EZB: Lagarde verlÀsst Notenbank am 7. Februar 2027
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 12:08 Uhr | dpa, AD HOC NEWSEZB-Personalplan fĂŒr 2027
- Christine Lagarde beendet ihre Amtszeit an der EZB am 7. Februar 2027.
- Das Nachfolgeverfahren soll nach der Mitteilung an AntĂłnio Costa umgehend beginnen.
- Isabel Schnabel wechselt Anfang Januar 2027 zum IWF nach Washington.
Lagarde verlÀsst EZB am 7. Februar 2027
Christine Lagarde gibt ihr Amt als PrĂ€sidentin der EuropĂ€ischen Zentralbank zum 7. Februar 2027 auf. Die Französin informierte den EZB-Rat und EU-RatsprĂ€sident AntĂłnio Costa ĂŒber ihren RĂŒcktritt.
Nachfolge soll sofort geregelt werden
RegulĂ€r wĂ€re Lagardes achtjĂ€hrige Amtszeit bis Ende Oktober 2027 gelaufen. Costa kĂŒndigte an, das Verfahren fĂŒr die Nachfolge noch am selben Tag einzuleiten, um einen reibungslosen Ăbergang zu ermöglichen.
Die Entscheidung fĂ€llt in eine schwierige Phase fĂŒr die Notenbank. Die Inflation im Euroraum stieg im September auf 3,8 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit drei Jahren; das EZB-Ziel von mittelfristig 2,0 Prozent ist weiter entfernt.
Deutschland bringt seinen Einfluss ein
Finanzminister Lars Klingbeil erklĂ€rte, Deutschland werde als gröĂter Staat im Euroraum sein Gewicht in die Suche nach einer breit getragenen FĂŒhrung einbringen. Er stehe dazu mit Kanzler Friedrich Merz und den europĂ€ischen Amtskollegen im Austausch.
Die 21 Staats- und Regierungschefs der Eurostaaten mĂŒssen die Nachfolge nun frĂŒher entscheiden. Der Termin ermöglicht es Macron und Merz, die Besetzung noch vor der französischen PrĂ€sidentschaftswahl im April 2027 zu klĂ€ren.
Mehrere Spitzenposten werden frei
Als mögliche Nachfolger gelten der frĂŒhere niederlĂ€ndische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo HernĂĄndez de Cos. Auch Bundesbank-PrĂ€sident Joachim Nagel hat Interesse an der EZB-Spitze signalisiert.
EZB-Direktorin Isabel Schnabel soll Anfang Januar 2027 zum Internationalen WĂ€hrungsfonds nach Washington wechseln. Im Juni 2027 endet auĂerdem die Amtszeit von EZB-Chefökonom Philip R. Lane, weshalb auf europĂ€ischer Ebene ein Gesamtpaket fĂŒr mehrere Personalentscheidungen erwartet wird.
Lagardes Amtszeit war von Krisen geprÀgt
Lagarde ĂŒbernahm die EZB am 1. November 2019 als erste Frau an der Spitze. WĂ€hrend ihrer Amtszeit musste die Notenbank auf die Corona-Pandemie, den Ălpreisschock, den russischen Angriff auf die Ukraine und die daraus folgende Inflationswelle reagieren.
Die EZB erhöhte die Zinsen zehnmal in Folge, um die Nachfrage zu bremsen. Im Juni 2024 leitete sie die Zinswende ein; zuletzt erhöhte der Iran-Krieg mit einem erneuten Ălpreisschock den Druck auf die Geldpolitik.
Christine Lagardes vorzeitiger Abgang fĂ€llt in eine Phase, in der die EZB zugleich geldpolitische StabilitĂ€t und politische UnabhĂ€ngigkeit sichern muss. Nach der DPA-Meldung liegt die Inflation im Euroraum im September bei 3,8 Prozent und damit deutlich ĂŒber dem mittelfristigen Ziel von 2,0 Prozent. Der Iran-Krieg und der damit verbundene Ălpreisschock erhöhen den Druck auf die Notenbank, weil Energiepreise die Teuerung unmittelbar antreiben und zugleich die Konjunktur belasten können.
Die Nachfolge ist deshalb mehr als eine Personalentscheidung. Der PrĂ€sident oder die PrĂ€sidentin der EZB prĂ€gt gemeinsam mit dem EZB-Rat die Kommunikation, die EinschĂ€tzung von Inflationsrisiken und den Kurs bei den Leitzinsen. Ein Wechsel wenige Monate vor dem regulĂ€ren Ende der Amtszeit verkĂŒrzt die Ăbergangsphase und eröffnet den Regierungen der Eurostaaten zugleich zusĂ€tzlichen Spielraum fĂŒr einen politischen Kompromiss.
Personalpaket fĂŒr Europas Institutionen
Die DPA-Meldung verweist auf mehrere freie Spitzenpositionen im Jahr 2027: Isabel Schnabel soll Anfang Januar zum IWF wechseln, im Juni endet die Amtszeit von EZB-Chefökonom Philip R. Lane. Dadurch dĂŒrfte die Besetzung der EZB-Spitze mit weiteren Personalentscheidungen verknĂŒpft werden. Deutschland kann als gröĂte Volkswirtschaft Einfluss beanspruchen, muss aber berĂŒcksichtigen, dass mit Ursula von der Leyen bereits eine Deutsche die EU-Kommission fĂŒhrt.
FĂŒr BĂŒrger und Unternehmen wird die Auswahl vor allem ĂŒber die Geldpolitik spĂŒrbar. Ein glaubwĂŒrdiger Kurs gegen die Inflation beeinflusst Kreditzinsen, Sparanlagen und die Finanzierung von Staaten und Firmen. Zugleich bleibt offen, wie die Staats- und Regierungschefs die Interessen der Eurostaaten bis zum angekĂŒndigten Verfahren und spĂ€testens zum Dezember-Gipfel ausbalancieren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: âEZB-Chefin Lagarde tritt im Februar vorzeitig zurĂŒckâ (29.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt den RĂŒcktritt zum 7. Februar 2027 und stellt den vorzeitigen Abschied gegenĂŒber dem regulĂ€ren Ende der Amtszeit im Oktober 2027 heraus. Im Mittelpunkt steht damit der zeitliche Ablauf; die DPA-Meldung ordnet zusĂ€tzlich die Kandidaten und das mögliche Personalpaket ein.
Frankfurter Rundschau: âEZB-PrĂ€sidentin Lagarde tritt vorzeitig zurĂŒck â Nachfolger aus Deutschland?â (29.10.2026)
Der Artikel bestĂ€tigt den RĂŒckzug und richtet den Schwerpunkt auf die mögliche deutsche Nachfolge. Damit ergĂ€nzt er die DPA-Meldung um die politische Personalfrage, wĂ€hrend die konkrete Entscheidung der Eurostaaten und die Verteilung weiterer Spitzenposten offen bleiben.
Beide BeitrĂ€ge stimmen beim RĂŒcktrittstermin ĂŒberein. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: WĂ€hrend Tagesschau den Zeitplan betont, rĂŒckt die Frankfurter Rundschau die deutsche Option in den Mittelpunkt.
