VorfÀlle, Pöbeleien

Fast 1000 antisemitische VorfÀlle dokumentiert

28.11.2023 - 09:26:04

Pöbeleien und Hass an der Uni, Gewalt wegen einer Israelflagge: Nach dem 7. Oktober haben die beim Netzwerk Rias gemeldeten antisemitischen VorfÀlle drastisch zugenommen.

Im ersten Monat nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel haben Meldestellen in Deutschland bundesweit 994 antisemitische VorfÀlle dokumentiert. Rechnerisch seien das 29 FÀlle pro Tag, 320 Prozent mehr als der tÀgliche Durchschnitt 2022, berichtete der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) in Berlin. Die Auswertung umfasst den Zeitraum 7. Oktober bis 9. November 2023.

Viele JĂŒdinnen und Juden erlebten antisemitische VorfĂ€lle im Alltag und fĂŒhlten sich unsicher, so Rias. Allein 59 VorfĂ€lle im Wohnumfeld seien gemeldet geworden. Zum Beispiel seien in Gießen zwei MĂ€nner gewaltsam in die Wohnung eines Israeli eingedrungen, um eine aus dem Fenster hĂ€ngende Israelflagge zu entfernen.

«Zahlen erschreckend, aber nicht verwunderlich»

Auch an den UniversitĂ€ten nĂ€hmen Antisemitismus und antiisraelische Propaganda zu. Insgesamt seien 37 antisemitische VorfĂ€lle an Hochschulen dokumentiert worden. JĂŒdische Studierende hĂ€tten berichtet, dass sie von Kommilitonen fĂŒr das Verhalten Israels verantwortlich gemacht worden seien. Einige seien nicht mehr zur Uni gegangen. In Franken sei an einer Hochschule das Bild einer Person, die sich gegen Antisemitismus engagiere, mit Hassparolen markiert worden.

Die Zahlen seien erschreckend, aber nicht verwunderlich, erklĂ€rte Hanna Veiler, PrĂ€sidentin der JĂŒdischen Studierendenunion Deutschland. «Junge JĂŒdinnen und Juden berichten seit dem 7. Oktober ununterbrochen, wie stark der Antisemitismus, den sie in ihrem alltĂ€glichen Leben wahrnehmen, vor allem im universitĂ€ren Kontext, zugenommen hat.»

Die Rias-Meldestellen erfassten bundesweit 177 antisemitische Versammlungen. Desinformation trage zur Mobilisierung bei, so etwa ungeprĂŒfte Meldungen ĂŒber einen angeblichen Angriff der israelischen Armee auf das Al-Ahli Krankenhaus am 17. Oktober, hieß es. Danach habe sich die Zahl antisemitischer Versammlungen im Vergleich zur Woche davor verdoppelt.

«Die Propagandaerfolge der Hamas haben auf den Zu- und Verlauf von Demonstrationen in Deutschland einen grĂ¶ĂŸeren Einfluss als das Agieren des israelischen MilitĂ€rs selbst», sagte Rias-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Benjamin Steinitz. Medien hĂ€tten die Verantwortung, Bilder und Opferzahlen genau zu prĂŒfen.

@ dpa.de