammenhang mit einer frĂŒheren Durchsuchung im EntfĂŒhrungsfall Block heraus. Er berichte zudem, die Ermittler gingen nicht von Russland als möglichem EmpfĂ€nger aus, und verweise auf den Verdacht, Hanning habe Analysen fĂŒr den Geheimdienst Aserbaidschans erstellt.
Tagesspiegel: âEx-BND-Chef festgenommen: Hanning stand offenbar mit aserbaidschanischem Agent in Kontaktâ (06.10.2026)
Der Artikel schreibe, Ermittler prĂŒften einen Kontakt Hannings zu einem aserbaidschanischen Geheimdienstmitarbeiter. Anders als der WDR-Bericht lege er den Schwerpunkt auf diesen möglichen Auftraggeber; offen bleibe auch nach seiner Darstellung, ob die Analyse den Adressaten tatsĂ€chlich erreicht habe.
Beide Berichte bestĂ€tigten die Festnahmen und die zentrale offene Frage nach einer möglichen Weitergabe von Informationen ins Ausland. Unterschiede gebe es vor allem bei der Darstellung des möglichen EmpfĂ€ngerstaats und bei der Gewichtung des Zusammenhangs mit dem frĂŒheren Ermittlungsverfahren.
