Deutschland, Gesundheit

Termingarantie fĂŒr Facharzt? KassenĂ€rzte: «Bullshit»

06.04.2026 - 14:51:22 | dpa.de

Facharzttermine erst nach Wochen? Der SPD-Fraktionschef will das Ă€ndern. In der Ärzteschaft wird sein Vorschlag mit einem Kraftausdruck zurĂŒckgewiesen. Krankenkassen und PatientenschĂŒtzer sind empört.

Wer in Deutschland einen Facharzttermin braucht, muss hÀufig viel Geduld haben. (Symbolfoto) - Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa

Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die Forderung nach einer Garantie fĂŒr Facharzttermine innerhalb von drei Wochen mit derben Worten zurĂŒckgewiesen. KBV-Chef Andreas Gassen sprach von «Bullshit» und «sozialistischer Regelungswut». «Unser System wird vor die Wand fahren, wenn wir nicht endlich verbindliche Regeln schaffen, die auf dem medizinischen Bedarf beruhen und nicht auf persönlichen WĂŒnschen von wem auch immer», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). 

Gassen reagierte damit auf eine Forderung von SPD-Fraktionschef Matthias Miersch, der kĂŒrzlich einen gesetzlichen Anspruch auf einen zeitnahen Termin beim Facharzt verlangt und drei Wochen als angemessene Frist genannt hatte. Zuvor hatte auch der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Termingarantie bei FachĂ€rzten fĂŒr gesetzlich Versicherte gefordert.

Kritik an Unterscheidung zwischen gesetzlich oder privat versichert 

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wies die Argumentation der KassenĂ€rzte scharf zurĂŒck. «In der RealitĂ€t geht es bei der Terminvergabe doch zu selten um die Frage, was wirklich medizinisch notwendig ist, und viel zu oft um die Frage, ob jemand gesetzlich oder privat versichert ist», so GKV-Sprecher Florian Lanz. «Deshalb wĂ€re es richtig, wenn bei der Terminvergabe kĂŒnftig nicht mehr nach "gesetzlich oder privat" gefragt werden dĂŒrfte.»

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, im vergeblichen BemĂŒhen, die Wartezeiten fĂŒr gesetzlichen Versicherte zu senken, seien in den vergangenen Jahren Milliarden von Euro verpufft. Vorstand Eugen Brysch rief die Bundesregierung auf, die unnĂŒtzen und teuren GebĂŒhren ersatzlos zu streichen. «Stattdessen gilt es, die wöchentlichen, vertraglich zugesicherten PrĂ€senzzeiten der KassenĂ€rzte zu ĂŒberprĂŒfen. Schwarze Schafe torpedieren die engagierte Arbeit vieler VertragsĂ€rzte.»

«Große Mehrheit kann mehrere Wochen oder Monate warten»

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will mit einem geplanten Sparpaket höhere KrankenkassenbeitrĂ€ge fĂŒr mehrere Jahre abwenden. Eine Expertenkommission legte 66 Empfehlungen vor, um die Kassen angesichts stark steigender Ausgaben zu entlasten. Mit der geplanten Reform sollen die Versicherten in der Regel zuerst zum Hausarzt gehen. Der soll bei Bedarf zum Facharzt ĂŒberweisen - mit Termin innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Genaueres ist noch offen. Die Reform soll voraussichtlich bis 2028 verwirklicht werden. 

Das von der Koalition geplante PrimÀrarztsystem sei «grundsÀtzlich ein richtiger Ansatz», sagte Gassen. «Das wird aber auch nicht funktionieren, wenn wir nicht zu einer klaren Definition dessen kommen, was wirklich dringend ist. Nach unserer EinschÀtzung ist das ein wirklich sehr kleiner Prozentsatz aller Termine.» 

Diese Patienten mĂŒssten innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen behandelt werden. «Die große Mehrheit kann aus medizinischer Sicht auch mehrere Wochen oder Monate warten», so der KBV-Vorsitzende. «Wer RĂŒckenschmerzen hat, muss nicht morgen untersucht werden, wenn er die Beschwerden schon seit drei Jahren hat.»

Wartezeit von durchschnittlich 42 Tagen 

Patientinnen und Patienten mĂŒssen immer lĂ€nger auf einen Termin beim Facharzt warten. Nach einer im Februar veröffentlichten Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Linken-Anfrage betrug die Wartezeit im Jahr 2024 bei gesetzlich Versicherten, die mindestens einen Tag auf einen Facharzttermin gewartet haben, durchschnittlich 42 Tage. Im Jahr 2019 waren es noch 33 Tage.

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